"Keine Eier": Führungslöwen über Mentalitäts-Manko bei 1860
Es lief die 20. Spielminute am Sonnenhof in Aspach, da verfinsterten sich die Gesichter der Löwen, nach zuvor eigentlich ganz gutem Spiel, erstmals zu bösen Mienen: Ex-Löwe Mansour Ouro-Tagba leitet einen mustergültig-blitzschnellen Konter ein, den VfB-Bubi Noah Darvich eiskalt versenkte. Nur sechs Minuten später, als der durchgestartete Justin Diehl nach ähnlich geringer Gegenwehr ebenfalls kaltschnäuzig in den Kasten traf, lagen die Blauen endgültig am Boden. Autsch.
Kauczinskis Frust über defensive Schwächen
"Es darf keine Ausreden mehr geben", hatte Markus Kauczinski, Cheftrainer des TSV 1860, vor dem Duell beim VfB Stuttgart II in dem Wissen gesagt, dass die erhoffte, die angestrebte Aufholjagd bis hoch zu den Aufstiegsrängen schleunigst einer Siegesserie bedarf. Hinterher konnte der 55-Jährige bei "Magentasport" nicht anders, als sich zu echauffieren: "Wir haben ordentlich begonnen. Die ersten 20 Minuten waren in unserer Hand. Dann sind wir schlecht positioniert, werden ausgekontert." Sechzig kennt dieses Murmeltier nur zu gut: 2026 lag der TSV in allen vier Spielen erstmal hinten.
Kauczinski wurde noch deutlicher, als er sich das 0:1 nochmals ansehen und analysieren musste: "Das ist zu einfach, das darf nicht sein. Wir lassen uns viel zu leicht ausspielen, ein langer Ball, ein Querpass, drei Stationen und wir sind blank. Das ist viel zu billig. Wir lassen dem Gegner viel zu viel Platz!"
Verlorene Fäden und verpasste Chancen
Dabei hatte Kauczinski doch all das schon durch seine aufrüttelnden Worte im Vorfeld zu verhindern versucht! Einzig: Es kam dennoch, wie es kommen musste und bei Drittliga-Dino 1860 alle Jahre früher oder später wieder kommt.

Dabei hatten sich die Löwen so viele aufstiegsnäherbringende Dinge vorgenommen. Mit spürbar viel Wut im Bauch, mit hohem Pressing, einem deutlichen Übergewicht und einem Tor durch Wirbelwind Sigurd Haugen, das wohl knapp abseits war, schienen sie der talentierten Zweitvertretung ernsthafte Probleme bereiten zu können. Nach dem 0:1 aber habe der TSV "den Faden verloren", weshalb die Sechziger mit dem 0:2 noch gut bedient waren. "Wir waren daneben, kriegen das zweite Gegentor, weil die Lücke einfach zu groß ist. Auch das war viel zu einfach", sagte Kauczinski frustriert. Es klang ganz nach einem dieser Momente, in denen auch ein routinierter Trainerfuchs nicht mehr weiter weiß.
Kritik des Kapitäns und fehlende Führung
Kapitän Thore Jacobsen setzte noch wortgewaltig einen drauf. Der eigentlich so ballsichere Abräumer, der gegen die pfeilschnellen Schwaben auch keine Mittelfeld-Hoheit heraufbeschwören konnte, kritisierte das ganze Kollektiv auseinanderfallender Löwen: "Wir haben unreif gespielt, keine Eier gehabt. Ich weiß nicht, was los war. Jeder hat gemacht, was er wollte. Das war von allen zu wenig." Wählen Spieler solche Worte, dann weiß man, dass er brennt, der sprichwörtliche Baum. Dabei konnte einem der erst 18-jährige Jacobsen-Nebenmann Loris Husic eigentlich nur leidtun, dessen Debüt definitiv zur falschen Zeit am falschen Ort stattfand. Wenngleich Sechser Husic überfordert wirkte und zur Pause ausgewechselt wurde, wären es die erfahrenen Kollegen gewesen, die vorangehen hätten müssen.
Keine Eier, keine Ambitionen: Mit der ersten Pleite des Jahres 2026, glauben wohl nur noch die allergrößten Optimisten daran, dass nach ganz oben noch was gehen könnte. Kauczinski brachte es mit einer Klarheit auf den Punkt, die dem TSV im Spiel gutgetan hätte: "Wir sind gerade in einer schwierigen Phase. Über den Aufstieg brauchen wir nicht mehr zu reden."
Sechzig steht aktuell bei 33 Zählern
Um gegen hochveranlagte Stuttgarter Youngster nach Haugens Anschlusstor (85.) nicht nur glücklich durch einen fälligen Elfmeter zu punkten (siehe links), sondern verdientermaßen, hätte es mindestens folgenden Dreiklang gebraucht: mehr defensive Stabilität, mehr Offensivpower, mehr Jetzt-erst-recht-Mentalität. Und so zeigt die Tabelle ein brutales Bild: Sechzig ist und bleibt mit 33 Zählern mittendrin – nicht im Aufstiegsrennen, sondern weit, weit davon entfernt im Mittelmaß.
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