Kehrt er schon auf das aktuelle Trikot zurück? Löwe ist beim TSV 1860 zurück

Insolvenz als Befreiungsschlag: Beim TSV 1860 endet die umstrittene Ismaik-Ära, der Verein holt Markenrechte und Mannschaft zurück unter sein Dach – und eröffnet damit in Giesing ein neues Kapitel Löwen-Geschichte.
Ruben Stark,
Florian Weiß
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1860-Präsident Gernot Mang frohlockt: "Der Löwe ist zurückgekehrt – das ist ein starkes Signal für unsere Fans, unsere Partner und den gesamten Verein."
1860-Präsident Gernot Mang frohlockt: "Der Löwe ist zurückgekehrt – das ist ein starkes Signal für unsere Fans, unsere Partner und den gesamten Verein." © IMAGO

Freiheit für Sechzig heißt seit Wochen der Giesinger Slogan, der Herz und Seele eines gewichtigen Teils der Anhängerschaft des TSV 1860 erfüllt. Der 1. September 2026 wird in diesem Ringen um die Zukunft der Blauen nun wohl als der Tag der endgültigen Befreiung aus den Fängen des Investors in die Vereinsgeschichte eingehen. So dürften sie das sehen.

Löwe ist zurück beim TSV 1860

Symbolisch steht über alldem: Der Löwe, das weithin bekannte Markenzeichen der Sechzger, ist wieder da - auch, wenn er nach AZ-Infos in dieser Saison wohl noch nicht wieder auf die Triktos zurückkehren wird.

Was beim Blick auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zunächst skurril erscheint, stellt sich anders dar, wenn man genauer hinsieht. Jedenfalls aus der Perspektive all derer, die es mit dem e.V. und der neu gegründeten Spielbetriebs-GmbH halten und deren jahrelange Hoffnungen nach einem ewigen Auf und Ab in der Liaison zu Seite um Hasan Ismaik, ständigen Konflikten und gegenseitigen Blockaden nun offenbar erhört wurden. Aber der Reihe nach.

Insolvenzverwalter Max Liebig (rechts) am Trainingsgelände des TSV 1860 mit Löwen-Präsident Gernot Mang (mitte).
Insolvenzverwalter Max Liebig (rechts) am Trainingsgelände des TSV 1860 mit Löwen-Präsident Gernot Mang (mitte). © IMAGO

Insolvenzverfahren eröffnet, Gläubigerversammlung am 1. Dezember

Am Dienstagmorgen wies die Onlineplattform "neu.insolvenzbekanntmachungen.de" zwei eröffnete Verfahren im Zusammenhang mit dem TSV 1860 aus – unter den Aktenzeichen "1502 IN 2387/26" für die KGaA sowie "1502 IN 2389/26" für die Geschäftsführungs-GmbH. So weit, so erwartbar. "Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Schuldnerin wird wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung am 01.09.2026 um 07.30 Uhr eröffnet", heißt es da.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig wurde nun auch offiziell bestellt. Im Zuge dessen wurde als weiterer wichtiger Termin der 1. Dezember 2026 erwähnt, weil an diesem Tag um 11 Uhr die Gläubigerversammlung in der kleinen Olympiahalle stattfinden wird.

"Markenrechte und Mannschaft gelangen unter das Dach des Vereins"

Der Paukenschlag folgte wenige Stunden später in der Mittagszeit, als Liebig über die Agentur Schellenberg & Kirchberg PR erklärte, dass der vom Amtsgericht München eingesetzte vorläufige Gläubigerausschuss unmittelbar nach Verfahrenseröffnung der Annahme eines Angebots des Turn- und Sportverein München von 1860 e.V. und der neuen TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH zugestimmt habe.

Kurz danach folgte die Jubelbotschaft aus Giesing. "Wir freuen uns", verkündeten e.V.-Präsident Gernot Mang und GmbH-Geschäftsführer Thomas Probst in einem gemeinsamen Statement, "dass es nach langen und umfangreichen Verhandlungen gelungen ist, eine Einigung zu erzielen." Und diese Einigung ist ein echter Hammer, denn "damit gelangen die Markenrechte und die Mannschaft unter das Dach des Vereins und seiner Spielbetriebs-GmbH." Mang und Probst triumphierend: "Der Löwe ist zurückgekehrt – das ist ein starkes Signal für unsere Fans, unsere Partner und den gesamten Verein."

Vertritt Hasan Ismaik: Anwalt Peter Gauweiler.
Vertritt Hasan Ismaik: Anwalt Peter Gauweiler. © IMAGO

Insolvenzverwalter Liebig: "Für alle Beteiligten ein bedeutender Erfolg"

Sowohl Liebig als auch Sechzig wiesen darauf hin, dass Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart worden sei. "Vor dem Hintergrund der bekannten, sehr herausfordernden Ausgangslage im Verfahren ist dies für alle Beteiligten ein bedeutender Erfolg", erläuterte Liebig und bezog sich auf die beiden KGaA-Gesellschafter e.V. und die Firma HAM International um Ismaik sowie deren belastetes Verhältnis.

Wie Ismaiks Lager die Situation beurteilt und aufnimmt, wollte die AZ von Peter Gauweiler wissen, der frühere CSU-Politiker vertritt den Jordanier in der Causa juristisch. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieb die Anfrage unbeantwortet.

Mindestens zwei Interessenten wollten KGaA-Werte erwerben

Während des Insolvenzantragsverfahrens, so geht es aus Liebigs Mitteilung hervor, seien intensive Gespräche mit mehreren Interessenten geführt worden, wobei sich am Ende nur eine Lösungsmöglichkeit als umsetzbar erwiesen habe. Die AZ weiß von zwei Interessenten, die unter Umständen die wichtigsten KGaA-Werte erwerben wollten.

"Wir sind dankbar für ein reges Interesse am Investorenprozess und viele sehr ernsthafte Gespräche, aus denen wir letztlich die Überzeugung gewinnen konnten, dass der nun gewählte Weg für die Gläubiger der KGaA das beste Ergebnis darstellt", sagte Liebig.

Werden demnächst Post von Liebig bekommen: Die Fans des TSV 1860.
Werden demnächst Post von Liebig bekommen: Die Fans des TSV 1860. © IMAGO

Gläubiger der KGaA – darunter Dauerkartenkäufer – erhalten demnächst Post

Neben Markenrechten und "wesentlicher Betriebsmittel", wie es bezeichnet wurde, sollen auch Beschäftigte aus der KGaA, also etwa Geschäftsstellenangestellte oder Kaderspieler von der U19, der U21 und der ehemaligen Profiabteilung, übernommen werden. Wie viele insgesamt, das blieb zunächst offen. "Die sportliche Kontinuität ist damit sichergestellt", stellte Sechzig aber heraus. Alle Gläubiger, inklusive der 5500 Dauerkartenkäufer für die Drittliga-Saison 2026/27, erhalten demnächst Post von Liebig.

Das Ende der KGaA ist damit besiegelt. "Mit der erfolgreichen Übertragung des operativen Geschäftsbetriebs wird sich die weitere Verfahrensbearbeitung auf die Abwicklung der KGaA konzentrieren", so Liebig noch.

Zu klären sind noch Themen, die die Überlassung des Trainingsgeländes betreffen, Sechzig will alleiniger Erbpachtnehmer werden, dazu wird als Gesprächspartner die Stadt München benötigt. Da eine Lösung zu finden, dürfte machbar sein. Viel größere Hindernisse auf dem Weg zu einem neuen Kapitel Löwen-Geschichte scheinen beiseitegeräumt.

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