Kauczinski über 1860-Fluch: "Wir werden alles dafür tun, dass es nicht so kommt"
Satte 42 Punkte nach 26 Spieltagen – der TSV 1860 hat nicht nur die magische 40-Punkte-Marke geknackt, er hat einen neuen vereinsinternen Drittliga-Rekord: Noch nie hatte Sechzig zu diesem Zeitpunkt mehr Zähler auf dem Konto. Was wollen Sie sich dafür kaufen, Herr Kauczinski?
"Ich bin da überhaupt nicht stolz darauf oder sonst irgendwas", wehrte der Trainer des TSV 1860 ab und verwies auf das Hamsterrad der Liga, das sich mit den nun folgenden Spieltagen 27 und 28 in Windeseile weiterdreht: "Wir sind gerade so im Flow, dass gar keine Zeit ist, irgendeinen Strich drunter zu machen. Wir sind mittendrin!"
Gestern Hoffenheim II (2:1), heute Erzgebirge Aue (Mittwoch, 19 Uhr), morgen Viktoria Köln (Freitag, 19 Uhr): Für den TSV 1860 geht es Schlag auf Schlag, weshalb sich der TSV-Trainer auf der zweiten von drei wöchentlichen Spieltags-Pressekonferenzen erst recht nicht mehr mit der aufkommenden Frage nach Winter-Transfers und der Richtigkeit des Festhaltens am aktuellen Kader beschäftigen wollte: "Das ist doch alter Käse!"
"Bär? Guttau? Wir werden alles dafür tun, dass es nicht so kommt!"
Nein, für Kauczinski zählt aktuell nur eines, nämlich Aue. Wobei sich der 56-Jährige, der ohne die Hinspiel-Pleite (0:2) und den folgenden Doppel-Rauswurf von Ex-Coach Patrick Glöckner und Geschäftsführer Christian Werner wohl gar nicht im Amt wäre, auch nicht zu viel mit Gegnern aus dem Tabellenkeller aufhalten möchte: Wie gefährlich der angeschlagene Erzgebirge-Boxer sei (nur zwei Rückrunden-Punkte)?
"So gefährlich wie jedes andere Drittligaspiel auch! Wir haben gegen Teams von oben gespielt, das war hart und schwer, gegen die Teams von unten war es hart und schwer. Jede Aufgabe hat etwas Besonderes, auf jede Aufgabe müssen wir uns neu einstellen." Klingt logisch in dieser verrückten Liga, in der sich vom neuen Spitzenreiter VfL Osnabrück (49 Punkte) bis zu den achtplatzierten Giesingern noch alle Teams Aufstiegschancen ausrechnen dürfen.
Und was ist mit Marcel Bär und Julian Guttau, die bei 1860 zum überdurchschnittlichen Personal zählten, nicht zuletzt wegen ihrer Ambitionen gingen – und sowieso ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass beim Aufeinandertreffen oft ein Ex-Löwe ins Herz der Blauen trifft? "Wir werden alles dafür tun, dass es nicht so kommt!"
"Aber wenn jetzt einer glaubt, dass es ohne vollen Einsatz geht, dann ..."
Damit wären wir bei der Kernbotschaft Kauczinskis angekommen: Der Chefcoach der Blauen will auch seiner Mannschaft gegenüber ständig dasselbe predigen, nein: Er möchte, dass sie von selbst bis in die Haarspitzen motiviert ist. "Wir haben gerade gute Stimmung, gute Laune, das nehme ich als positiv wahr. Aber wenn jetzt einer glaubt, dass es ohne vollen Einsatz geht, dann hat unsere Mannschaft da vorne nichts verloren. Das muss die Mannschaft selbst kapieren, ohne dass ich 20 Mal dieselbe Platte auflegen muss!"
Kauczinski will seine Löwen gar nicht erst anzünden müssen – sie sollen selbst brennen.

Wenn Sechzger das "verinnerlichen" würden und sich auf "unsere Stärken" besinnen – dann schaut es doch gar nicht so schlecht aus mit einer Verlängerung der Siegesserie. Oder, wie es der weise Trainer-Kauz Kauczinski in seiner Botschaft ausdrückt, die sich fast wie eine Predigt anhört. "Jetzt heißt es einfach: Abrufen, da sein! Es muss einfach Bock machen, jetzt da zu sein."
Brennende Muskeln? "Es gibt doch nichts Schöneres!"
Der Mann hat den Löwen eine Bock-Pflicht verordnet. Und zwar auch dann, wenn die englische Woche lang und länger wird, "auch, wenn man müde wird und die Belastung da ist", oder mit anderen Worten: wenn die Muskeln brennen. Kauczinski dazu: "Es gibt doch nichts Schöneres."
Eine, die nichts damit zu tun hat, den berühmten Bock umzustoßen. Pardon für das Wortspiel, vielmehr sollen seine Sechzger einfach Lust darauf haben, die Welle weiterzureiten und ihre vor ein paar Wochen schon verloren geglaubte Chance beim Schopfe zu packen.
Also, Löwen: Habt ihr Bock auf Aue, auf den nächsten Dreier und die nächsten Punkte Rückstand auf die Spitzenplätze, die den Giesinger Berg hinunterpurzeln?
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