Junglöwe Leitner: Die Schulzeit ist vorbei

1860 verliert in Bochum, doch der Optimismus wächst – dank des Auftritts eines Münchner Talents: „Einer der wenigen echten Straßenkicker, die wir in den vergangenen Jahren hatten“. Wer ist das Juwel namens Moritz Leitner?
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Mehr als 13 Jahre gehörte Moritz Leitner den Löwen an. Sein Weggang nach Augsburg droht nun zur Schlammschlacht zu verkommen.
Rauchensteiner/Augenklick Mehr als 13 Jahre gehörte Moritz Leitner den Löwen an. Sein Weggang nach Augsburg droht nun zur Schlammschlacht zu verkommen.

BOCHUM - 1860 verliert in Bochum, doch der Optimismus wächst – dank des Auftritts eines Münchner Talents: „Einer der wenigen echten Straßenkicker, die wir in den vergangenen Jahren hatten“. Wer ist das Juwel namens Moritz Leitner?

Es war wieder einmal so ein Hätte-wäre-würde-Saisonstart. Am Ende jedoch standen die Löwen, nach einigen Abwehrfehlern, mit ihrem 2:3 beim Bundesliga-Absteiger VfL Bochum ohne Punkte da. Und dennoch überwog bei Spielern und Verantwortlichen hinterher das Positive. Die Sechzger tankten Mumm für die nächsten Spiele. „Wir haben gezeigt, dass wir Potenzial haben. Das macht Mut“, sagte Sportchef Miki Stevic mit zumindest halbwegs zufriedenem Gesichtsausdruck.

Ein Lächeln huschte jedoch erst über seine Lippen, als er über Moritz Leitner sprach.

Kein Wunder, denn den 17-Jährigen hat vor Saisonbeginn eigentlich kaum einer auf der Rechnung. In der Vorbereitung überzeugte er. In Bochum stand er überraschend in der Startelf. Er leitete das 1:1 von Djordje Rakic ein und drosch die Kugel auch selbst mehrfach gefährlich aufs Tor.

„Er hat frech nach vorne gespielt. Das war schön anzusehen“, lobte Stevic. Auch Trainer Reiner Maurer war angetan – und sah sich für seinen Mut bestätigt: „Moritz hat viel Qualität ins Spiel gebracht. Trotzdem müssen wir ihn erst Stück für Stück aufbauen.“

Moritz Leitner, das neue Löwen-Juwel, nach seinen tollen Testspielen und dem prima Auftritt beim Pokalsieg in Verl brilliert er nun auch in der zweiten Liga. Doch wer ist der junge Bursche mit österreichischem Pass eigentlich?

Leitner ist in Münchnen geboren, wuchs in Unterföhring als Sohn einer Österreicherin und eines Deutschen auf und kickte schon mit fünf Jahren beim FC Unterföhring. „Er war aber höchstens ein halbes Jahr bei uns“, erzählt Manuel Prieler, seit 40 Jahren beim SVU aktiv. „Leider kann sich kaum jemand an ihn erinnern; als er fünfeinhalb war, wurde er ja schon zu 1860 geholt.“

Bei den Löwen hat Leitner in der Folge in allen Jugendteams gespielt, wohnte jahrelang im Internat am Trainingsplatz – doch vor drei Wochen zog er aus: Mit Marcel Kappelmaier, Abwehrspieler in der Löwen-U 23, teilt er sich jetzt eine Wohnung in der Nähe der Grünwalder Straße.

Für Leitner kam nun alles ganz flott. Der Hip-Hop-Fan (hört alles von Blumentopf bis Bushido) hat erst vor wenigen Monaten seine Schullaufbahn für beendet erklärt, mit einer Durchschnitssnote von 2,3 gab es an der Realschule Taufkirchen die Mittlere Reife. „Am Ende, das muss er sich eingestehen, hat er keine große Lust mehr gehabt. Aber er hat den Abschluss gepackt, das ist die Hauptsache. Jetzt kann er sich ganz auf den Fußball konzentrieren“, erzählt Jürgen Jung, der das Nachwuchsleistungszentrum leitet. „Moritz war nicht der fleißigste Schüler, aber er hat’s trotzdem geschafft.“

Viele Experten trauen ihm mittlerweile zu, auch im Fußball weit zu kommen. Die Voraussetzungen sind gut, nicht nur, weil er strikter Anti-Alkoholiker ist. Sondern, weil er „klar in der Birne ist“, wie Kollege Stefan Buck sagt, und immensen Ehrgeiz besitzt. „Moritz ist einer, dem das Spiel an sich riesige Freude bereitet, das sieht man ihm an“, sagt selbst Maurer. Und Jung ergänzt: „Er ist einer der wenigen echten Straßenkicker, die wir in den vergangenen Jahren hatten. Er hat eine seltene Natürlichkeit am Ball.“

Natürlich hoffen sie beim TSV nun, den neuen Hoffnungsträger lange behalten zu können. Immerhin, ein konkretes Vertragsangebot liegt seit drei Wochen vor. Derzeit dürfte Leitner aus München also nichts wegziehen, dafür wird auch Freundin Lisa sorgen, die sich das Löwen-Talent vor einem Jahr gesichert hat.

Marco Plein

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