Ismaik-Vertrauter wehrt sich: "Sie handeln nicht im Interesse von 1860"

Was lief da im Hintergrund mit Biel Ballester Relat bei Sechzig? Hat der Statthalter von Hasan Ismaik, der im Herbst 2025 in den Aufsichtsrat kam, um den Anteilsverkauf zu forcieren, seine Kompetenzen überschritten – oder nur nach Wegen gesucht, 1860 dringend benötigte Professionalität, Governance und Controlling überzustülpen?
Die Wahrheit liegt, wie so oft beim TSV 1860, wohl irgendwo dazwischen. 15 Jahre voller Auseinandersetzungen zwischen dem Traditionsverein, der sich 2011 aus akuter Geldnot einen Investor ins Haus geholt hatte, und Ismaik, der anfangs gar nicht verstanden hatte, worauf er sich eingelassen hatte, haben auf beiden Seiten zu massivem Misstrauen geführt – und zuständigen Schuldzuweisungen.
"Sie wollen uns hier nicht"
"15 Jahre voller Misskommunikation erlauben es uns nicht, zu 1860 zurückzukehren", erklärte Relat am Dienstagabend im "BR" im Namen Ismaiks und erkannte über die Vereinsoberen um Präsident Gernot Mang, die aktive Fanszene und weitere Strömungen um den Verein treffend: "Sie wollen uns hier nicht." Es gebe "keine Zukunft für Hasan".
Mang und Co. haben diesen Weg durch die Kündigung des Kooperationsvertrags und der Gründung einer neuen Spielbetriebsgesellschaft längst beschritten. Nun hat sogar die Investorenseite erkannt: koan Ismaik mehr bei 1860.

Ausgang des Insolvenzverfahrens völlig ungeklärt
Wenngleich das Insolvenzverfahren der ausgegliederten Profifußballabteilung, an der Ismaik nach wie vor 60 Prozent und der e.V. 40 Prozent der Anteile halten, bislang noch nicht eröffnet ist, prüft Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig derzeit nach AZ-Informationen dreierlei: eine Abwicklung der KGaA, eine Fortführung des massiv überschuldeten Unternehmens – und mindestens ein Angebot dritter Geldgeber, die es auf die Firma oder einzelne Vermögenswerte abgesehen haben.
Der Ausgang des Insolvenzverfahrens, das wohl Anfang September beginnt, ist völlig ungeklärt, was für den Spielbetrieb der neuen Fußballfirma des TSV weitreichende Folgen haben könnte.
Relat nutzte mehrere Medien, um sich gegen Anschuldigungen zu wehren
Während Ismaik und sein Anwalt Dr. Peter Gauweiler derzeit auf Tauchstation gegangen sind, weil selbst die Investoren-Seite den Neustart der Regionalliga-Löwen nicht torpedieren wollte, kämpft Relat um seinen Ruf und auch um die Deutungshoheit im Streit der Noch-Gesellschafter, nutzte zuletzt mehrere Medien als Plattform, um sich gegen die Anschuldigungen der "Süddeutsche Zeitung" zu wehren.
Ende Juli hatte die "SZ" ein zwielichtiges Bild des katalanischen Finanzfachmannes gezeichnet: Relat habe laut Sechzigs Vereinsanwalt Guido Kambli "fortgesetzte Kompetenzüberschreitungen und Rechtsverstöße" begangen, er habe einen neuen Freigabeprozess für Zahlungen implementiert, fällige Rechnungen zurückgehalten, Mitarbeiterressourcen durch unabgestimmte Aufträge gebunden.
Relat widerspricht Anschuldigungen vehement
Das Bild wird abgerundet durch den Vorwurf mit hohem Empörungspotenzial unter Löwen-Fans, Relat habe in einer E-Mail angeregt, man könne in der Westkurve "die Stehplätze vollständig entfernen und zusätzliche Sitzplätze schaffen sowie mindestens zehn VIP-Logen einrichten".
Relat widerspricht den Anschuldigungen vehement, er habe die 50+1-Regel missachtet oder die Westkurve zerstören wollen. "Es gab auch Dinge, die haben gestimmt", so Relat: "Ich war Teil des Teams, welches Manfred Paula beraten hat und versucht hat, ihm Dinge aufzuzeigen." Nach AZ-Infos etwa zur Einreichung der (erfolglosen) DFB-Beschwerde gegen den Drittliga-Lizenzentzug.
Relat über den e.V.: "Sie handeln nicht im Interesse von 1860"
Den schwarzen Peter schiebt Relat zurück: "Die Leute im e.V. haben persönliche Interessen. Sie handeln nicht im Interesse von 1860."
Was im Interesse des TSV ist, darüber werden Investorenvertreter aus der Finanzbranche und investorenkritische Traditionalisten wohl niemals einer Meinung sein, weshalb Relats Hoffnung hinsichtlich der Ismaik noch gehörenden Markenrechte wohl vergeblich ist, man möge "das alles auf professionelle Art und Weise beenden."