Ismaik hat die Nase voll: Er will 1860 verkaufen!

Das Theater bei 1860 nimmt kein Ende. Die AZ weiß: Der Investor hat bereits einen Händler beauftragt, seine Anteile abzustoßen. 27 Millionen Euro will der Jordanier haben. Das sind die Hintergründe
| Filippo Cataldo
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Vor dem Abschied bei 1860? Hasan Ismaik.
Rauchensteiner Vor dem Abschied bei 1860? Hasan Ismaik.

Das Theater bei 1860 nimmt kein Ende. Die AZ weiß: Der Investor hat bereits einen Händler beauftragt, seine Anteile abzustoßen. 27 Millionen Euro will der Jordanier haben. Das sind die Hintergründe.

MÜNCHEN Mit voller Fahrt und sehenden Auges gegen die Wand! Diesen Eindruck muss bekommen, wer das seltsame Treiben Hasan Ismaiks seit letzten Freitag bei 1860 beobachtet. Spätestens seitdem scheint Ismaik einen totalen Konfrontationskurs zu fahren gegen die Vereinsoberen, der am Donnerstag in der von seinem Cousin Noor Basha in der „SZ” vorgetragenen Ankündigung gipfelte, dass auch die Tage von Geschäftsführer Robert Schäfer gezählt sein sollen an der Grünwalder Straße.

Doch Ismaik wäre nicht Ismaik und 1860 wäre nicht 1860, wenn auch diese Geschichte nicht noch eine neue Wendung bekommen würde.

Nachdem Ismaik seit Monaten sein Alle-Weg-Mantra vorgetragen hat (Präsident Dieter Schneider, Sportchef Florian Hinterberger, Trainer Alexander Schmidt, schließlich auch Schäfer), will Ismaik sich nun offenbar selbst abschaffen bei den Löwen.

Am Donnerstag hat der Investor, kein Scherz, einem in Deutschland ansässigen Investment-Händler den offiziellen Auftrag erteilt, seine Anteile an 1860 so schnell wie möglich zu verkaufen! Dies erfuhr die AZ aus dem direkten Umfeld der Beteiligten.

Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Anteile gab es zwar in letzter Zeit immer wieder, doch nun macht Ismaik ernst. Auch der gewünschte Verkaufserlös ist bereits formuliert. Ismaik will sein gesamtes Geld wiederhaben, das er bisher in den TSV 1860 gesteckt hat: insgesamt 27 Millionen Euro. 13 Millionen Euro hat der in Abu Dhabi lebende Geschäftsmann vor gut zwei Jahren für 60 Prozent der Anteile der 1860-KGaA (davon 49 Prozent stimmberechtigte Anteile) bezahlt, weitere 14 Millionen flossen vor allem als nachrangige Darlehen, rückzahlbar nur bei positiver Bilanz der Gesellschaft.

Auch das Wunsch-Profil des möglichen Käufers ist klar umrissen: Der Vermittler soll vor allem in Deutschland nach einem Konzern suchen, der Interesse daran haben könnte, einen sportlich leidlich erfolgreichen Zweitligisten zu übernehmen, bei dem das ständige Chaos schon in der Klub-DNA verankert ist.

Das allein lässt Ismaiks Exit-Strategie freilich recht unwahrscheinlich erscheinen. Dazu kommt, dass der Investor in den letzten Wochen und Monaten selbst nicht viel dazu beigetragen hat, um seine mittlerweile unlieb gewordene Gesellschaft aufzuhübschen. Im Gegenteil. „Wenn man einen Verein verkaufen möchte, muss man ihn vorher aufhübschen – und nicht schlechtreden”, sagte 1860-Präsident Hep Monatzeder erst am Mittwoch im AZ-Interview. Dennoch scheint der von Ismaik beauftragte Vermittler, der seinen Namen noch nicht in der Zeitung lesen möchte, recht zuversichtlich. Angeboten werden soll den möglichen neuen Investoren auch die Aussicht auf Bau, Finanzierung und künftige Vermarktung einer neuen Löwen-Arena. Wobei da die Hoffnungen vor allem auf Monatzeder und 1860-Aufsichtsrat Siegfried Schneider liegen, die mit ihren Polit-Kontakten gut Wetter machen sollen bei Stadt und Freistaat.

Das klingt alles noch recht vage. Und wahrscheinlich wird sich auch von heute auf morgen kein Käufer finden. Doch zumindest die Finanzierung der kommenden Spielzeit scheint bereits jetzt gesichert. Und andererseits bleibt die Frage nach der Alternative. Ismaik scheint keinerlei Lust mehr auf eine Zusammenarbeit zu haben. Vor allem scheint es ihm bei 1860 keiner recht machen zu können. Und obwohl Ismaik immer wieder einen Strategiewechsel und einen baldmöglichsten Aufstieg gefordert hat, gab es nie ein Konzept oder Anzeichen, wie er dies finanzieren wolle.

Als Monatzeder vergangenen Freitag erst die vereinbarten und noch ausstehenden zwei Raten aus dem im Mai 2012 vereinbarten Dreijahresplan in Höhe von 13 Millionen Euro anmahnte, schaltete Ismaik den alles andere als öffentlichkeitsscheuen Münchner Medien- und Wirtschaftsanwalt Michael Scheele ein. Mit dem Auftrag, einfach mal das gesamte Investment zu prüfen.

Scheele ließ den Medien am Freitag einen an Monatzeder adressierten Brief zukommen, in dem er die Vereinsverantwortlichen dazu aufrief, sich Gedanken über die „undemokratische Satzung” des Vereins zu machen. Dass die Löwen da schon selbst darauf gekommen sind und genau diese Satzung am 25. April abschaffen wollen, muss dem umtriebigen Anwalt wohl entgangen sein.

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