Intrigen gegen Präsident Schneider

Dieter Schneider steht bei den Löwen vor dem Aus. Klub-Kollegen schießen gegen ihn: „Nicht mehr tragbar“. Ein neuer Mann ist schon im Gespräch. Vergrault 1860 am Ende sogar noch Eriksson?
| Filippo Cataldo
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Dieter Schneider tritt zurück
Stefan Matzke/ sampics Dieter Schneider tritt zurück

München - Haben sie gesprochen, haben sie nicht? Auch am Mittwoch sollen sich die Löwen noch nicht gemeldet haben bei ihrem designierten Trainer Sven-Göran Eriksson. Zwar hieß es am Dienstagabend aus dem Umfeld des Vereins, dass Geschäftsführer Robert Schäfer den Schweden mittlerweile angerufen haben soll, doch am Mittwoch zitierten schwedische Medien den 64-Jährigen, dass er noch immer auf den ersten Kontakt warte. Als die AZ Eriksson Mittwochabend schließlich erreichte, bat er um Verständnis. Er werde sich zu der ganzen Angelegenheit vorerst gar nicht mehr äußern.


Vergraulen die Löwen den Mann, an dem die Partnerschaft zwischen Investor Hasan Ismaik und dem Klub beinahe zerbrochen wäre, schon bevor sie ihn verpflichtet haben? Klar scheint mittlerweile nur, dass Eriksson nicht mehr ins Trainingslager nach Belek reisen wird. Der Klub möchte dem Vernehmen nach Alexander Schmidt und Eriksson erst die Gelegenheit geben, sich kurz kennenzulernen, ehe der Schwede präsentiert werden soll. Wenn sie sich denn mal einigen – oder sie ihn wenigstens mal erreichen.


In Belek angekommen ist derweil Präsident Dieter Schneider. Er wolle die Tage nutzen, um der Mannschaft Hallo zu sagen, sich mit Fans auszutauschen und, ja, das auch, einige angenehme Stunden mit seiner mitgereisten Frau und seiner Tochter zu verbringen. In München hat er schließlich schon genug Ärger. Er hat viel schlucken müssen in den letzten Wochen. Ismaik bezichtigte ihn mehrmals der Lüge und forderte seinen Rücktritt, auch bei den Fans ist er nicht mehr unumstritten.


Nun scheint es so, dass ihm auch innerhalb des Vereins Gegenwind entgegen schlägt. Die Löwen-Verantwortlichen jedenfalls scheinen zerstrittener als je zuvor – auch wenn alle dem Kompromissvorschlag Ismaiks zugestimmt haben. Unter den Funktionären scheint sich eine breite Front gegen den Präsidenten gebildet zu haben.


Die Aufsichtsratssitzung hätte nach ein, zwei Stunden vorbei sein können, wenn Schneider und sein Vize Franz Maget nicht heftigst opponiert hätten. Erst als die Räte gedroht hätten, dem Vorschlag eben einseitig zuzustimmen und die Ablehnung Schneiders und seiner Stellvertreter zu veröffentlichen, hätte sich das Präsidium zur Zustimmung durchgerungen. So drang es seit Dienstagabend aus dem Umfeld der Entscheidungsträger an die Öffentlichkeit. Öffentlich äußern wollte sich niemand, doch es fielen auch Worte wie „nicht mehr tragbar“ und „von persönlicher Eitelkeit getrieben“.


Kaum waren Ismaiks Vorschläge durch, so scheint es, hat der Intrigantenstadl 1860 wieder seine Pforten eröffnet. Und Schneiders Gegner scheinen sich schon munter in Stellung zu bringen.
Schneider wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen, als die AZ ihn damit konfrontierte, Doch er weiß, woher der Wind weht. Im März, spätestens im April, wird das Präsidium neu gewählt. Und zwar direkt von der Basis, da im März das Delegiertensystem abgeschafft werden soll. Schneider würde noch einmal antreten – wenn „dies vom Aufsichtsrat so gewünscht wird“, sagte er. „Nach jetzigem Stand sieht es so aus, als ob es so wäre“, dies habe ihm auch Aufsichtsratschef Otto Steiner so bestätigt. Doch natürlich weiß er, dass durch solche Indiskretionen seine Popularitätswerte in den Keller sinken könnten – und Ismaik am Ende ironischerweise auch in diesem Punkt doch noch seinen Willen durchsetzen könnte.

Eine Zitterpartie bei der Wahl wird sich Schneider kaum antun. Zumal auch die Nachfolgediskussion schon im Gange scheint. Sollte man Schneider nicht mehr vermitteln können, so heißt es hier und da, müssten sich die Fans nicht mal einen anderen Namen merken. Übernehmen könnte dann – Aufsichtsrat und Medienzentralen-Chef Siegfried Schneider. Das sind, zugegeben, momentan alles nur Gerüchte. Klar ist: Die turbulenten Löwen-Wochen sind noch lange nicht zu Ende.

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