„Ich werde immer als Löwe angesprochen“

  Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler, als Stürmer in Bremen und Rom zum Weltstar gereift, erinnert sich gerne an seine Anfänge auf Giesings Höhen – und drückt 1860 in Sachen Rettung die Daumen.  
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Rudi Völler 2005 im Nostalgiederby des TSV 1860 gegen den FC Bayern.
Rauchensteiner/Augenklick Rudi Völler 2005 im Nostalgiederby des TSV 1860 gegen den FC Bayern.

 

Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler, als Stürmer in Bremen und Rom zum Weltstar gereift, erinnert sich gerne an seine Anfänge auf Giesings Höhen – und drückt 1860 in Sachen Rettung die Daumen.

Leverkusen - Es ist zwar schon rund 30 Jahre her, als ich bei 1860 gespielt habe, und natürlich habe ich auch zu meinen anderen Ex-Vereinen Werder Bremen, AS Rom und Kickers Offenbach noch enge Verbindungen. Aber an die Löwen denke ich ganz besonders gerne zurück.

Ich habe ja damals in der Zweiten Liga 37 Tore geschossen und wurde Torschützenkönig, das war für mich als 21-Jähriger eine unglaubliche Geschichte. Auf diese Saison mit dieser großen Begeisterung bin ich immer noch sehr stolz. Ich denke, der Rekord wird noch lange bestehen bleiben. Das war schon etwas ganz Besonderes damals.

Auch, weil überall, wo wir hinkamen, eine große Begeisterung für uns zu spüren war. Ob im Norden oder im Westen, 1860 kam einfach gut an. Das hat mir als jungem Spieler sehr imponiert, das war eine tolle Erfahrung, die einem nicht jeder Verein bieten konnte. Und ich denke, dieses Potenzial haben die Löwen immer noch, auch wenn die letzten Jahre nicht so wie erhofft liefen.

Ich bin ja damals wie auch Herbert Waas, mit dem ich zusammen über 50 Tore geschossen habe, von 1860 in die erste Liga gegangen. Wir brachten dem Verein damit Geld. Es war bitter, dass 1860 damals aber schon so große Finanzprobleme hatte, dass der Verein trotzdem keine Lizenz bekam und in der Folge zwangsabsteigen musste.

Das hat weh getan, auch wenn man selbst nicht mehr da war. Wir haben dem Verein damals mit der Ablösesumme geholfen und nahmen also etwa die Rollen ein, die zuletzt auch ein Moritz Leitner oder ein Kevin Volland hatte. Es hat sich im Laufe der Jahre nie geändert: Von 1860 kommen oft tolle junge Spieler.

Wir in Leverkusen haben ja auch einen, Lars Bender, mit dem ich oft darüber rede, was für eine hervorragende Mannschaft die Löwen heute wären, hätten die vielen Talente nicht verkauft werden müssen. Aber auch so haben sich die Löwen im Laufe der Jahre hinter dem FC Bayern eine Nische aufgebaut, die sie lange halten konnten.

Den Verein zeichnet immer noch etwas ganz Besonderes aus. Und was mich vor allem freut, ist, dass man immer als Löwe gesehen wird, wenn man einmal bei 1860 war. Wenn ich in München in einem Taxi sitze oder in einem Restaurant zum Essen bin, ich werde immer als Löwe angesprochen, das ist schon ein schönes Gefühl.

Auch zuletzt, als ich öfter mit Freiburgs Dirk Duffner telefonierte, haben wir öfter über 1860 gesprochen und der Satz „Einmal Löwe, immer Löwe“ ist dabei mehrfach gefallen. Das ist bei Ex-Löwen ganz normal. Auch wenn ich heute wegen der Distanz nicht mehr so eng mit 1860 verbunden bin, kann ich nur hoffen, dass die Rettung gelingt.

Ich verfolge die Nachrichten so gut es geht, und jedes Mal, wenn ich von der drohenden Insolvenz lese, denke ich an die unzähligen Fans, für die es das Schlimmste wäre, wenn der Verein unterginge. Es wäre furchtbar für den deutschen Fußball, wenn dieser Traditionsklub verschwinden würde.

Vor allem, weil es heute immens schwer geworden ist, sich aus der fünften Liga noch mal nach oben in den bezahlten Fußball zu kämpfen. Also, ich wünsche mir, dass die Rettung klappt und drücke dafür fest die Daumen. Die Löwen-Fans hätten es verdient, wieder mit besseren Zeiten beschenkt zu werden.

 

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