"Ich grabe mir kein Loch": 1860-Trainer Kauczinski stellt sich gegen den Löwen-Blues
Himmelhohe Giesinger Jauchzger? Oder zu Tode betrübte Sechzger? Am 9. Oktober 2025 ist Markus Kauczinski in die Welt der Löwen eingetaucht. Eine wilde Achterbahnfahrt später weiß der Mann spätestens seit dem 0:3 im Saisonfinale beim SC Verl und seiner ersten (Teil-)Saison als TSV-Trainer, dass es nur schwarz und weiß gibt bei den Blauen – doch daran verzweifeln möchte er nicht und sein Wirken entsprechend eingeordnet wissen.
"Ich kann die Dinge einordnen", erklärte Kauczinski, Chefcoach des TSV 1860, beim großen Saisonabschluss-Gipfel mit der AZ und ordnete die Dinge ein: "Dass jetzt am Ende alle enttäuscht sind und sagen, dass alles so fürchterlich ist, das muss ich akzeptieren. Aber so war es ja nicht immer und ich kann für mich sagen: Ich sehe das auch nicht so, denn das stimmt nicht."
"Die Top-Mannschaften konnten eine andere Intensität gehen"
Alles eine Frage der Einordnung? Die tabellarischen Fakten besagen: 1860 ist nach 38 Spieltagen Achter (56 Punkte, Torverhältnis 54:53). Satte 24 Punkte fehlen zu Spitzenreiter VfL Osnabrück, 16 zum zweiten direkten Aufsteiger Energie Cottbus und 14 zu Ruhrpott-Klub Rot-Weiss Essen, der gegen Zweitligist Greuther Fürth sein zweiteiliges Aufstiegs-Finale bekommt. Und 1860, Herr Kauczinski?
"Man hat gemerkt, dass die Top-Mannschaften, die sich dann tatsächlich oben festbeißen konnten, eine andere Intensität gehen können, die wir immer nur phasenweise aufrechterhalten konnten", gestand der 56-Jährige ein und erinnerte an Sechzigs kurze Chrunchtime: "Der Knackpunkt war vielleicht das 1:2 in Duisburg in dieser Englischen Woche. Wir spielen gut, müssen nicht verlieren, können sogar gewinnen. Das war ein Nackenschlag, aber ich hatte immer noch das Gefühl, dass wir da oben dran sind. Mit dem 0:3 in Cottbus ist dann der Glaube verloren gegangen."
Kauczinski hebt zwei positive 1860-Phasen hervor
Kauczinski verteidigte allerdings, was sich 1860 nach dem Doppel-Rauswurf seines Vorgängers Patrick Glöckner und Geschäftsführers Christian Werner (zumindest zwischenzeitlich) aufgebaut hat: "Ich habe auch ganz viele positive Schlagzeilen im Kopf, die dann leider alle schnell wieder vergessen haben: die fünf Spiele im Winter, die wir gewonnen haben", zählte Kauczinski über seine erste Siegesserie inklusive 4:0-Erfolg im Totopokal-Halbfinale beim TSV Aubstadt auf und addierte die zweite Hoch-Phase der Blauen dazu: "Und die fünf Siege in Serie im Februar und März, mit denen wir oben wieder rangekommen sind. Da haben alle schon gesagt: 'Wo geht die Reise wohl jetzt noch hin?'"

Gekrönt wurden die Löwen-Liga-Leistungen nicht, der Einzug in den DFB-Pokal und das mögliche Titelchen im Totopokal am Samstag bei den Würzburger Kickers (16.30 Uhr) können wohl das Gros der Fans nicht über den geplatzten Aufstiegstraum hinwegtrösten. Dennoch will Kauczinski nicht vergessen: "Wir haben im Laufe der Saison Energien geschaffen, wir haben Leistungen geschaffen. Wir haben geschafft, den Kontakt nach oben herzustellen."
Mehrere Gründe für die Achterbahn-Saison des TSV 1860
Die Frage aller Fragen, weshalb 1860 trotz seines Status als Aufstiegsfavorit und der Anfangseuphorie um Kevin Volland und Co. nicht mithalten konnte, beantwortete Kauczinski mit einem ganzen Konglomerat an Gründen. 1860 habe teils die Qualität, teils die Mentalität, teils die körperliche Verfassung gefehlt: "Es war wie bei einem Taubenschlag – ein Kommen und Gehen, viele Spieler sind nicht in ihren Rhythmus gekommen." Dazu habe 1860 neben Sigurd Haugen (16 Saisontore) keinen zweiten Torjäger etablieren können. Zahlreiche Schiedsrichter-Fehlentscheidungen gegen 1860 hätten zwar "nicht über den Aufstieg entschieden", aber "vielleicht ein paar Tabellenplätze" ausgemacht.
Am Ende hat auch die anfangs starke Kauczinski-Bilanz (insgesamt zwölf Siege, je acht Remis und Pleiten) unter dem Goldene-Ananas-Endspurt gelitten. Kauczinskis lapidares Fazit?
Es sollte eben nicht sein: "Ich grabe mir kein Loch und lege mich rein."

