Interview

"Ich bereue nichts": Ex-Löwe Tim Rieder im Derby-Interview

Er kennt beide Welten: Vor dem Derby spricht der Ex-Löwe und Türkgücü-Neuzugang Tim Rieder in der AZ über seine starke Verbundenheit mit München, Anfeindungen im Netz - und ein kleines Pfalz-Trauma.
| Krischan Kaufmann
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"Es ist kein echtes Auswärtsspiel für uns", sagt Türkgücü-Profi Tim Rieder über die Partie beim TSV 1860.
"Es ist kein echtes Auswärtsspiel für uns", sagt Türkgücü-Profi Tim Rieder über die Partie beim TSV 1860. © imago images/kolbert-press

München - AZ-Interview mit Tim Rieder: Der gebürtige Dachauer (27) war vor zwei Jahren für eine Spielzeit an die Löwen ausgeliehen und kehrte nun nach einer Saison beim 1. FC Kaiserslautern mit dem Wechsel zu Türkgücü nach München zurück.

AZ: Herr Rieder, Samstag, Grünwalder Stadion, das Derby gegen den TSV 1860 - und Sie als Ex-Löwe müssen in die Gästekabine. Ein komisches Gefühl, oder?
TIM RIEDER: Na ja, meine Zeit bei Sechzig ist ja jetzt auch schon wieder zwei Jahre her. Letzte Saison, als ich mit Kaiserslautern hier war, da war es schon komisch für mich, aber jetzt eigentlich nicht mehr. Ich freue mich einfach auf dieses Spiel.

Tim Rieder: "Ich bin da oben in der Pfalz einfach nie so richtig angekommen"

Sie haben mit dem FCK den Klassenerhalt geschafft und hatten am Betzenberg sogar noch zwei Jahre Vertrag. War die Sehnsucht nach der Heimat so groß?
Es war tatsächlich der ausschlaggebende Grund, dass ich wieder nach Hause wollte, zur Familie, zu meiner Freundin, zu meinen Jungs. Ich bin da oben in der Pfalz einfach nie so richtig angekommen.

Da kam das Angebot von Türkgücü gerade recht.
Ja, als während meines Urlaubs die Anfrage kam, musste ich nicht lange überlegen. Da hat einfach alles super gepasst für mich - auch sportlich.

Funktioniert ein Tim Rieder eben am besten nur in München?
Hätte man mir die Frage vor zwei Jahren gestellt, hätte ich wahrscheinlich "Nein" gesagt, denn ich war ja schon immer viel unterwegs. Aber jetzt nach dem Kaiserslautern-Abenteuer kann man das wohl schon so sagen.

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Die Pfalz hat bei Ihnen offenbar ein kleines Trauma hinterlassen...
Nein, denn das war auch eine wichtige Erfahrung für mich - ich bereue wirklich nichts. Aber als ich bei Sechzig war, habe ich eben dieses Leben in München wieder zu schätzen gelernt und gemerkt, was es für mich bedeutet, Job und Privatleben miteinander verbinden zu können. Als Profifußballer hat man diese Möglichkeit ja nicht oft, sondern muss, wenn irgendwo eine Tür aufgeht, dann eigentlich immer durchgehen. Umso dankbarer war ich jetzt Türkgücü, dass ich die Chance bekommen habe, nach München zurückzukehren.

Rieder: "Oft hat man es nicht in der eigenen Hand, wohin die Reise geht"

Sie haben hier langfristig unterschrieben, wollen sportlich sesshaft werden. Waren die Jahre der Wanderschaft mit den vielen Vereinswechseln belastend für so einen heimatverbundenen Menschen wie Sie?
Das ist natürlich immer eine Typfrage, aber manchmal war es schon nicht so angenehm für mich. Vor allem, weil man es ja oft nicht in der eigenen Hand hat, wohin die Reise geht. Da fühlt man sich eigentlich in einer Mannschaft wohl, aber dann scheitert es an Ablösesummen oder der Verein will einen Spieler nicht an den direkten Konkurrenten abgeben. Das kann über die Jahre dann schon ein wenig belastend sein. Da spielt natürlich auch das Alter eine Rolle. Vor vier, fünf Jahren war es mir mit 22 noch egal, ob ich nach Polen zu Slask Wrocaw gehe. Aber jetzt würde ich es wahrscheinlich auch nicht mehr machen.

Es gab heuer zwischenzeitlich auch Gerüchte um ein Comeback von Ihnen beim TSV 1860.
Das habe ich auch gehört, da war aber absolut nichts dran.

Die Sechzig-Fans hätten Sie auf jeden Fall mit offenen Armen empfangen - und waren dann umso enttäuschter, als Sie zu Türkgücü gewechselt sind. Im Netz wurden Sie daraufhin teilweise übel angefeindet.
Als der Transfer bekannt wurde, habe ich tatsächlich einige negative Kommentare erhalten. Aber mir war vorher schon klar, dass so etwas passieren könnte.

Tim Rieder: "Ein Erfolg würde uns einen richtigen Push geben"

Wie, glauben Sie, werden Sie am Samstag beim Derby von den Löwen-Anhängern empfangen?
Da habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich weiß noch wie die Auswärtsmannschaften im Grünwalder Stadion empfangen wurden, als ich noch bei Sechzig gespielt habe: Das war jetzt nicht immer so freundlich. (lacht) Aber das ist ja in allen Stadien in Deutschland so.

Werden wir sportlich: Aktuell warten Sie und Ihre Mannschaft noch auf den ersten Dreier in dieser Saison, warum klappt's jetzt ausgerechnet gegen Sechzig?
Wir haben ja schon gute Spiele abgeliefert, hätten gegen Verl und Halle (0:0 und 2:2, Anm. d. Red.) gewinnen können, vielleicht sogar müssen. Aber man kann es auch so sehen, dass wir in dieser Saison noch keine Niederlage kassiert haben. Daraus müssen wir unser Selbstvertrauen für dieses Spiel ziehen. Und dazu kommt, dass wir das Stadion ja sehr gut kennen. Es ist kein echtes Auswärtsspiel für uns.

Bei Türkgücü gab es vor dieser Saison wieder große personelle Veränderungen, die Mannschaft muss sich erst noch finden. Inwieweit könnte ein Derbysieg bei diesem Prozess helfen?
Sehr, so ein Erfolg würde uns einen richtigen Push geben. Gerade auch für die nächsten Wochen, denn auf uns warten nach dem Stadtduell gegen die Löwen auch noch andere schwere Spiele. In der Dritten Liga darf man wirklich keinen Gegner unterschätzen.

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