Hasan Ismaik im Interview über den FC Bayern und die Stadionfrage

In Teil zwei des exklusiven AZ-Interviews spricht Ismaik über den Verkauf der Arena-Anteile und den geplanten Stadionneubau: „Überlegen, ob wir außerhalb Münchens ein Grundstück suchen müssen“
| Interview: Matthias Eicher
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Die Allianz Arena in Fröttmaning ist mittlerweile vollständig im Besitz des FC Bayern. Das hätte so nicht kommen müssen, meint Löwen-Investor Hasan Ismaik.
imago//sampics/Augenklick Die Allianz Arena in Fröttmaning ist mittlerweile vollständig im Besitz des FC Bayern. Das hätte so nicht kommen müssen, meint Löwen-Investor Hasan Ismaik.

Der 39-jährige Geschäftsmann aus Jordanien, Hasan Ismaik, stieg 2011 bei den Löwen ein. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrates und Mehrheitsaktionär der KGaA. Lesen Sie hier den zweiten Teil des AZ-Exklusivinterviews.

AZ: Herr Ismaik, die 50+1-Regel sichert einem Verein gegenüber einem Gesellschafter die Entscheidungshoheit. Plädieren Sie für eine Abschaffung dieser Regel, oder sind Sie nun mit Ihrem Einfluss zufrieden?

HASAN ISMAIK: Es gibt viele Stimmen in der Liga, die sagen: 50+1 ist nicht mehr zeitgemäß. Das ist auch meine Meinung, aber ich akzeptiere die Gesetze und Spielregeln im deutschen Fußball. Deswegen habe ich auch nie gegen diese Regel geklagt, obwohl mir öfter von verschiedenen Seiten dazu geraten wurde. Dennoch denke ich, dass die 50+1-Regel demnächst fallen wird. Wie sollen denn die sogenannten Kleinen sonst noch überleben können? Ich glaube nicht, dass es im Interesse der Bundesliga ist, wenn Bayern, Dortmund und RB Leipzig untereinander künftig die Meisterschaft ausspielen. Wer will diese Langeweile?

Löwen-Investor im AZ-Interview Teil I:

Sie haben außerdem erklärt, auch selbst Fehler begangen zu haben. Welche Fehler meinen Sie?

Mein größter Fehler war mit Sicherheit, dass ich 1860 falsch eingeschätzt und auch auf die falschen Leute gehört und gesetzt habe. Das hat mich wahnsinnig viel Geld gekostet. Aus den Erfahrungen bei 1860 habe ich unglaublich viel für mein weiteres Leben gelernt.

Wie denken Sie rückblickend über Ihre pauschalen Anschuldigungen gegen die Medien und „charakterlosen Menschen“, denen Sie eine „despektierliche, unverschämte und verlogene Berichterstattung“ vorwarfen?

Ich stehe auch heute noch zu 100 Prozent zu meinen Aussagen. Wer unseren Verein als Komödienstadl bezeichnet und das Ehrenamt unseres Präsidenten Peter Cassalette dermaßen beschädigt, hat Lust am puren Zerstören. Das werden wir uns als TSV 1860 nicht gefallen lassen. Wir respektieren Meinungsfreiheit, aber nur, wenn sie fundiert und fair abläuft. Wir werden uns auch in der Pressearbeit anders aufstellen.

Können Sie den Vorwurf der „Korruption und Plünderung“ von Vereinsfunktionären konkretisieren, damit wir den geschilderten Sachverhalten nachgehen können?

Herr Eicher, das ist Ihr Part! Es gibt gute Gründe, warum wir seit kurzem eine neue Linie fahren. Mehr will ich dazu nicht sagen. Es ist nicht meine Aufgabe, Sie mit Informationen zu bedienen.

Wie entwickeln sich die Pläne des Stadion-Neubaus?

Ich habe vor ein paar Tagen ein Schreiben von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter erhalten. Er hat uns erneut seine Unterstützung zugesichert, dass er 1860 in der Stadionfrage helfen will. Das ist sehr positiv – negativ ist, dass wir noch keinen Schritt weitergekommen sind. Das vorgesehene Grundstück in Riem ist selbst für ein 35000-Mann-Stadion zu knapp bemessen. Für mich ist es nur sehr schwer hinzunehmen, dass wir bei unserem Stadionprojekt auf der Stelle treten. Wir können unseren Fans – und davon gibt es in Deutschland mehr als 150 000 – nicht länger zumuten, heimatlos zu sein. So haben wir keine Perspektive. Das habe ich auch dem Oberbürgermeister so mitgeteilt. Die Allianz Arena gehört dem FC Bayern, dort sind wir nur geduldet. Das Grünwalder Stadion ist nur für die Dritte Liga und Frauenfußball ausgerichtet. Das Olympiastadion steht unter Denkmalschutz. Wo sollen wir also hin? Wenn wir uns in den nächsten sechs Monaten weiterhin im selben Status befinden, werden wir überlegen, ob wir außerhalb Münchens ein Grundstück suchen müssen.

Wird es tatsächlich eine Klage gegen den FC Bayern geben?

Das Schlimmste für unsere Fans ist der Vorwurf der Bayern: „Seid still, wir haben euch gerettet!“ Ich sehe das ganz anders: Der TSV 1860 mit seinen handelnden Personen hat dem FC Bayern seinerzeit ermöglicht, noch schneller reicher und größer zu werden. Sie können davon ausgehen: Wäre ich damals schon bei 1860 gewesen, hätten sich die Bayern an uns die Zähne ausgebissen! Die Allianz Arena ist heute rund eine Milliarde Euro wert, und wir haben 50 Prozent der Stadion-Anteile für 11,3 Millionen Euro verkauft. Damit ist eigentlich alles gesagt.

Peter Cassalette suchte seit seiner Ernennung zum Präsidenten den Schulterschluss mit Ihnen. Wie wichtig ist er für Sie sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht geworden?

Peter Cassalette ist vor allem wichtig für 1860. Ich will hier in aller Deutlichkeit noch einmal betonen: Wir haben des Öfteren unterschiedliche Ansichten, dennoch versuchen wir beide, zum Wohl von 1860 einen gemeinsamen Nenner zu finden. Aber ich bin auch sehr glücklich darüber, dass der Kontakt mit dem Verwaltungsrat des e.V. so gut ist wie lange nicht mehr. Ich hatte zuletzt ein längeres Gespräch mit den beiden Vorsitzenden Dr. Markus Drees und Robert Reisinger. Die Zusammenarbeit ist jetzt so, wie ich sie mir immer gewünscht habe. Wir haben vereinbart, dass wir im ständigen Austausch bleiben.

Die Verpflichtungen der beiden brasilianischen Spieler Lucas Ribamar und Victor Andrade haben Sie mit der Hilfe einer Londoner Agentur getätigt. Stimmt es, dass Sie sich von Kia Joorabchian beraten lassen und wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Ich habe ein großes Netzwerk an Beratern, die mich immer wieder kontaktieren: Kia Joorabchian ist einer von ihnen. Mit seiner Hilfe konnten wir einen qualitativ hochwertigen Spieler wie Victor Andrade gewinnen. Glauben Sie, dass ein deutscher Spielerberater Andrade auf dem Radar hatte? Auch Lucas Ribamar hat großes Potenzial. Leider ist sein Heilungsprozess nicht so verlaufen, wie wir ihn uns gewünscht hatten.

Ribamar:

Sie sagten nach dem Besuch von Clarence Seedorf, dass er nicht zum letzten Mal hier gewesen sei. Wird er künftig beim TSV 1860 eine Funktion ausüben oder offiziell als Berater fungieren?

Clarence ist mein Freund, den ich bei jeder Tages – und Nachtzeit anrufen kann. Nach derzeitigem Stand ist nicht geplant, dass er eine Rolle bei 1860 übernimmt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich schätze seine Persönlichkeit und immense Fußball-Kompetenz sehr.

Können Sie bereits absehen, wie lange Geschäftsführer Anthony Power im Amt bleibt? Wie beurteilen Sie seine bisherige Arbeit, und was soll er noch leisten?

Anthony Power bleibt solange bei 1860, bis unser neuer starker Mann seinen Vertrag unterschrieben hat. Wir gehen davon aus, dass dies im Juni oder Juli geschehen wird. Power macht bislang einen ausgezeichneten Job, wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er hat innerhalb kürzester Zeit verstanden, wie der TSV 1860 tickt und wo sich dessen Problemzonen befinden. Mein Bruder Yahya unterstützt ihn dabei. Er ist ein absoluter Fachmann im Bereich Finanzen. Das gibt mir die Sicherheit, dass mein Geld gut angelegt ist. Yahya fühlt sich sehr wohl in München: Er hat auch schon eine Lederhose und lernt bereits Deutsch.

Wird das Amt des Sportchefs, das nach Thomas Eichins Freistellung von Peer Jaekel fortgeführt wird, offiziell neu besetzt?

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