Hansa-Stürmer nimmt Löwe Niederlechner in Schutz: "Zusätzlicher Druck von außen hilft da sicher nicht weiter"
AZ: Herr Voglsammer, am Sonntag geht es für Sie als Ex-Hachinger zurück nach München, wo Sie lange gewohnt haben. Wie viele Tickets für Freunde und die Familie mussten Sie besorgen?
ANDREAS VOGLSAMMER: Ein paar Karten habe ich bereits organisiert. Meine Familie hat großes Interesse, dabei zu sein. Es ist ein besonderes Spiel für mich – auch, weil München und das Stadion nicht weit von meiner Geburtsstadt Rosenheim entfernt sind. Wie viele Tickets es am Ende dann genau werden, weiß ich noch nicht.
Es ist ein echtes Traditionsduell. Was erwarten Sie für ein Spiel?
Es wird ein sehr schweres Spiel für uns. Die Löwen verfügen über enorme individuelle Qualität. Dennoch müssen wir selbstbewusst auftreten und auf Sieg spielen. Wenn wir unser Leistungsmaximum abrufen, sind wir nur schwer zu bezwingen – wir können überall Punkte holen.
Voglsammer über 1860-Gegner Rostock: "Mit noch 14 Spielen ist weiterhin vieles möglich"
Rostock ist das drittbeste Team in der Fremde. Warum funktioniert es auswärts bei Rostock so gut?
Wenn WIR das genau erklären könnten, würden wir es sofort auch zu Hause umsetzen – dort gewinnt man schließlich am liebsten. Im eigenen Stadion möchte man die Fans natürlich erst recht mit Punkten beschenken. Aktuell klappt das auswärts besser, aber wir arbeiten intensiv daran, auch daheim konstanter zu punkten.
Sechzig und Rostock sind als die großen Aufstiegsfavoriten in die Saison gestartet, finden sich nun beide im Mittelfeld der Tabelle. Wieso ist es so schwer, der Erwartungshaltung gerecht zu werden?
Unser Saisonstart war nicht optimal, inzwischen sind wir aber stabiler unterwegs. Mit noch 14 Spielen ist weiterhin vieles möglich und wir treten noch gegen alle direkten Konkurrenten an. Wenn wir dort unsere Punkte holen, können wir uns oben festsetzen. Anfang bis Mitte Mai wird man sehen, wo man steht – bis dahin wollen wir in Schlagdistanz bleiben.
Voglsammer über den TSV 1860: "Wir dürfen sie nicht ins Rollen kommen lassen"
Sechzig gewann zuletzt mit 5:0 gegen Havelse, war davor allerdings fünf Spiele sieglos. Was erwarten Sie für eine Löwen-Mannschaft?
Sie werden alles daransetzen, das Spiel zu gewinnen. Die Mannschaft bringt viel Erfahrung aus der Bundesliga und 2. Bundesliga mit – das darf man nicht unterschätzen. Wir dürfen sie nicht ins Rollen kommen lassen. Ich weiß, welche Qualität ein Kevin Volland auf den Platz bringt. Sechzig wird mit viel Wucht auftreten. Gegen Havelse hatten sie weniger Ballbesitz, das könnte auch diesmal ihre Herangehensweise sein. Darauf müssen wir eingestellt sein.
Wenn wir auf Sie schauen: Sie hätten 2015 von der Spielvereinigung Unterhaching nach Giesing wechseln können, haben sich aber für einen Transfer nach Heidenheim entschieden. War Ihnen der Löwe zu turbulent?
Es kamen mehrere Faktoren zusammen. Ich wollte bereits im Winter wechseln, die Löwen planten aber erst für den Sommer mit mir. Später gab es immer wieder loses Interesse, aber für mich war das Thema dann erledigt.

Über Bielefeld, Union Berlin und Millwall sind Sie im Sommer von Hannover nach Rostock gewechselt, haben sich nach einer Wadenverletzung gut in der Dritten Liga eingefunden. Was war Ihr Rezept?
Ich denke, dass ich der Mannschaft mit meiner Art helfen konnte, auch wenn bei den Scorerpunkten noch Luft nach oben ist. Insgesamt war das solide, aber noch nicht perfekt. Letztlich hatte ich einfach Bock auf diese Herausforderung bei Hansa und in der 3. Liga.
"Niederlechner? Ich kann mich gut in seine Situation hineinversetzen"
Beim TSV 1860 spielt ein Stürmer, den Sie aus Ihrer Zeit bei Unterhaching kennen: Florian Niederlechner. Hätten Sie damit gerechnet, dass er sich in der Liga bisher nicht zurechtfindet?
Für ihn ist es eine besondere Situation, weil es sein Herzensverein ist – das erzeugt zusätzlichen Druck. Unabhängig von Toren bringt Flo mit seiner Spielweise und Präsenz viel für die Mannschaft ein. Das wird oftmals unterschätzt.
Haben Sie als ehemaliger Sturmkollege ein bisschen Mitleid, wenn es mit den Scorerpunkten nicht klappt?
Flo ist ein super Stürmer, der über die Jahre hinweg bewiesen hat, dass er Tore machen kann. Ich kann mich gut in seine Situation hineinversetzen. Er setzt sich selbst am meisten unter Druck, weil ihm der Verein so viel bedeutet. Zusätzlicher Druck von außen hilft da sicher nicht weiter.
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