Grabenkämpfe unter Löwen: Wer hält zu Schneider?

Finanziell ist  der TSV 1860 München gerettet, nun wird um die Macht bei den Löwen gestritten. Die AZ erklärt, wer für Präsident Schneider ist – und wer eher nicht.
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Wird für seine "One-Man-Show" von vielen kritisiert: Retter-Präsident Dieter Schneider.
Wird für seine "One-Man-Show" von vielen kritisiert: Retter-Präsident Dieter Schneider.

Finanziell ist 1860 gerettet, nun wird um die Macht gestritten. Die AZ erklärt, wer für den Präsidenten ist – und wer eher nicht.

München -Dieter Schneider kann dieser Tage froh sein, dass er auch ein paar Firmen hat, um die er sich zu kümmern hat. Bei der Arbeit konnte der 64-Jährige sich am Mittwoch ein paar Stunden ablenken von den Graben- und Machtkämpfen, die an der Grünwalder Straße wieder Einzug gehalten – und den Präsidenten beinahe schon zum Rückzug bewogen haben. Es ist ja auch kaum zu glauben: Keine sechs Wochen nach der finanziellen Rettung und dem Einstieg Hasan Ismaiks, hat die 1860-Funktionäre schon wieder die Lust am Niedergang gepackt. Dabei geht es immer weniger nur darum, die richtige Strategie zu finden, den bisweilen allzu kühn vorpreschenden Ismaik-Statthalter Hamada Iraki einzufangen, ohne den Investor nachhaltig zu verprellen. Für den Präsidenten ist das derzeit der wichtigste Punkt auf seiner Agenda. Ismaik und Iraki würden „derzeit ihre Möglichkeiten ausloten”, sagt Schneider, der damit grundsätzlich auch kein Problem hat. Nur zu viele Zugeständnisse möchte er den Geldgebern auch nicht machen. Die Löwen müssten – bei allen wirtschaftlichen Zwängen – ihre Identität bewahren. „Es ist wichtig, dass wir eine geschlossene, eine steinerne Front, bilden und frühzeitig unsere Positionen beziehen. Wenn wir das nicht tun, kann 1860 allmählich wieder in eine finanzielle Abhängigkeit geraten, aus der wir uns gerade erst befreit haben." Doch mit der Einigkeit bei 1860 ist es nicht weit her. Schneider sieht sich einer massiven Opposition im eigenen Lager ausgesetzt. Schneiders „steinerne Front” ist schon jetzt höchstens auf Lehm gebaut. Die alten Gräben sind aufgerissen. Mindestens bis zur Wahl des neuen Aufsichtsrates am Freitag droht den Löwen ein zermürbender Machtwahlkampf. Die AZ stellt die Standpunkte der meinungsführenden Kontrahenten vor. F. Cataldo, M. Plein


Die Freunde

Netzwerker für Schneider

Peter Lutz: Der Wirtschaftsanwalt gilt generell als kompetenter und besonnen agierender Netzwerker mit viel Erfahrung. Schneider vertraut ihm sehr. Seit 2006 ist Lutz Vorsitzender des Vereins-Aufsichtsrates und Mitglied des KGaA–Kontrollgremius. Er gehört somit auch zu der Riege jener, die sich die Frage stellen müssen, wie es so weit kommen konnte, dass nur ein arabischer Investor 1860 noch retten konnte.

Dennoch soll er nun zusammen mit Schneider künftig von Vereinsseite aus im Beirat der Geschäftsführungs-GmbH die Geschäftsführer Schäfer und den für die Finanzen zuständigen Axel Schiller kontrollieren. fil

Der stets loyale Vize

Franz Maget: Der SPD-Politiker und Landtags-Vizepräsident ist seit 2007 Löwen-Vize. Er sieht in Schneider die „wichtigste Persönlichkeit bei 1860“ und steht total und uneingeschränkt hinter dem Präsidenten.

Vorher stand Maget freilich auch schon total und uneingeschränkt hinter Schneiders Vorgänger Reiner Beeck. Hat jahrelang jeden Richtungs- und Personenwechsel bei 1860 bereitwillig mitgetragen und kann darum nur schwer eine gewisse Mitschuld am finanziellen Beinahe-Kollaps leugnen.

Irakis Kritik, dass die Löwen nicht zu einem Neuanfang bereit wären, zielt vor allem auf Leute wie Lutz und Maget. Schneider will ihn dennoch im Aufsichtsrat haben. fil

 


Sie diktieren das Spiel

Der Geldgeber als Visionär

Hasan Ismaik: Der erste arabische Investor im deutschen Fußball hat sich mit 1860 auf ein Wagnis eingelassen. Dass er nicht alleine Entscheidungen treffen kann, ist er aus seinen anderen Unternehmungen nicht gewohnt. Bei den Löwen muss er aber die Macht mit dem Verein teilen.

Bisher ist der Geldgeber bei den Löwen vor allem als Visionär aufgefallen. Er träumt davon, die Löwen in zehn Jahren auf eine Stufe mit Barcelona und Bayern zu bringen. Zudem will er etwa ein Löwen-Open-Air mit Shakira als Hauptact veranstalten und die Löwen-Brust für vier Millionen Euro verkaufen. Lässt sich am Freitag zum Aufsichtsratsvorsitzenden wählen. fil

 

 

 

 

 

 

Der Banker macht Druck

Hamada Iraki: Der Investment-Banker ist neben Schneider der wahre Architekt der Rettung. Iraki strotzt vor Selbstbewusstsein und weiß um seine Smartness – pflegt in der Sache und seiner Ansprache aber einen knallharten Ton. Der bayerische Mittelständler Schneider kann damit offenbar nicht allzuviel anfangen. Iraki will die KGaA mit aller Macht profitabel machen, fürchtet aber, dass die Löwen nicht wirklich bereit zum Neuanfang sind.

Würde Schneider am liebsten aus dem Tagesgeschäft heraushalten, wird aber gleichzeitig auch im Verein mit ihm zusammenarbeiten müssen: Der Palästinenser wird bald in den Vereins-Aufsichtsrat einziehen. fil

 


Sie suchen ihre Position

Der Profiteur der Krise

Robert Schäfer: Der Geschäftsführer stand vor sechs Wochen kurz vor dem Rauswurf. Schneider machte den 35-Jährigen allein für das kurzfristig aufgetauchte Finanzloch verantwortlich. Dass der Präsident dies bei der Vorstellung Ismaiks auch öffentlich sagte – und Schäfer so bloß stellte, soll Iraki nicht gefallen haben.

Schäfer blieb im Amt – und versteht sich mittlerweile bestens mit den Investoren. Schneider befürchtet, dass Schäfer nun aus Dankbarkeit jeden Wunsch des Investors umsetzen wird. Den Vertrag mit Irakis und Ismaiks Vermarktungsgesellschaft soll Schäfer ohne Rücksprache unterzeichnet haben. fil

 

 

 

 

 

 

Präsidialer Schattenmann

Otto Steiner: Der TV-Produzent arbeitet im Grunde seit 2006 an seiner Präsidentschaft. Geht gern in die Kurve, ist aber auch VIP-affin, war Vizepräsident, ehe er sich im Streit mit dem damaligen Präsidenten Albrecht von Linde zurückzog. Er ist bis Freitag Vorsitzender des KGaA-Aufsichtsrates und verschaffte Schneider im Kontrollgremium die Mehrheit für den Einstieg Ismaiks.

Spricht Schneider auch jetzt öffentlich das Vertrauen aus, klüngelt aber mit den anderen Unternehmern im Aufsichtsrat und mit Hamada Iraki. Will den Einfluss des Aufsichtsrates zulasten des neuen Beirats stärken – und irgendwann Schneider ablösen? fil

 

 


Der Retter-Präsident als Don Quichotte?

Wird für seine "One-Man-Show" von vielen kritisiert: Retter-Präsident Dieter Schneider.
Wird für seine "One-Man-Show" von vielen kritisiert: Retter-Präsident Dieter Schneider.
Dieter Schneider: Der Präsident der Rettung ist bei den meisten Fans und im Löwen-Umfeld so populär, wie es nicht mal Karl-Heinz Wildmoser zu seinen guten Zeiten war. Doch vor allem Steiner und die anderen Aufsichtsräte aus der Wirtschaft kritisieren intern Schneiders „One-Man-Show“ – und wollen ihn am liebsten aus dem Aufsichtsrat drängen.

In Schneiders Büros hängen signierte Bilder von Franz-Josef Strauß, der Demokratie für eine tolle Sache hielt – solange er seinen eigenen Willen durchsetzen konnte. Möglicherweise orientiert sich der Mittelständler hin und wieder an dieser Maxime. Von den 1860-Gremien fordert er ein klares Bekenntnis. Er beteuert zwar, nie mit seinem Rückzug gedroht zu haben, denkt aber darüber nach. Und nicht nur aus gekränkter Eitelkeit heraus.

Will verhindern, dass „eine einseitige Machtausübung stattfindet, die die KGaA in eine neue Abhängigkeit treibt“, sagt er: „Wenn ich nicht die Rückendeckung des Aufsichtsrats habe, bin ich der Don Quichotte gegen Windmühlenflügel“. fil, mpl

 

 

 

 


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