Göktans späte Reue

Vier Jahre nach seiner Kokain-Affäre ist Ex-Löwe Berkant Göktan zurück in München – und bittet um eine letzte Chance. Doch für 1860 ist er kein Thema, bei Bayern darf er nicht mittrainieren, und selbst Haching winkt ab
| Filippo Cataldo, Marco Plein
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Akrobat schön: Göktan während eines Derbys gegen Unterhaching.
rauchensteiner Akrobat schön: Göktan während eines Derbys gegen Unterhaching.

MÜNCHEN So tief kann nur einer fallen, der zuvor in ungeahnten Höhen flog. Und Berkant Göktan war ganz oben. Mehrmals sogar. Aber er fiel tief. Tiefer jedenfalls als nur auf die Schnauze. Vom Hoffnungsträger einer gesamten Fußballer-Generation, der mit 16 im ersten Training beim FC Bayern Lothar Matthäus tunnelte, zum nicht vermittelbaren Problemjungen. Nach einer mehr als zehn Jahre dauernden Odyssee, in denen er drei deutsche Traditionsklubs (Gladbach, Bielefeld, Lautern) und mit Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas alle drei großen Istanbuler Vereine verschliss, avancierte Göktan erst zum personifizierten Heilsbringer der Löwen, dem in 13 Spielen in der Rückrunde 2007 famose zehn Treffer gelangen – und schließlich zur persona non grata.

Im Herbst 2008 war Göktan ganz unten. Nachdem ihm Kokain-Missbrauch nachgewiesen worden war und er die angebotene Hilfe der damaligen 1860-Verantwortlichen Stefan Reuter und Trainer Marco Kurz abgelehnt hatte, löste er seinen Vertrag bei den Löwen auf und floh nach Thailand. Nun ist er wieder in München. Und hofft wiederum auf eine Chance im Fußball, dieses Mal auf die endgültig letzte. „Jetzt würde ich gerne sagen: Hallo, ich bin wieder da, kriege ich eine Chance bei einem Verein? Ich bin ablösefrei und fit”, sagte Göktan in einem bewegenden und erstaunlich selbstkritischen Interview im „kicker”.

31 Jahre ist der Münchner Türke mittlerweile alt, er ist verheiratet und Vater. Die letzten Jahre hätten ihn verändert, behauptet er. Und tatsächlich wirken seine Antworten reflektiert und vernünftig. „Ich kann nichts anderes als Fußball”, sagt er, „ich will noch mal zeigen, was ich kann. Als Fußballer und Mensch.” Mit Buddhismus habe er sich beschäftigt, die Ernährung umgestellt, seinen Lebensstil. Nun sähe er die Dinge anders. „Es geht darum, mit sich im Reinen zu sein, zu wissen, dass man nicht alleine auf dem Platz steht, dass es keine One-Man-Show ist", sagt er. Seinen totalen Absturz 2008 empfinde er heute sogar positiv. „Mir war ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zu helfen", sagt er. Er sei froh gewesen, als sein Kokainkonsum herausgekommen sei, „denn damit hatte ich keinen anderen Ausweg mehr.”

Nun hofft er darauf, dass sich noch mal ein Verein erbarmt, ihn aufzunehmen, sei es nur für ein Probetraining. Doch seine bisherigen Versuche scheiterten. „Wo ich hinkomme, sagt man: Du bist gescheitert. Du hast es nirgends geschafft. Immer hieß es: Göktan, der Kokser.” Zwei Mal habe er sogar bei den Bayern gefragt, ob er mittrainieren dürfe. Er durfte nicht. Und auch bei den anderen beiden Münchner Klubs holte er sich eine Absage.

„Es gab vor einiger Zeit über Dritte eine Anfrage von ihm”, bestätigt 1860-Sportdirektor Florian Hinterberger der AZ, „wir haben aber schnell beschlossen, uns nicht weiter damit zu beschäftigen. Wir freuen uns, wenn es ihm gut geht und er wieder Fußball spielen will. Alle Löwen wünschen ihm dabei auch viel Glück, aber für 1860 ist er kein Thema.” Auch Unterhachings Präsident Manfred Schwabl, der zuletzt ja in Savio Nsereko schon so einen Problemspieler unter Vertrag genommen hat, winkt ab: „Es gab mal vor der Sommerpause einen Kontakt zu ihm. Aber ich habe erstens kein Budget und zweitens momentan keinen Platz im Kopf, um mich mit diesem Thema zu beschäftigen."

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