Gestrichene Stellen bei 1860: Endlich zweitklassig?!

Boss Robert Schäfer hält 1860 für zu üppig besetzt und streicht Jobs. Aber - wie wird andernorts gearbeitet?
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Ein Ort, an dem die Mitarbeiter nur wenig Vorfreude auf Weihnachten verspüren: die Löwen-Geschäftsstelle. Foto: firo/Augenklick
abendzeitung Ein Ort, an dem die Mitarbeiter nur wenig Vorfreude auf Weihnachten verspüren: die Löwen-Geschäftsstelle. Foto: firo/Augenklick

MÜNCHEN - Boss Robert Schäfer hält 1860 für zu üppig besetzt und streicht Jobs. Aber - wie wird andernorts gearbeitet?

Er will abspecken, er muss abspecken. Freilich nicht er selbst, denn der neue Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer ist im Grunde ein recht sportlicher Typ. Betroffen ist die Geschäftsstelle des finanziell angeschlagenen Zweitligisten, wo neben 23 festangestellten Mitarbeitern (zum Beispiel drei im Marketing, vier in der Buchhaltung, drei im Ticketing) eine ganze Reihe an 400-Euro-Jobbern und Teilzeitkräften beschäftigt sind. Schäfer spricht von 40 Mitarbeitern. Rechnet man die sieben Angestellten der Löwen-Vermarktungsagentur IMG dazu, lässt sich erahnen, weshalb Schäfer trotz einer Reduzierung von knapp zehn Stellen in den vergangenen fünf Jahren sagt: „Wir haben hier Erstligaverhältnisse. Wir haben jahrelang massiv über den Verhältnissen gelebt. Man hat bewusst verdrängt, dass man nur noch Zweitligist ist. Damit muss Schluss sein.“

Die Stelle des seit Montag freigestellten Teammanagers Robert Hettich wurde bereits gestrichen, weitere sollen folgen. „Einsparungen sind geschaffene Liquidität“, findet Schatzmeister Dieter Schneider. Schäfer sagt über sein striktes Vorgehen: „Wir brauchen Glaubhaftigkeit und Fans, die ihr Geld zu uns ins Stadion tragen. Das sind bodenständige Leute, Bahnfahrer, der Mensch an der Kasse, der Polizist. Die tragen ihr Geld nicht zu uns, wenn sie denken, dass wir es hier verschleudern.“

Die größte Baustelle ist der üppige Kader. Den muss Sportdirektor Miki Stevic im Winter verkleinern. Doch wie schon beim zehnprozentigen Gehaltsverzicht (Schäfer: „Da müssen wir zusammenrücken“) wird auch beim Stellenabbau nicht nur die Mannschaft, sondern auch die Geschäftsstelle betroffen sein. Die Zahl, der zu kündigenden Verwaltungsmitarbeiter hat der 34-Jährige aber noch nicht im Kopf. Er sagt: „Wir müssen schlanker werden. Wie sehr, das wird sich zeigen.“

Doch ist die 1860-Geschäftsstelle wirklich überbesetzt? Die AZ vergleicht mit anderen Erst- und Zweitligaklubs:

Beim SC Freiburg, dem Bundesliga-Fünften, sind 16 Mitarbeiter in der Geschäftsstelle festangestellt. Einer macht die gesamte Pressearbeit, zweieinhalb Stellen sind für die Buchhaltung vorgesehen.

Bei Zweitliga-Rivale Alemannia Aachen sind sogar 28 Mitarbeiter in der Geschäftsstelle tätig, allein fünf aber wurden fürs Veranstaltungsmanagement eingestellt, als das neue Stadion fertiggestellt war. „Deswegen haben wir nach dem Abstieg vor drei Jahren eher zugelegt“, sagt Pressesprecher Thorsten Pracht, „aber wir ziehen aus dem Stadion auch Geld.“ Davon kann 1860 nur träumen.

Auch von einem Erfolg, wie ihn der 1. FC Kaiserslautern Ende letzter Saison erlebt hat, träumen die Löwen noch: Der frühere 1860-Trainer Marco Kurz führte den Pfälzer Traditionsklub in die Bundesliga. Auf der Geschäftsstelle sind die Lauterer ähnlich besetzt wie die Löwen: 39 Menschen sind bei den Roten Teufeln angestellt.

Viel knapper sind dagegen die Löwen-Ligakonkurrenten Karlsruher SC und Erzgebirge Aue aufgestellt. „Dünner als wir kann man kaum noch besetzt sein“, erklärt KSC-Pressechef Jörg Bock, in dessen Geschäftsstelle 14 Mitarbeiter arbeiten. Jeweils eine Person kümmert sich um die Finanzbuchhaltung, um die Presse und um das Ticketing. Mit noch deutlich weniger Kräften kommt Erzgebirge Aue aus: „Wir arbeiten mit acht Personen“, erzählt Sprecher Peter Höhne. Einzig in der Buchhaltung erlaubt sich der Aufsteiger und Überraschungsdritte den Luxus, zwei Personen in einer Abteilung zu beschäftigen.

Das krasse Gegenteil präsentiert der deutsche Rekord- und Umsatzmeister FC Bayern: Allein sieben Seiten im Jahrbuch gehen für das „Team hinter dem Team“ drauf, mehr als 150 Mitarbeiter sind an der Säbener Straße angestellt. Eine andere Welt.

Marco Plein

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