Gerhard Mayrhofer: Der blockierte Präsident

Der Löwen-Boss hat seit Amtsantritt viel gemacht, dennoch gibt es weiter zig Baustellen. Das Problem: Dem 51-Jährigen sind in vielen Fragen die Hände gebunden, was zum Teil sogar selbst verschuldet ist.
| Filippo Cataldo
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Wirkt ein wenig ratlos: Gerhard Mayrhofer.
sampics/AK Wirkt ein wenig ratlos: Gerhard Mayrhofer.

München - Sicher, man kann sich ungefähr vorstellen, wie Gerhard Mayrhofer sich derzeit fühlen muss angesichts des Absturzes der Löwen. Es geht ihm wohl nicht anders als den Fans. Doch genau weiß man es nicht.

Der Präsident schweigt.

Seit dem 1:3 gegen Dresden gab es von Mayrhofer kein aufmunterndes Wort an die Fans oder eine Einschätzung der Situation zu hören. Selbst auf Facebook, bevorzugter Kommunikationskanal des 51-Jährigen, schrieb er nach dem 1:3 nur nur: „Vielen Dank an alle die heute im Stadion waren.”

Gesprächsanfragen zur finanziellen und personellen Situation bei 1860 bleiben ohnehin meist unbeantwortet.

Doch Mayrhofer schweigt nicht nur, er wirkt derzeit wie ein blockierter Präsident.

Das heißt nicht, dass er und seine Kollegen nicht versuchen würden, die Löwen wieder auf Kurs zu bringen. Im Gegenteil. Doch sie kommen nicht so recht weiter. Das liegt an dem Gordischen Knoten, den sich – teils durch Verfehlungen der letzten Jahre, teils durch die Entwicklungen der letzten Wochen – die Löwen selbst geknüpft haben. Den zu lösen ist schwer – und mit einem Hieb durchbrechen kann ihn nur Investor Hasan Ismaik. Wieso 1860 derzeit nicht handlungsfähig scheint:

Sportliche Leitung: Bei seiner Wahl im August hatte Mayrhofer angekündigt, schnell zu handeln, sollte sich der Erfolg nicht einstellen. Tatsächlich wurde dann sehr früh Trainer Alexander Schmidt durch Friedhelm Funkel ersetzt. Einige Wochen später beurlaubte sich Geschäftsführer Robert Schäfer quasi selbst. Nun müsste es der Löwen-Logik nach Sportdirektor Florian Hinterberger treffen. Es wäre einfach, Hinterberger zum Sündenbock zu machen. Angelastet werden kann ihm die unglückliche Transferpolitik, Funkel war zudem schon vor einem Jahr sein Wunschtrainer gewesen. Viele Fans fordern seit Wochen Hinterbergers Rauswurf. Dennoch ist eine Beurlaubung des Sportdirektors quasi unmöglich. Nicht nur, weil er, ebenso wie Schmidt und Schäfer weiter bezahlt werden würde: Hinterberger ist seit Schäfers Demission auch Geschäftsführer. Würde er fliegen, müsste sofort ein neuer installiert werden.

Geschäftsführer: Seit dem 27. September suchen Mayrhofer und Investor Hasan Ismaik mit Headhuntern einen Geschäftsführer, der beiden Seiten genehm ist. Erst am Montag sollen sich Mayrhofer, so erfuhr es die AZ, und Investoren-Vertreter Noor Basha mit Kandidaten getroffen haben. Doch bis zur Einigung scheint es noch ein weiter Weg. Mindestens zwei Kandidaten sollen in den letzten Wochen abgesagt haben. Begründung: Die unsichere finanzielle Zukunft und das unklare Verhältnis zwischen Investor und Verein. Am 1. Januar droht 1860 eine Millionenstrafe durch die DFL, wenn der Schuldenberg nicht deutlich verringert wird (AZ berichtete). Zudem ist unklar, wie die Saison 2014/15 finanziert werden soll.

Ismaik: In den kommenden drei bis vier Wochen möchte der Investor nach München kommen. Er lasse die Löwen nicht im Stich, kündigte er letzte Woche an, ohne konkret zu werden. Doch solange sich Ismaik und Mayrhofer nicht – schriftlich – auf ein Zukunftskonzept samt Zahlungsplan einigen, werden die Löwen wohl weder einen Geschäftsführer finden, noch neue Spieler im Winter verpflichten, noch die Zukunft anpacken können. Bis dahin bleiben die Bosse weitestgehend blockiert.

Lesen Sie hier: Wer hat's bei 1860 verbockt?

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