"Geil, wie wir das derzeit alles überstehen": 1860 trotzt Fehlentscheidung, Nebel und Unterbrechung

Ob den Löwen schon Übles schwante? "Beim Blick auf die Tabelle gibt’s nur ein Motto: Ausrutschen verboten", rief Stadionsprecher Basti Schäch in sein Mikrofon. Mehrere Fans hatten im Gespräch mit der AZ auf die ungeschriebenen Gesetze verwiesen, dass Ex-Löwen so gerne gegen Sechzig treffen und man ja so gerne Aufbauhilfe leistet, wenn man selbst so richtig oben ranschmecken könnte. Und dann auch noch dieser hochnervöse Beginn – doch 1860 rutschte nicht aus. . .
Das 2:1 (1:1) des TSV 1860 gegen Kellerkind Erzgebirge Aue am Dienstagabend geriet zu einem elektrisierenden Nebel-Krimi für Sechzigs Seriensieger. Maximilian Wolfram schoss Sechzig nach einem Pfostentreffer von Kevin Volland per Abstauber früh in Front (7.), ausgerechnet Ex-Löwe Marcel Bär glich wenig später wieder aus (12.) – Ex-Löwe Julian Guttau hatte vorgelegt. Zum Matchwinner avancierte mal wieder Sigurd Haugen (50.) – und schoss 1860 vorübergehend auf Rang fünf.
"Richtig geil, dass ich ein Teil davon sein darf"
"Viel Energie, viel Herz, viel Leidenschaft", attestierte Sechzig-Trainer Markus Kauczinski seinen Mannen in seiner gewohnt ruhigen Art. Ausgelassener war da schon Raphael Schifferl: "Es ist geil, wie wir das derzeit alles überstehen. Es ist immer jemand da." Er ergänzte: "Da muss ich jetzt an alle Jungs pauschal ein Lob aussprechen. Das ist für einige Jungs nicht einfach gewesen. Dass wir so eine Serie hinlegen … Da sind viele Jungs drin, die abgeschrieben waren und jetzt dastehen und an ganz Großes glauben. Das ist richtig geil, dass ich ein Teil davon sein darf."

"Ich erwarte einen harten Abnutzungskampf, den einzelne Momente entscheiden werden", sagte Coach und Hellseher Kauczinski kurz vor Spielbeginn und sollte Recht behalten: Aue ging früh drauf, kämpfte um jeden Zentimeter und setzte die Blauen sichtlich unter Druck. Das 1:0 durch Wolfram, neben Damjan Dordan und Marvin Rittmüller neu in die Startelf gerückt, war eher dem Zufall geschuldet.
Voet-Festspiele ohne Krönung und wegen Fehlentscheidung
Ähnlich wie beim jüngsten 2:1-Auswärtssieg bei der TSG Hoffenheim II verschaffte dem TSV 1860 die frühe Führung keine Sicherheit, im Gegenteil: Der einstige Löwen-Drittligatorschützenkönig Bär nutzte eine Unachtsamkeit in der TSV-Abwehr zum verdienten Ausgleich für frech aufspielende und früh störende Gäste.
Es begannen die Mini-Festspiele von Verteidiger Siemen Voet für nun etwas präsentere Löwen: Erst traf der aufgerückte Belgier die Latte (13.). Bitter für 1860: Marvin Stefaniak hatte den Ball zuvor mit der Hand berührt, ein Elfmeterpfiff blieb jedoch aus. Und auch der zweite Voet-Versuch landete nicht im Tor, sondern daneben (26.).
Auch in der Folge entwickelte sich ein packendes Duell nicht auf dem besten fußballerischen Niveau, das keinerlei Unterschied zwischen Aufstiegsaspirant 1860 und Abstiegskandidat Aue offenlegte. Kurz vor der Pause hätte Bär fast den Doppelpack geschnürt, indem er seinen Fuß in einen Schuss hielt, Dähne aber reaktionsschnell zur Ecke klären konnte (43.). Durchatmen, Löwen.
Erst trifft Haugen, dann unterbricht der Schiedsrichter die Partie
Ohne Wechsel ging es weiter, die Löwen spielten endlich in Richtung ihrer Fans und sie scheinen sich auf diese frühen Dinger spezialisiert zu haben: Diesmal war es der zuvor oftmals vergeblich lauernde Haugen, der seine ständig schlummernde Torgefahr in seinen elften Saisontreffer ummünzte – und diesmal steuerte Voet die Vorlage bei.

Danach wurde es spektakulär: Schiedsrichter Bauer unterbrach die Partie aufgrund starken Nebels, den die TSV-Ultras gleich durch ein grelles Feuerwerk in der Westkurve verstärkten. Nach einer kurzen Aufwärmphase für die Spieler wurde wieder um jeden Grashalm gekämpft auf Giesings Höhen.
Voet – wer sonst – wurde in der 58. Minute in der Defensive zum Protagonisten, als er Keeper Thomas Dähne anschoss (58.), bevor er wenig später vor dem Tor der Erzgebirgler die Entscheidung für 1860 verpasste. Was folgte, war ein einziges Giesinger Zittern, weil vorne keiner traf und Aue alles, wirklich alles nach vorne warf – doch diesmal galten eben nicht alle dieser Giesinger Gesetze.