"Für mich war von Anfang an klar": Tunay Deniz spricht über ein mögliches Karriereende beim TSV 1860

Tunay Deniz spricht über die harte Reha nach seinem Kreuzbandriss, den Plan für seine Rückkehr, seine Vertragsverlängerung beim TSV 1860 sowie die Veränderungen und Lehren für kommende Saison.
von  Ruben Stark
Will in der neuen Saison wieder voll durchstarten: Tunay Deniz.
Will in der neuen Saison wieder voll durchstarten: Tunay Deniz. © IMAGO/Ulrich Wagner

Tunay Deniz (32) hätte der Saison des TSV 1860 mit seinem Spielwitz und Ideenreichtum willkommene Würze verleihen können, aber im November zog sich der Mittelfeldspieler mit Offensivdrang einen Kreuzbandriss zu. Seine kreativen Impulse fehlten, gerade in den letzten Wochen – nach dem neuerlichen Ende aller Aufstiegshoffnungen – wirkte der Löwenfußball doch recht einfältig und träge. Ob sich das in der neuen Saison ändert?

Deniz ist wieder zurück und zufrieden mit dem Verlauf seiner Reha

Deniz ist dann jedenfalls immer noch da und will nach seiner Genesung wieder sportliche Taten sprechen lassen. Wie es bei seiner Rückkehr läuft, wie er die Situation der Mannschaft beurteilt und die Abgänge bewertet, unter anderem darüber hat der gebürtige Berliner am Mittwoch auch mit der AZ gesprochen.

Tunay Deniz über den Rehaverlauf: "Wenn man wieder ein bisschen Rasenluft schnuppern kann, ist das immer ein tolles Gefühl, einfach an der frischen Luft zu sein mit den Jungs, die ganzen Kabinengeschichten hat man auch vermisst. Es freut mich, dass ich mich so langsam Schritt für Schritt der Mannschaft nähern kann. Mit dem Ball machen wir schon relativ viel, eher wendige Sachen, auch Passspiel ins kleine Tor, um einfach wieder das Gefühl zu kriegen, dass der Ball mein Freund ist. In der Reha ist der Fokus eher Richtung Kraftaufbau, dass man Muskulatur wieder aufbaut, was dann natürlich das Knie unterstützen soll. Nach fünfeinhalb Monaten zurück auf dem Platz zu sein, das ist schon sehr gut gelaufen. Jetzt gilt es, weiter dranzubleiben, immer mehr zu machen und Schritt für Schritt ins Tagesgeschäft zurückzukehren."

Zog sich im November einen Kreuzbandriss zu: Tunay Deniz.
Zog sich im November einen Kreuzbandriss zu: Tunay Deniz. © IMAGO

"Ganz normaler" Einstieg zur Vorbereitung, überzeugt von seinen Qualitäten

Deniz über den konkreten Comebackplan: "Das Ziel ist, dass ich zur Vorbereitung ganz normal einsteige. Ich halte auch den Urlaub ein bisschen kürzer, dass ich hier noch weiter in der Reha bin. In der Sommerpause mache ich dann sozusagen die Vorbereitung für die Vorbereitung. Ich glaube an meinen Körper, dass der das auf jeden Fall schafft und meistern kann. Ich versuche über positive Energien zu arbeiten, über Frequenzen, über mentale Stärke und natürlich mit der Unterstützung von Familie und Freunden. Und auch mit zwei Kids zu Hause hat man genug Ablenkung und Aktivität, nicht viel Zeit zum Nachdenken. Der Ehrgeiz ist da, dass man ein paar Kritiker verstummen lässt, die sagen, du schaffst es nicht mehr, du bist zu alt, du kommst nicht mehr zurück. Ich wollte den Leuten zeigen, ich kann es doch noch."

Deniz über seine Qualitäten: "Meine Stärken sind das Kreative, das Spiel nach vorne, das Vertikalspiel. 70, 80 Prozent der Bälle spiele ich vertikal nach vorne. Ich glaube, das hat unserem Spiel immer ganz gutgetan. Wenn ich zurück bin, versuche ich der Mannschaft mit meinem Spielstil zusätzliche Frische zu bringen. Man versucht dann auch mit fußballerischen Leistungen wieder zu glänzen, um zu zeigen, dass das Alter eigentlich nur eine Zahl ist. Am Ende des Tages spielt es eine Rolle, wie bist du mental drauf, wie stabil bist du im Kopf? Ich weiß, was ich kann und ich weiß, was ich nicht kann."

Sechzig-Verbleib "war klar", möchte als Führungsspieler "vorangehen"

Deniz über die Vertragsgespräche mit dem TSV 1860: "Für mich war von Anfang an klar, schon vor meiner Verletzung, dass ich hier bleiben möchte und gern auch meine Karriere hier beenden will. Ende Januar fingen die Gespräche an, und ich bin froh, dass ich mich mit Manfred Paula (1860-Geschäftsführer, d.Red.) auf einen neuen Vertrag einigen konnte. Für mich war klar, dass ich bei Sechzig bleiben will, solange es geht. Daher habe ich auch mit keinem anderen Verein gesprochen. Meine Frau fühlt sich hier super wohl, meinen Kindern geht es top und München als Stadt hat uns sehr gefallen.

Deniz über die Situation der Mannschaft: "Phasenweise haben wir ganz gut Fußball gespielt, da hat man gesehen, was für ein Potenzial drinsteckt. Wenn wir mal ein Spiel verloren haben, dann haben einige irgendwie den Kopf in den Sand gesteckt, das hat man bemerkt. Aber man muss nun daraus lernen und versuchen, die Dinge besser zu machen. Das geht dann auch an die erfahrenen Spieler, wir müssen vorangehen. Ich versuche, den Jungs zu zeigen: Es macht Spaß, Punkte zu holen, es macht super Bock, lass uns gemeinsam den Weg gehen."

Deniz über Sechzigs Abschiede: "Veränderungen gehören nun mal dazu"

Deniz über Trennungen und Perspektiven: "Ich bin jetzt seit 14 Jahren im Profifußballgeschäft, und ich weiß, wie das läuft. Es ist nicht einfach für Spieler, die eventuell bleiben wollen, aber wo der Verein eine Veränderung will. Ich hatte auch viele Jahre, wo ich sehr gut gespielt habe und mir vorstellen konnte, ich hätte da auch mein Leben lang bleiben können. Wie bei Kickers Offenbach zum Beispiel. Da wollte ich auch nicht weg. Aber dann haben sie mich im Urlaub angerufen und gesagt, dass der Trainer einen anderen Spielertypen sucht. Ich habe dort in zwei Jahren 24 Tore erzielt und 26 Vorlagen gegeben, daher habe ich es nicht verstanden. Du kannst es nicht selbst bestimmen, Veränderungen gehören nun mal dazu."

Deniz über Jesper Verlaats Verletzungsgeschichte und seinen Abschied: "Wenn du dich verletzt, kannst du es nicht verändern. Wenn man das akzeptiert hat, dann kann man Gas geben und versuchen, so schnell wie möglich wieder auf den Platz zurückzukehren. Wenn es hier nicht mehr weitergeht, dann vielleicht in einem neuen Verein. Man kann ihm nur maximalen Erfolg wünschen, weil er auch eine sehr große Persönlichkeit für Sechzig war, auch für die Außendarstellung. Ich glaube, jeder der Sechzig kennt, kennt auch Jesper Verlaat. Er kann auf jeden Fall sagen, ich bin in positiven Erinnerungen geblieben."

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