Fünf Zwänge bremsen die Aufstiegsträume des TSV 1860
Die Rechnung ist einfach: Je größer die Geldschatulle, desto freier lassen sich im Profifußball Entscheidungen treffen. Je höher der Etat, desto mehr Möglichkeiten hat ein Sportchef, um einen schlagkräftigen Kader auf die Beine zu stellen. Bei den laufenden Planungen der Löwen zeigen sich dagegen ein paar massive Einschränkungen.
"Geld spielt immer eine Rolle bei 1860 München, weil es grundsätzlich nicht üppig vorhanden ist", erklärte Manfred Paula, Geschäftsführer der Giesinger, am vergangenen Samstag beim BR im Rahmen des 3:2 des TSV 1860 gegen den SSV Ulm über die Kaderplanungen für die Spielzeit 2026/27: "Es ist eines von mehreren Kriterien."
Die AZ zeigt die weiß-blauen Zwänge:
Löwen-Spagat zwischen Sparen und Ambitionen
Sparzwang Kaderplanung: Etwa 6,3 Millionen Euro hatte Paulas Vorgänger Christian Werner für den Etat der Saison 2025/26 zur Verfügung, nach AZ-Informationen wird der Etat – ohne neuen Investor – um geschätzt zwei Millionen sinken.
Paulas diskutabler Schritt, mit Kapitän Jesper Verlaat, Stellvertreter Thore Jacobsen und Mentalitäts-Löwe Raphael Schifferl nicht zu verlängern, rückt durch seine finanzielle Einordnung in ein anderes Licht. Auch Morris Schröter, Maximilian Wolfram und David Philipp dürften als gestandene Drittligaspieler mit ordentlich dotierten Verträgen bestückt sein, die 1860 künftig sparen kann und muss.

Ambitions-Zwang: 2026/27 soll dennoch der nächste Anlauf des Drittliga-Dinos folgen, im neunten Jahr endlich wieder die Zweitliga-Zugehörigkeit zu erreichen. Um die nötige Euphorie zu schüren, den Dauerkartenverkauf anzukurbeln, den ein oder anderen Neulöwen anzulocken und letztlich die überschaubaren wirtschaftlichen Möglichkeiten in der dritthöchsten Spielklasse gegen deutliche höhere Einnahmequellen (Stichwort TV-Gelder) einzutauschen, kommt der TSV gar nicht um gewisse Ambitionen herum.
"Ich glaube, dass der Verein mit der Wucht, die er hat und den Ambitionen, die Sechzig jedes Jahr hegt, finde ich: Da kann es nichts anderes geben, als oben anzugreifen", sagte auch 1860-Profi Tim Danhof, der nach AZ-Infos gute Chancen auf eine baldige Vertragsverlängerung hat, passend zur Giesinger Erwartungshaltung.
Junglöwen-Zwang: Sean Dulic, Clemens Lippmann, Damjan Dordan, Lasse Faßmann, Samuel Althaus – der TSV hat sich bereits seit Paulas Umbesetzung, als NLZ-Leiter zusätzlich die Geschäfte der KGaA zu übernehmen, verstärkt der Junglöwenförderung verschrieben. Die Hintergründe sind klar: 1860 will sein eigenes Tafelsilber besser einbauen und auch verstärkt durch den ein oder anderen Verkauf vergolden.
Für den finanziell angeschlagenen eingetragenen Verein spielt auch der Nachwuchsfördertopf eine nicht zu unterschätzende Rolle.

1860 braucht Geld – via Pokal und Transfers
Totopokal-Triumph-Zwang: Angesichts der klammen Kassen gewinnt der 23. Mai immer mehr an Bedeutung für Sechzig: Ein Triumph im Endspiel gegen Regionalligist Würzburger Kickers wäre für den TSV gleichbedeutend mit dem Einzug in den DFB-Pokal, was allein für die Erste Runde eine sechsstellige Summer von gut 200.000 Euro garantiert. Also, Löwen: zamreißen und siegen – außer Würzburg wird Regionalliga-Meister, dann hätte 1860 die Pokal-Teilnahme schon sicher.
Ob die geschassten Löwen dabei auflaufen? Löwen-Legende Benny Lauth erinnerte in diesem Zusammenhang im BR an zwei Routiniers: "Wenn ich Flo Niederlechner oder Patrick Hobsch auf der Bank habe – und das sind die Spieler, die ich auch nächstes Jahr mitnehmen muss, dann weiß ich nicht, wie die reagieren. Du musst halt alle mitnehmen."
Verkaufs-Zwang: Sean Dulic gilt als lukrativer Verkaufskandidat (AZ berichtete). Dann wäre da noch Top-Torjäger Sigurd Haugen (15 Saisontreffer), an dem neben Dynamo Dresden und Holstein Kiel auch ein weiterer Zweitligist dran sein soll. Der Norweger postete bei Instagram ein Bild, wie er mit seiner Frau Marlene und einem befreundeten Spieler durch Dresden spazierte. Ob’s was zu bedeuten hat? Matthias Eicher

