Frankfurts Bruchhagen: „Auch 1860 war mal Erstligist“

Heribert Bruchhagen, Boss des nächsten Gegners Frankfurt, erklärt, dass seine Eintracht unbedingt aufsteigen muss, um dem Schicksal der Löwen zu entgehen.
| Interview: Marco Plein
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Hier erklärt Heribert Bruchhagen, Boss des nächsten Gegners Frankfurt, dass seine Eintracht unbedingt aufsteigen muss, um dem Schicksal der Löwen zu entgehen: „Man spielt sich sonst in Liga zwei fest.“

AZ: Herr Bruchhagen, am Samstag ist Ihre Eintracht bei den Löwen zu Gast. Sie sind Erster und nach 15 Spielen noch ungeschlagen. Dazu wurde gerade Ihr Vertrag verlängert, besser könnte es nicht laufen, oder?

HERIBERT BRUCHHAGEN: Moment, man darf ja nicht vergessen, dass wir immer noch dieses traumatische Erlebnis der letzten Rückrunde mit dem Abstieg mit uns herumschleppen. Dadurch ist man vorsichtiger geworden. Heute vor einem Jahr waren wir Fünfter in der Bundesliga, 16 Punkte vor Borussia Mönchengladbach, jetzt sind wir in der Zweiten Liga und Gladbach ist Dritter in der ersten Liga. Das macht einen sehr zurückhaltend im Bezug auf zu optimistische Aussagen. Und was meinen Vertrag angeht, das spielt überhaupt keine Rolle. Ich bin jetzt seit achteinhalb Jahren da, und das ist schon der fünfte Vertrag, als die vierte Vertragsverlängerung.

Die Löwen jammern, dass die Topteams so viele Punkte holen. Sie stört das bestimmt auch, normalerweise hätte die Eintracht bei ihrer Ausbeute schon einen ordentlichen Vorsprung.

Tja, das ist aber eben nicht so. Man kann sich hier gar keine Niederlagen erlauben. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so eine Situation gesehen zu haben. 1860 ist Tabellensechster und hat 13 Punkte weniger als wir, das ist gewaltig. Aber für uns ändert sich dadurch nichts, wir müssen wieder aufsteigen, der Druck ist riesig. Sonst geht es uns so wie 1860, die haben sich etabliert in der Zweiten Liga. Wenn man nicht schnell genug hochgeht, ist die Gefahr riesig, dass man sich in Liga zwei festspielt, dass der Etat runtergefahren wird und sich die ganze Struktur Jahr für Jahr an die Liga anpasst. Das will hier keiner.

Sind die Löwen also für Sie ein Negativbeispiel?

Das klingt so hart, aber da ist schon was dran, ja. Es gibt ja auch noch andere, wie Duisburg, Bochum. Aber auch 1860 war mal ein Erstligist, deswegen sind das für uns Vereine, die zeigen, was passieren kann, wenn man nicht so schnell wie möglich wieder hochkommt.

Für Löwen-Trainer Reiner Maurer sind Sie die Übermannschaft der Liga.

Ach, das ist alles Taktik, da gebe ich nichts drauf. Wer wie wir in Ingolstadt in der 96. Minute den Ausgleich schießt, den kann man nicht als Übermannschaft ansehen. Von Übergröße oder Superfavorit sehe ich bei uns nichts.

Was anderes: Bei den Löwen geht's derzeit viel um Macht. Auch bei Ihnen hieß es zuletzt, ihre Macht sei beschnitten worden, weil Sie sich mit dem beförderten Axel Hellmann nun die Vorstandsspitze teile müssen.

Wissen Sie was, es geht mir viel zu oft um den Begriff Macht, aber das Wort Macht gibt es im Profifußball nicht, das ist ein völlig lächerlicher Begriff. Ich arbeite seit Jahren kollegial mit meinen Kollegen zusammen und respektiere jedes Fachressort. Klar, als wir abgestiegen sind, habe ich die Verantwortung übernommen. Trotzdem muss ich sagen, dass heute leider viel zu oft allesmögliche in allesmögliche hineininterpretiert wird.

Dennoch: Bei 1860 geht's nach dem Investor-Einstieg rund. Verein und Investor wollen Interessen durchboxen. Das kann Ihnen als DFL-Vorstand nicht gefallen.

Nun, ich bin ja im Lizenzierungsausschuss der DFL, und da wäre es mit das Blödeste, was ich machen könnte, wenn ich mich zu anderen Vereinen äußern würde. Aber sicherlich schauen jetzt alle auf 1860 wegen des Modells und gucken, wie das dort läuft. Das verfolgt auch die DFL mit Interesse, klar. Trotzdem ist es klar, wo es Traditionsvereine gibt, wie Eintracht Frankfurt oder 1860, da gibt es auch Ränkespiele. Man soll jetzt nicht so tun, als ob es noch keine Ränkespiele gegeben hat, als der Investor noch nicht da war. Das wäre doch albern.

Eins noch: Die Löwen baggern ständig an Stefan Bell, der ihnen letztes Jahr so gut gefallen hat. Bei der Eintracht sitzt er nur auf der Bank. Was läuft schief?

Mit Stefan Bell sind wir sehr zufrieden. Aber Gordon Schildenfeld und Anderson spielen halt jedes Spiel von der ersten bis zur letzten Minute, und wir haben Ende November und noch kein Spiel verloren. Warum sollte der Trainer also was ändern? So leid mir das tut für Stefan Bell, aber so wie die Situation gerade ist, hat er Pech gehabt. Trotzdem ist er hier und bleibt auch hier, es gibt keinen Grund, über ihn zu reden. Ein Wechsel steht überhaupt nicht zur Disposition.

 

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