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"Franken mog i überhaupt ned": Hier beschimpfte Löwen-Präsident einst seine Spieler und Journalisten

AZ-Serie "Münchner Fußballorte". Im vierten Teil geht es um den Gasthof Hinterbrühl von Karl-Heinz Wildmoser (†71). Wo der Löwen-Präsident einst seine Spieler beschimpfte – und gerne auch Journalisten.
Florian Kinast |
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Ein Mann der klaren Worte: Der ehemalige Präsident des TSV 1860, Karl-Heinz Wildmoser.
Ein Mann der klaren Worte: Der ehemalige Präsident des TSV 1860, Karl-Heinz Wildmoser. © IMAGO

München, Heimat der Blauen und der Roten, Schauplatz großer Spiele in der Champions League, bei Welt- und Europameisterschaften.

TSV 1860 München: Wildmoser beschimpfte seine Spieler im Gasthof Hinterbrühl

Eine Stadt, in der der Fußball Geschichte schrieb. In seinem neuen Buch "99 Münchner Fußballorte" geht AZ-Autor Florian Kinast nun in München und seinem Umland auf Spurensuche und besucht nicht nur alte und aktuelle Spielstätten. Er geht auch Fragen nach wie: Wo liegen die Gründungsorte der Bayern und der Löwen? Wo lebten und wirkten bedeutenden Persönlichkeiten der beiden Klubs?

In einer sechsteiligen Exklusiv-Serie stellt die Abendzeitung in dieser Woche sechs der Orte aus Kinasts Buch vor. Teil 5: Gasthof Hinterbrühl: Wo der alte Wildmoser seine Spieler beschimpfte – und gerne auch Journalisten.

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Wildmoser übernahm 1990 den Gasthof Hinterbrühl

Der langjährige Löwen-Präsident und Großgastronom Karl-Heinz Wildmoser führte viele Lokale. Das Ledigenheim, den Pschorr-Keller, den Donisl, auf der Wiesn die Entenbraterei. Aber keinen Ort verband man mit ihm so sehr wie den Gasthof Hinterbrühl, der ab Januar 2026 renoviert wird. Das bestätigte Karl-Heinz "Heinzi" Wildmoser Junior der AZ. 

Im Oktober 1990 übernahm er das 1909 eröffnete Traditionslokal, bald wurde Hinterbrühl zur Machtzentrale. In seinem Büro in einem Nebentrakt führte er immer die Vertragsgespräche, hier beschimpfte er die Spieler, wenn sie – damals noch ohne Berater – bei den Verhandlungen nach seiner Sicht zu viel verlangten. Bernhard Winkler und Thomas Miller erinnerten sich einmal bei einem Weißbier in Hinterbrühl, dass das Büro hinter zwei dicken Türen mit Lederbeschlag lag – und man draußen trotzdem jedes Wort verstand. Zumindest von Wildmoser.

Hier wurden die Spieler des TSV 1860 von Ex-Präsident Karl-Heinz Wildmoser beschimpft: Der Gasthof Hinterbrühl.
Hier wurden die Spieler des TSV 1860 von Ex-Präsident Karl-Heinz Wildmoser beschimpft: Der Gasthof Hinterbrühl. © oh

Wildmoser: "Franken mog i überhaupt ned"

Winkler traf Wildmoser hier überhaupt das erste Mal. 1993, als es um die Verpflichtung des gebürtigen Würzburgers ging und der Löwen-Boss ihn mit den Worten begrüßte: "Franken mog i überhaupt ned. I hätt Di ned gholt." Winkler wähnte sich nach eigenen Worten im Irrenhaus, er unterschrieb trotzdem und trug mit seinen Toren wesentlich zum Aufstieg in die Bundesliga bei.

Fast immer von hier rief Wildmoser nach schlechter Presse über die Löwen auch bei den Zeitungsreportern an, um sie zu beschimpfen, als Nestbeschmutzer, wahlweise auch als Haubentaucher. Und wenn im Display des Handys wieder die Hinterbrühler Festnetznummer erschien, hielt man das Gerät lieber weit weg vom Ohr, im Wissen, dass es gleich laut wird.

Das Cover zum Buch von AZ-Redakteur Florian Kinast.
Das Cover zum Buch von AZ-Redakteur Florian Kinast. © Carl Ueberreuter Verlag

Wildmoser verstarb im Juli 2010

Frühjahr 2010, ein letztes versöhnliches Telefonat mit einem schon müden und milden Wildmoser, ob man sich nicht im Sommer auf eine Halbe bei ihm im Biergarten treffen wolle, einfach so, fragte er. Dazu kam es leider nie, im Juli war er tot. Für eine Einkehr nach einer Radltour an der Isar ist Hinterbrühl weiterhin ein schönes Lokal. Inzwischen auch ein ruhiges.


Florian Kinast: 99 Münchner Fußballorte, Carl Ueberreuter Verlag, 18 Euro, ISBN-10: 3800078929

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