Fans und Umsätze auf Rekord-Niveau – doch 1860 profitiert vom Boom nur begrenzt

Die als Pleiteliga verschriene Dritte Liga feiert Rekorde bei Fans und Finanzen, doch davon kann der TSV 1860 nur bedingt profitieren.
von  Matthias Eicher
Fokus auf die Jugend: 1860-Boss Manfred Paula (l.) und Löwen-Präsident Gernot Mang.
Fokus auf die Jugend: 1860-Boss Manfred Paula (l.) und Löwen-Präsident Gernot Mang. © IMAGO/Ulrich Wagner

Schon oft wurde ihr nachgesagt, eine Pleiteliga zu sein, doch aktuell gilt: Die Dritte Liga boomt. "Wir haben seit Ende der Corona-Pandemie durchgehend steigende Zahlen in allen wichtigen Bereichen", sagte der für die Dritte Liga zuständige DFB-Präsident Peter Frymuth im Zuge der Veröffentlichung des offiziellen Saisonreports 2024/2025 am Montag.

"Die größten Schritte haben wir in den vergangenen Jahren bei der wirtschaftlichen Stabilität gemacht", sagte er. Die dritthöchste deutsche Spielklasse stehe "längst auf sehr gesunden, soliden Beinen", so Frymuth.

Zuschauerrekord: 1860 über dem Liga-Schnitt, aber limitiert

Nie strömten mehr Fans zu den Spielen in die Stadien, in der abgelaufenen Spielzeit wurde erstmals die Marke von vier Millionen Zuschauer in den Stadien geknackt (4,39 Mio.). Was die Anhänger-Zahlen angeht, hat der TSV 1860 auf Giesings Höhen zwar mit 15.000 Zuschauern stets ausverkauftes Haus und liegt damit über dem Schnitt (11.548 Fans pro Spiel), mögliche Mehreinnahmen stehen und fallen aber mit der nach wie vor ungewissen Sanierung des Grünwalder Stadions.

Einen neuen Höchststand erreichten auch die wirtschaftlichen Erlöse der Klubs: Sie stiegen um knapp 15 Prozent auf 334,8 Millionen Euro und überschritten damit zum ersten Mal die 300-Millionen-Marke. Gleichzeitig sank die Anzahl der Drittligisten mit negativem Eigenkapital (fünf) auf den niedrigsten Stand seit Gründung der Liga anno 2008.

Einziges Problem für die Löwen: Das Drittliga-Wachstum findet weitgehend ohne den TSV statt, dessen alljährliches Defizit vom abwanderungswilligen Investor Hasan Ismaik ausgeglichen werden muss.

Nachwuchsfördertopf: 1860 will wieder mehr profitieren

Was die Jugendförderung angeht, stehen die Nationalspieler Nick Woltemade und Deniz Undav sowie Senkrechtstarter Said El Mala (1. FC Köln) exemplarisch für einen Weg, den viele junge Talente gehen wollen. "Undav, Woltemade, El Mala und noch viele andere Beispiele unterstreichen, wie wichtig die Dritte Liga für den Reifeprozess von Talenten sein kann", erklärt Manuel Hartmann, DFB-Geschäftsführer Spielbetrieb.

Zwar stellen die Blauen mit Sean Dulic auch einen der 20 (!) Junioren-Nationalspieler der Liga, mit Lukas Reich ist ein anderer aber zu Zweitligist SpVgg Greuther Fürth abgewandert. Aus dem Nachwuchsfördertopf hatte Sechzig mit 255.768,24 Euro hinter Absteiger SpVgg Unterhaching zwar die zweitgrößte Summe erhalten, zufrieden waren die Blauen damit aber nicht. Zuletzt wurde unter Präsident Gernot Mang und Geschäftsführer Manfred Paula der Fokus verstärkt darauf gelegt, Junglöwen einzusetzen, was diese Auszahlung 2025/26 wieder erhöhen dürfte.

Fazit: Während viele Vereine wachsen, schwächelt Drittliga-Dino 1860 und blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.

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