Existenzkampf bei den Löwen – „Furchtbare Bilanz“

Bei der Delegiertenversammlung des TSV 1860 München blieben Überraschungen und heftige Auseinandersetzungen aus. Auf den finanziell angeschlagenen Club mit dem im Amt bestätigten Präsidenten Reiner Beeck warten allerdings ganz schwere Zeiten.
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Rainer Beeck will sein Amt als 1860-Präsident zur Verfügung stellen.
sampics/Pahnke Rainer Beeck will sein Amt als 1860-Präsident zur Verfügung stellen.

UNTERSCHLEISSHEIM - Bei der Delegiertenversammlung des TSV 1860 München blieben Überraschungen und heftige Auseinandersetzungen aus. Auf den finanziell angeschlagenen Club mit dem im Amt bestätigten Präsidenten Reiner Beeck warten allerdings ganz schwere Zeiten.

Sportlich stehen die „Löwen“ ganz gut da – nun soll eine Radikalkur den TSV 1860 München auch wirtschaftlich wieder auf feste Beine stellen. Mit weiteren Spielerverkäufen wohl schon in der Winterpause nimmt der finanziell schwer angeschlagene Fußball-Zweitligaclub den Kampf ums Überleben auf.

„Unsere Bilanz sieht furchtbar aus“, verriet Vize-Präsident Dieter Schneider auf der 42. Delegiertenversammlung am Samstag in Unterschleißheim bei München: „Die Sanierung ist eine Drecksarbeit, die mindestens drei Jahre dauern wird“.

Turbulenzen und sogar ein Putsch blieben auf der mehr als vierstündigen Versammlung aus. Präsident Reiner Beck, der wegen des Doppelwechsel in der Geschäftsführung in diesem Jahr in die Kritik geraten war, wurde von den 177 Mitgliedern bei elf Gegenstimmen und 18 Enthaltungen bis März 2013 in seinem Amt bestätigt. Das Führungsgremium mit Beck sowie den Vize-Präsidenten Schneider und Franz Maget wurde mit breiter Mehrheit entlastet.

„Wir werden diese Sanierung zum Erfolg führen“, sagte der neue Geschäftsführer Robert Schäfer. Der 34-jährige Jurist geht bei der Gesundung des hoch verschuldeten Traditionsclubs mit gutem Beispiel voran. Schneider verriet, Schäfer habe bei seinem Dienstantritt vor knapp zwei Wochen sein eigenes Gehalt um zwanzig Prozent gekürzt, „bis die Sanierung abgeschlossen ist“.

Das wird laut Schneider mindestes drei Jahre dauern. Die nächsten ein, zwei Jahre müsste man das operative Geschäft in den Griff bekommen und damit die Existenz sichern, sagte der 63-jährige Unternehmer, der als neuer „starker Mann“ bei den Sechzigern gilt, „erst dann können wir uns um die Restrukturierung der Bilanz kümmern“. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt.

Beim Thema Stadion erteilte Beeck den Forderungen nach einem Auszug aus der Allianz Arena erneut klare Absage. „Wir haben derzeit keine Alternative. Die Arena wird auf absehbare Zeit unsere Zukunft sein“, sagte der 1860-Präsident und bat darum, „kein Stadion zu unterstützen, sondern die Mannschaft“. Die Allianz Arena kostet 1860 fünf Millionen Euro jährlich. Der Mietvertrag mit dem FC Bayern läuft noch bis 2020. Bei einer Abstimmung bekannte sich die Mehrheit der Delegierten zur Allianz Arena.

Den Doppelwechsel in der Geschäftsführung in diesem Jahr nahm Beeck auf seine Kappe. „Natürlich übernehme ich für beide Personalien die Verantwortung“, sagte Beeck. Im Sommer war zunächst Manfred Stoffers zurückgetreten, sein Nachfolger Robert Niemann warf nach nur 106 Tagen Amtszeit das Handtuch.

Spielerverkäufe sind wie schon in der Vergangenheit Teil des Sanierungskonzept. Stefan Aigner, Florin Lovin, Alexander Ignjovski und Antonio Rukavina sollen ganz oben auf der Verkaufsliste stehen.

Gerd Münster (dpa)

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