Ex-Präsident Dieter Schneider rechnet ab

Jetzt spricht der Ex-Präsident des TSV 1860: Im AZ-Interview erklärt er, warum er mit dem Aufsichtsrat und Steiner nicht zusammenarbeiten will. Ein Comeback könnte er sich vorstellen.
| Maximilian Wessing
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Jetzt spricht der Ex-Präsident des TSV 1860: Im AZ-Interview greift er massiv Verwaltungsratschef Otto Steiner und dessen Methoden an. "Posten-Kampf à la Hollywood." Ein Comeback könnte er sich aber dennoch vorstellen.

AZ: Herr Schneider, lange hat man nichts von Ihnen gehört. Haben Sie eine Ruhepause eingelegt?

DIETER SCHNEIDER: Ja, ich war mit meiner Frau zehn Tage auf einer Kreuzfahrt. Das habe ich ihr schon seit langer Zeit versprochen, endlich konnte ich es einlösen. Wir haben uns wunderbar erholt.

Erholt – und nachgedacht? Nach ihrem Rücktritt Anfang März ist es still geworden um Sie.

Ich habe mich ganz bewusst in letzter Zeit im Hintergrund gehalten und wollte die Fans nicht beeinflussen. Jetzt, wo es auf den Gipfel zugeht, sage ich jedoch meine Meinung. Ich habe damals schon gesagt, dass ich nicht noch einmal für das Amt des 1860-Präsidenten zur Verfügung stehen werde, da das Verhältnis mit dem Aufsichtsrat (jetzt: Verwaltungsrat, d. Red.) total zerrüttet war und wir in der Konstellation nichts Vernünftiges mehr auf die Beine stellen könnten. Derselbe Aufsichtsrat ist immer noch im Amt, deshalb gelten meine Worte aus meiner Rückzugserklärung noch immer. Worte und Amt müssen zusammenpassen. Das – so frei bin ich dann – ist bei mir, denke ich, der Fall.

Verwaltungsratschef Otto Steiner sagte zuletzt in einem Interview, dass man Sie nicht aus dem Verein heraus geekelt hätte.

Würde ich mich über die Worte und diesen Mann aufregen, würde ich nur unnötige Energie verschwenden. Viel schlimmer fand ich jedoch, dass Steiner auch sagte, dass ich mich bereits vor der Entscheidung des Aufsichtsrates zu meinem Rücktritt entschlossen habe.


Ist das falsch? Was trifft denn zu?

An diesen Worten ist die aktuelle Misere ja schon gekennzeichnet. Bis in den März hinein, über Wochen, wurde ich vom Aufsichtsrat nicht mehr über die Vorgänge und Entscheidungen informiert. Erst hieß es ja, dass ich einstimmig wieder nominiert werden solle, einige Zeit später war alles anders. Wenn man dann über drei Monate in der Öffentlichkeit die Präsidentenfrage aufkochen lässt, Castings veranstaltet und mich am langen Arm verhungern lässt, kann man definitiv auch durch Nichtstun seine Meinung kundtun.


Ist Dieter Schneider als Funktionär bei 1860 also Geschichte?

Ich bin keiner, der den Verein im Stich lässt – aber nicht in dieser Konstellation. Es geht nun darum, wie die Situation nach der Mitgliederversammlung ist. Wenn meine Mithilfe dann gefragt ist und man den Eindruck hat, dass ich weiterhelfen könnte, will ich meine Entscheidung überdenken. Das würde jeder Löwen-Fan tun, und das bin ich. Wenn meine Tatkraft gefordert ist, stünde ich bereit.


Also hoffen Sie auf einen Rücktritt oder sogar eine Absetzung des Verwaltungsrates? Der Fan-Dachverband ARGE teilte bereits mit, dass man Sie bedingungslos unterstützen würde.

Die Unterstützung der ARGE habe ich natürlich mitbekommen, ich habe auch schon mit ihnen gesprochen und ihnen meinen Standpunkt mitgeteilt. Aber noch ist es viel zu viel ein Posten-Kampf à la Hollywood.


Für Steiner könnte der 20. Juli, der Tag der Mitgliederversammlung, dann also zu einem Scheideweg werden.


Dieser Termin ist auch sehr unglücklich. An dem Wochenende haben die Löwen ihr erstes Auswärtsspiel und die hartgesottenen Fans stellt man vor die Entscheidung: Zum Spiel fahren oder zur Versammlung gehen? Ich will nicht unterstellen, dass man den Kreis der Fans bewusst klein halten möchte. Aber ich sehe keinen wirklichen Grund dagegen, die Versammlung eine Woche früher abzuhalten, wenn die Löwen noch nicht in die Saison gestartet sind.


Es soll jetzt zwei Präsidentschaftskandidaten geben...


Die Frist, einen Präsidenten von den Mitgliedern vorschlagen zu lassen, war mit nur ein paar Tagen ganz eng bemessen, nun hat man bis zur Mitgliederversammlung auf einmal genügend Zeit. Nun müssen wir die Meinungsbildung abwarten, dafür gibt es ja die Basisdemokratie.

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