Ex-Löwen-Coach Glöckner schwärmt von Volland: "Mit das Beste in der Liga"

AZ: Herr Glöckner, wenn Sie die Namen der Traditionsvereine TSV 1860 und Waldhof Mannheim hören, die am Samstag aufeinandertreffen (14 Uhr) – bei welchem Verein ploppen da die schöneren Erinnerungen auf?
PATRICK GLÖCKNER: Mir sind beide Vereine und die Fans natürlich in guter Erinnerung geblieben und es ist schön, dass ich beiden Vereinen etwas Positives hinterlassen konnte. Bei Sechzig haben wir 2025 den Klassenerhalt geschafft. In Mannheim haben wir die Mannschaft sukzessive nach vorne in die Spitzengruppe geführt. Ich bin sehr gespannt auf das Duell – und rechne Sechzig zuhause im Grünwalder Stadion in einem umkämpften Duell gute Chancen aus, als Sieger vom Platz zu gehen. Aber: Möge der Bessere gewinnen!
Den Waldhof haben Sie im Sommer 2020 übernommen und den Verein in der Dritten Liga auf die Ränge acht und vier geführt.
Das waren zwei tolle Jahre, ich habe dort im Sportlichen Bereich mit Jochen Kientz und Tim Schork einiges aufgebaut, sowohl im sportlichen Bereich als auch infrastrukturell. Wir haben drei Mal den Landespokal gewonnen, wir haben mit Eintracht Frankfurt einen Bundesligisten bei uns zuhause aus dem DFB-Pokal geschmissen (2:0, d. Red.). In der zweiten Saison haben wir lange um den Aufstieg mitgespielt, obwohl wir das zu Saisonbeginn gar nicht so auf dem Zettel hatten und in der Budget-Tabelle nur Zwölfter waren. Wir haben trotzdem einen guten Offensivfußball geprägt. Ich gehe dort immer noch gerne ins Stadion.
1860 war unter Glöckner neun Spiele in Serie ohne Niederlage
Und wie sieht der Blick in den Rückspiegel bei 1860 aus, wo Sie im Januar 2025 übernommen haben?
Da ist es auch nicht so, dass ich mich unwohl fühle – im Gegenteil: Ich habe vor der Winterpause beim Heimspiel gegen Energie Cottbus vorbeigeschaut, das die Löwen mit 3:0 gewonnen haben. Ich war drüben in der Stehhalle. Es war schön, dort von den Fans freundlich begrüßt worden zu sein. Auch da habe ich nur positive Vibes: Nachdem ich Anfang 2025 gekommen bin, haben wir Sechzig schnell wieder flott bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell geht: Wenn Sie sich erinnern, hatten wir damals eine starke Serie von nur einer Niederlage in neun Spielen. Da wurde damals eine Statistik herausgekramt, in der wir die beste Serie im deutschen Profifußball über diesen Zeitraum hatten. Das hat mich sehr für alle Löwen gefreut, denn wir alle waren so stolz auf das Team und auf das, was wir zusammen geleistet haben. Das werde ich niemals vergessen.

Bei Sechzig hat sich nach dem erfolgreichen Abstiegskampf durch die Verpflichtung von Kevin Volland und Co. eine enorme Aufstiegseuphorie entwickelt, die Sie durch eine bärenstarke Vorbereitung und einen gelungenen Saisonauftakt 2025/26 mit drei Siegen und zwei Unentschieden weiter transportiert haben – wieso mussten Sie dennoch schon am 8. Spieltag gehen?
Man hat in der Vorbereitung und in den ersten Saisonspielen gesehen, dass es funktionieren kann und dass die Mannschaft Ergebnisse geholt hat. Man hat aber auch gesehen, das es Zeit in der Entwicklung braucht, denn die Mannschaft wurde mit fünfzehn Spielern neu zusammengestellt. Höhen und Tiefen sind da, wie man es ja jetzt auch sieht, ganz normal. Zu meiner Freistellung möchte ich mich aber nicht äußern.
Glöckner über 1860: "Am Ende zählt das große Ziel 2. Liga"
Sie haben vor zwei Wochen bei "Magentasport" im Rahmen der Drittliga-Konferenz ihr öffentliches "Comeback" gegeben. Womit haben Sie sich zuvor beschäftigt, wann sehen wir Sie wieder als Cheftrainer – welche Posten könnten Sie sich vorstellen und worum werden Sie einen Bogen machen?
Ich bereite mich auf die verschiedensten Optionen vor, schaue mir viele Fußballspiele an, tausche mich mit erfahrenen Trainern aus, habe mich in neue Analysetools eingearbeitet und verschiedenste Seminare und Fortbildungen besucht. Ich sauge jetzt vieles auf, weil wenn Du im Job bist, hast Du nur sehr, sehr wenig Zeit hast um Deinen Horizont gezielt zu erweitern. Denn die Arbeit als Cheftrainer ist maximal fordernd und intensiv. Ich kann mir vieles vorstellen, solange ich ein gutes Gefühl dabei habe - das kann im Inland oder Ausland sein und gilt erst einmal ligaunabhängig. Klar kenne ich mich Extremsituationen und Traditionsvereinen aus und kann mit dem Druck unter dem Kessel gut umgehen, aber ich bin für vieles offen, solange die Vision stimmt.
Was sagen Sie bei 1860 zum weiteren Saisonverlauf unter Ihrem Nachfolger Markus Kauczinski?
Ich komme gut mit ihm klar und gönne ihm, dass er erfolgreich ist. Wichtig sind dabei die Ergebnisse, unabhängig der Art und Weise des Spiels. Am Ende zählt das große Ziel 2. Liga.
"Habe Sechzig, seine Fans und die Stadt ebenfalls lieben gelernt"
Kevin Volland hat vor einigen Monaten mal davon gesprochen, dass die Fallhöhe bei 1860 enorm sei. Was sagen Sie zu seiner Entwicklung?
Kevin hat sich wie zu erwarten in der Liga zurechtgefunden, sehr gesteigert und die nötige Spielpraxis und Power tun ihm sichtlich gut. Er hatte zuvor ja länger nicht gespielt und musste die Dritte Liga auch erst einmal adaptieren. Er hat sich voll mit dem Verein und der Liga identifiziert. Man sieht, dass er inzwischen der entscheidende Faktor geworden ist, sein linker Fuß und seine Pässe, das ist mit das Beste in der Liga. Und in der Kabine ist er ein bodenständiger, disziplinierter, einfach überragender Typ: Da kann sich jeder andere Spieler eine Scheibe abschneiden. Und er wird noch von Spiel zu Spiel besser.
Die Sechzger träumen ja intensiv vom Aufstieg, obwohl der Rückstand auf Rang drei fünf Punkte beträgt. Wie hoch schätzen Sie die Chancen der Sechzger ein – und wie schaut’s mit Mannheim aus?
Wenn ich ehrlich bin, favorisiere ich den VfL Osnabrück, dazu Hansa Rostock, RW Essen und den SC Verl, weil ich glaube, dass sich diese Vereine über die Saison am besten gefunden haben und somit am besten eingespielt sind. In der Crunch Time brauchst du einen guten, breiten Kader und klare gefestigte Strukturen. Osnabrück ist für mich das Paradebeispiel, wie man den Aufstieg angeht: Die sind nach dem Abstieg ruhig geblieben, haben keine großen Reden geschwungen, sondern kluge Transfers getätigt und nach und nach Ergebnisse geliefert. Die Löwen haben aber definitiv Außenseiter-Chancen und können noch ein Wörtchen mitreden, wenn es gut läuft. Bei Mannheim muss man realistisch sein: Da ist der Abstand wohl zu groß. Aber ein Hintertürchen lasse ich gerne offen – und würde es beiden Vereinen gönnen! Wir sind uns ja alle einig, dass beide Vereine in die Zweite Liga gehören. Ich würde es richtig abfeiern, wenn wenigstens einem Verein der Aufstieg gelingen würde. Ich habe Sechzig, seine Fans und die Stadt ebenfalls lieben gelernt.