Kommentar

Es ist nicht das Geld: Warum Olympia für Sechzig jetzt alles besser macht

München ist deutsche Olympia-Bewerberstadt. Das verändert die politische Debatte in der Stadt bei vielen Themen mit einem Schlag. AZ-Lokalchef Felix Müller erklärt am Beispiel Grünwalder Stadion, wie die Karten jetzt neu gemischt werden. Und wie die Löwen nun unmittelbar profitieren können.
von  Felix Müller
Sieht so ein olympisches Stadion in München aus? Eher nicht. Aber heute die Westkurve des Grünwalder Stadions.
Sieht so ein olympisches Stadion in München aus? Eher nicht. Aber heute die Westkurve des Grünwalder Stadions. © IMAGO/Sven Simon

Die Debatte in München hat der Jubel-Samstag von Baden-Baden weniger wegen der kurzfristigen Aussicht auf das große Geld aus Berlin verändert - auch wenn das noch sehr wichtig werden könnte. Sondern, weil sich viele Fragen mit einem Schlag ganz neu sortieren. Beispiel Grünwalder Stadion: Bisher drohte die Stadt den Löwen mal implizit, mal explizit damit, falls sie sich nicht klar bekennen würden, würde man die Spielstätte halt nur als einfaches Amateurstadion erhalten.

Grünwalder-Zukunft: Seit Baden-Baden hat sich der Plan B der Stadt erledigt

Nun sind die Karten ganz neu gemischt, ein Hinmodern als bessere Bezirkssportanlage ist keine Option mehr, eine Stadtrats-Mehrheit gegen eine ernsthafte Modernisierung plötzlich ausgeschlossen.

Es gibt nun nicht mehr einen undankbaren Viertligisten, der vermeintlich zu viel Steuergeld will, wie Stadträte hinter vorgehaltener Hand gerne motzten. Sondern eine Münchner Traditionsmarke 1860, die verspricht, einen olympischen Ort länger zu nutzen - und anbietet, zu dessen Modernisierung einen erheblichen Beitrag beizusteuern. Gewissermaßen also: nicht Steuergeld zu verbraten, sondern zu sparen. Das Projekt lässt sich der Öffentlichkeit mit einem Schlag politisch ganz anders verkaufen.

Löwen-Präsident Gernot Mang und das Grünwalder Stadion.
Löwen-Präsident Gernot Mang und das Grünwalder Stadion. © Fotomontage: IMAGO/Sven Simon

Die Verhandlungslage der Sechzger hat sich damit, sollten sie sich nicht ganz blöd anstellen, erheblich verbessert. Ähnliches gilt natürlich auch an anderen Stellen der Stadt, etwa an der Regattaanlage, wo die Ruderer schon lange darauf drängen, dass die Stadt die Zukunft der denkmalgeschützten Anlage sichert.

Krause braucht jetzt die Partner aus dem Münchner Sport für seine Erzählung

Das Grünwalder, die Regattaanlage, das Dantestadion – plötzlich keine Randthemen im Rathaus mehr. Sondern Teil von Dominik Krauses größtem Zukunftsprojekt. Bei dem geht es nicht „nur“ darum, Olympia zu organisieren. Sondern, Stichwort nachhaltige Spiele, auch um die Frage, wie sich die Investitionen in die Sportstätten über Olympia hinaus rentieren können. Dafür wird Krause Partner in der Stadt brauchen. Das gilt ganz besonders beim TSV 1860. Es gilt aber auch bis in den Breitensport hinein für alle, die erklären können und sollen, wie und warum sie eines Tages das olympische Erbe brauchen werden.

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