"Es ist kein Geheimnis": Was 1860-Torschütze Danhof über den Kader-Knall denkt

1860-Türöffner Danhof "fühlt mit" den sechs abwandernden Löwen nach dem 3:2 gegen Ulm. Boss Paula gesteht nun doch finanzielle Zwänge.
von  Matthias Eicher
Tim Danhof trifft sehenswert bei Freistoß gegen Ulm.
Tim Danhof trifft sehenswert bei Freistoß gegen Ulm. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Heike Feiner

Der TSV zwischen Trauer und Tagesordnung: Coach Markus Kauczinski hatte überraschenderweise gleich drei der sechs Löwen in Sechzigs Startelf aufgeboten, deren ausbleibende Vertragsverlängerungen von den Kollegen bedauert wurde. Fußball gespielt wurde trotzdem auf Giesings Höhen – wie so oft zunächst uninspiriert bis unterirdisch, bevor sich die Hausherren doch noch als Sargnagel für Gegner SSV Ulm 1846 erwiesen.

"Es ist kein Geheimnis, dass ich mit den Spielern, die gehen, sehr gut befreundet bin und ich glaube, jeder andere in der Mannschaft auch. Dementsprechend fühlt man da mit", sagte ein emotionaler Tim Danhof, als Traumtorschütze des TSV 1860 durch seinen direkt verwandelten Freistoß zum 1:0 (74.) der Auslöser einer wilden Schlussphase, nach dem 3:2-Heimsieg gegen die nun kaum mehr vor dem Fall in die Viertklassigkeit zu bewahrenden Gäste aus Ulm.

"Wir wollen das vernünftig zu Ende bringen"

Vizekapitän Thore Jacobsen, Verteidiger Raphael Schifferl und Maximilian Wolfram, die neben Kapitän Jesper Verlaat, Morris Schröter und David Philipp künftig nicht mehr den Löwen auf der Brust tragen werden, konnten sich dabei von einem anfangs schwachen 1860-Kollektiv weder positiv noch negativ abheben.

Kauczinski über seine Aufstellung: "Es hat jeder noch was zu erreichen – für die Mannschaft, für sich selber, für die Fans." Einmal mehr betonte der 56-Jährige: "Wir wollen das vernünftig zu Ende bringen."

Danhof nach AZ-Infos vor Vertragsverlängerung

"Was sollen wir als Spieler sagen? Es ist das Geschäft und letztendlich sind wir nicht die Entscheider", ergänzte Danhof, der nach AZ-Infos im Gegensatz zu den ausgemusterten Spezln gute Chancen auf eine Vertragsverlängerung hat. Der 28-Jährige auf Nachfrage dazu: "Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass wir uns in München wohlfühlen, der Rest wird sich zeigen."

Wo Danhof seine Gefühlslage durchklingen ließ, sprach Torhüter und Matchwinner Thomas Dähne, der 1860 mit zahlreichen Paraden im Spiel gehalten hatte, eher eine gebrieft-zurechtgelegte Antwort aus: "Es ist in dem Geschäft normal, dass jedes Jahr Verträge auslaufen. Das ist genauso wie bei jedem anderen Unternehmen." Auf der "persönlichen Ebene" sei es "natürlich schade."

Tim Danhof jubelt über sein Tor zum 1:0.
Tim Danhof jubelt über sein Tor zum 1:0. © sampics

Paula: Auch finanzielle Gründe spielten eine Rolle

1860-Boss Manfred Paula, der die teils umstritten und per Video kommunizierten Entscheidungen gemeinsam mit Cheftrainer Markus Kauczinski getroffen hat, rechtfertigte sich bei Magentasport: "Grundsätzlich ist es so, dass Personalentscheidungen im Fußball immer kontrovers diskutiert werden – die einen finden es gut, die anderen nicht. Das ist so." Zudem gestand Paula im Gegensatz zu seiner ursprünglichen Botschaft, dass nun doch auch finanzielle Gründe eine Rolle spielen würden.

Von den Beteiligten äußerte sich niemand am Spielfeldrand, doch der Österreicher Schifferl wird von der "Kronen Zeitung" zitiert. "Der Klub will sich jetzt verändern", so Schifferl, der "froh" sei, "dass ich diese Wucht erleben durfte" und für die Zukunft "für alles offen" sei.

Was Sechzigs anfängliche traurige Vorstellung und den Übergang zum gewohnten Geschehen angeht, passen zwei, drei verpasste Großchancen von Top-Torjäger Sigurd Haugen und sein nächster Streich bestens in dieses Bild: Zuerst hat der Norweger jämmerlich vergeben, doch schließlich zeigte er mit seinem 15. Saisontor, einem Alleingang mit wuchtigem Abschluss ins Kreuzeck, sein wahres Können.

Bleibt zu hoffen, dass 1860 für 2026/27 möglichst viele dieser Gesichter findet.

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