Erwartungsdämpfer nach 1860-Sieg: "Die Regionalliga wird verdammt schwierig"

Fans und Mannschaft bildeten ein klatschendes und johlendes Jubelensemble, als der Dreier am Grabfeld eingesackt war. Doch Trainer Alper Kayabunar, der hatte sofort eine eindringliche Botschaft für den TSV 1860, denn trotz des zweiten Auswärtserfolges waren die Nerven beim 3:2-Zittersieg gehörig strapaziert worden. "Wir müssen das Spiel einfach killen", habe er im Kreis nach Abpfiff gesagt, berichtete der Coach später.
Aber es gehört wohl zum Lern- und Entwicklungsprozess der neuen Löwen, dass dieser Killerinstinkt, diese Eiseskälte, wenn es darum geht, einem Gegner wie dem TSV Aubstadt jeden Funken Hoffnung zu rauben, erst entstehen, erst wachsen muss. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, die Fans müssen uns schon noch Geduld geben", betonte daher auch Kapitän Dennis Dressel. Bis zu echter Dominanz ist es also noch ein ganzes Stück des Weges.
Kayabunar nach zweitem Sieg in Serie erleichtert: "Tut richtig gut"
Dabei war der Ausflug nach Unterfranken zunächst planmäßig gelaufen. Emre Erdogan (23.) und Fabio Wagner (45.) sorgten für ein 2:0 – und als Franz Helmer (78.) Aubstadt nach dem Wechsel heranbrachte, hatte Joker-Entdeckung Arian Calderon (83.) rasch die Antwort zum 3:1 parat. Die Aufregung und Unruhe nach Marco Nickels 2:3 (89.) war überflüssig.
Kayabunar ließ aber auch Milde walten. "Es wird nicht viele Mannschaften geben, die hier dreifach punkten", urteilte der Coach, weil Aubstadt bisher ohne Niederlage war. Er setzte mit Blick auf das 3:0 in Memmingen am Freitag zuvor hinzu: "Auswärts nochmal dreimal zu punkten nach dem Memmingen-Sieg, tut richtig gut."

"Bonusspiel" Kiel wartet auf den TSV 1860
So mag zwar manches knarzen und ruckeln, aber die eingeschlagene Richtung stimmt. Nach vier Spielen haben die Giesinger acht Zähler gesammelt und Anschluss an die Tabellenspitze um den FV Illertissen (zehn). Von einem Durchmarsch, findet Dressel, sollte man ohnehin nicht ausgehen. "Die Regionalliga wird verdammt schwierig, die Mannschaft ist neu zusammengestellt. Es braucht einfach Zeit, die fünf, sechs Wochen, die man normalerweise in der Vorbereitung hat", sagte er.
"Jeder Sieg, jeder Dreier tut uns gut, jede Spielminute bringt uns weiter und gibt uns auch Kraft für Samstag", ergänzte Verteidiger Julian Bell. Denn am Samstag (18 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker) stehen die Sechzger vor ihrem vorläufigen Highlight, dem DFB-Pokalduell mit Zweitligist Holstein Kiel. "Wir werden alles reinwerfen", kündigte Bell vor dem ersten nationalen Cupauftritt der Löwen seit 2022 an. Von einem "Bonusspiel" sprach Dressel, "wir können da nur gewinnen."
"Wir müssen cleverer werden" mahnt Kapitän Dressel
Im Ligaalltag kann Sechzig nicht nur gewinnen, da sind sie die Gejagten, denen jeder ein Stöckchen zwischen die Beine werfen möchte. Siehe Aubstadt, die bei zweimaligem Zwei-Tore-Defizit nicht aufsteckten. Ballverluste und fehlende Abgeklärtheit begünstigten dies. "Wir müssen cleverer werden, dann wird uns das im Laufe der Saison nicht mehr passieren", merkte Dressel an, während Bell nach dem dritten Ligaspiel mit zwei Gegentoren weitere Schwachstellen klar benannte: "Kommunikation, Abläufe, das sind Schwerpunkte, an denen wir arbeiten müssen."
So lange kommt es für Dressel "auf die Ergebnisse an." Dann werden Fans und Mannschaft noch häufiger klatschend und johlend gemeinsam jubeln.