Dressel statt Niederlechner: Wahl zum 1860-Kapitän nur auf den ersten Blick überraschend
Am 26. Juli hatte sich Alper Kayabunar so gut wie festgelegt. "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch", sagte der neue Cheftrainer des TSV 1860 auf die Frage, ob Florian Niederlechner, dem an diesem Tag beim 5:0-Erstrundensieg im Toto-Pokal bei Kreisklassist SV Eintracht Berglern der historisch erste Treffer der neuen 1860-Spielbetriebsgesellschaft gelungen war, Kapitän werde, behielt sich aber ein Hintertürchen offen: "Aber es ist noch nicht entschieden."
Am 27. Juli, also nur einen Tag später, holten die Blauen einen verlorenen Sohn zurück, der die Pläne durcheinanderwirbelte – und neuer Sechzger-Spielführer wurde. Beim Regionalliga-Auftakt am vergangenen Samstag bei Schweinfurt 05 (2:2) war es schließlich nicht Oldie Niederlechner, der 1860 auf den Rasen führen durfte, sondern Rückkehrer Dennis Dressel.
1860-Trainer Kayabunar: "Dennis ist dieser Aufgabe würdig"
"Wir haben uns im Trainerteam dazu entschieden, dass Dennis dieser Aufgabe würdig ist", erklärte TSV-Trainer Kayabunar auf AZ-Nachfrage über diesen Schachzug: "Er hat eine lange Geschichte hier im Verein. Ich denke und hoffe auch, dass er lange hierbleiben wird. Dementsprechend haben wir uns für Dennis entschieden." Dennis Dressel, plötzlich Alpha-Löwe.
Und wie war das für den Mann, der Sechzig 2026/27 mit seiner neuen, blauen Spielführerbinde, die er sich am Freitagabend in einem Video in den sozialen Medien öffentlichkeitswirksam umgeschnallt hatte, auf den Rasen führen wird? "Der Trainer hat es mir mitgeteilt, ich glaube, es wurde der Mannschaftsrat bestimmt. Es ist immer eine große Ehre, für so einen Verein Kapitän zu sein."
In seiner ersten Sechzger-Woche sei nach der Rückkehr mit "drei, vier Trainings" und "dem ersten Spiel nach zwei, drei Monaten" zwar "alles sehr schnell" gegangen, aber Dressel sei zuvor "lange genug im Verein" gewesen.
Dressel statt Niederlechner – eigentlich gar nicht so überraschend
Auf den ersten Blick gleicht Dressels Ernennung anstelle von Niederlechner einer Überraschung, beim genaueren Hinsehen allerdings nicht. Der 27-Jährige war vor seinem Karriereweg in die große Fußballwelt hinaus zu Hansa Rostock, dem Grazer AK und dem SSV Ulm satte 15 Jahre lang ein Löwe und wie zuletzt in Ulm schon in der 1860-Jugend Kapitän. An Führungsqualitäten mangelt es daher schon einmal nicht.
Der gebürtige Dachauer verspürt zudem nicht nur wegen seiner Herkunft eine enorme Verbundenheit. Dressel: "Der Verein ist wie Heimat für mich. Ich kenne die Abläufe, die Fans und die ganze Umgebung."

Die Rückkehr des flexiblen Abwehr- und Mittelfeldspielers war nach AZ-Informationen bereits zu Drittligazeiten vor einigen Wochen beschlossene Sache. Es ehrt Dressel, trotz des einen oder anderen Angebots auch nach dem Absturz des TSV den Weg in die Heimat gefunden zu haben. "Das war ein Grund, warum ich wieder hierhergekommen bin", so Dressel auf AZ-Nachfrage über Sechzigs Wiedergeburt: "Dieser Neustart ist etwas ganz Besonderes. Wir können hier etwas Historisches schaffen."
Niederlechner: Der neue Vize-Kapitän dürfte weniger spielen als Dressel
Was die weitere Hierarchiebildung angeht, geht Torjäger Niederlechner nicht leer aus, er ist neuer Vizekapitän. Dass der 35-Jährige zu Sechzigs Anführern zählt, ist unbestritten. Seine ungewisse Prognose an Einsätzen aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und sein Charakterkopf (legendär: sein Ausraster im Fernsehen mit den Worten "scheiß Videobeweis!" im Trikot von Hertha BSC) könnten Kayabunar im Vergleich zu Dressel, der auf der Sechs möglichst jede Minute spielen soll und im Vergleich als Musterprofi daherkommt, zum Umdenken bewogen haben.
Den Mannschaftsrat vervollständigen Torhüter-Oldie Vitus Eicher (35), Abwehrspieler Felix Weber (31), Aufstiegskapitän der Spielzeit 2017/18, sowie mit Lasse Faßmann (20) auch ein Junglöwe stellvertretend für die freche Youngster-Fraktion im Kader. Eicher – Weber, Faßmann – Dressel – Niederlechner: Diese starke Achse sollen auch Spielmacher Tunay Deniz (32), der in dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigt, sowie Premieren-Torschütze Michael Eberwein (30) erweitern.
Ob Dressel und Co. eine erfolgreiche Hierarchie bilden?

