"Differenzen? Die habe ich mit meiner Frau auch"

Im AZ-Interview spricht 1860-Sportdirektor Gerhard Poschner über das Verhältnis zu Trainer Ricardo Moniz, den schwachen Saisonstart und erklärt, was sich ändern muss. "Ein sehr fragiles Konstrukt."
| Marc Merten / Onlineredaktion
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Sportidrektor Gerhard Poschner (re.) und Löwen-Coach Ricardo Moniz.
imago Sportidrektor Gerhard Poschner (re.) und Löwen-Coach Ricardo Moniz.

AZ: Herr Poschner, wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Trainer Ricardo Moniz beschreiben?
GERHARD POSCHNER: Das Verhältnis ist intakt. Natürlich gibt es Dinge, mit denen wir aktuell nicht zufrieden sein können. Deshalb haben wir uns in dieser Woche ausgetauscht mit dem Ziel, dass wir wieder auf die richtige Bahn gelangen.

Es heißt, es hätte Differenzen hinsichtlich der fußballerischen Ausrichtung gegeben.
Das habe ich nie gesagt. Und selbst wenn es Differenzen geben würde, würde ich das intern besprechen. Aber Differenzen gehören zum Leben dazu. Die habe ich selbst mit meiner Frau ab und zu (lacht). Das muss aber nichts Negatives sein. Was zählt, ist das Ergebnis.

Sie wurden mit den Worten zitiert: "Jeder muss sich hinterfragen, ob alles der Sache dient." Was haben Sie damit gemeint?
Ich bin der Meinung, dass sich jeder hinterfragen muss. Und nein, es geht nicht um Personen, sondern nur um die Sache.

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Welche Qualitäten des Trainers hat sie im Sommer überzeugt, ihn nach München zu holen?
Die Qualitäten, die er hier jeden Tag für jeden sichtbar vorlebt. Ich habe selten einen Trainer gesehen, der mit mehr Engagement am Werk ist. Als Verein kannst du dir nur wünschen, dass jemand mit solcher Leidenschaft und positiv verrückt auf eine Mannschaft einwirkt. Er kann fantastisch individuell mit den Spielern arbeiten. Genau so einen Typ wollten wir, weil wir mit vielen jungen Spielern arbeiten wollen. Da brauchst du einen solchen Trainer.

Und wie soll dieser Fußball aussehen?
Attraktiv, organisiert, offensiv.

Warum klappt das bislang nicht?
Wir haben einen Umbruch hinter uns. Wir haben eine neue Mannschaft, zehn Spieler sind gekommen, zehn gegangen. Wir haben einen neuen Trainer. Wäre das erste Spiel in Kaiserslautern anders ausgegangen, würden wir heute wohl über ganz andere Dinge sprechen. Stattdessen gab es sofort eine Dynamik in die falsche Richtung. Dann hatten wir gegen Leipzig einen ganz, ganz schlechten Tag. Und schon stehst du nach zwei Spieltagen mit null Punkten da. Da ist in einer Woche ziemlich viel gebröckelt. Ich will nicht sagen "zusammengebrochen". Und wenn dann das Team neu ist, der Trainer neu ist, fehlt die Basis. Da fällt es schwer zu sagen: Okay, wir haben jetzt einen richtig vor den Latz gekriegt, aber wir stehen trotzdem da wie eine Eins. Das ist ein noch sehr fragiles Konstrukt, das erst wachsen muss.

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Was muss sich ändern, damit Sechzig die Kurve kriegt?
Uns hat bislang die Stabilität gefehlt, vor allem defensiv. Wir haben uns zwar selbst viele Chancen herausgespielt, aber egal gegen welchen Gegner zu viele Möglichkeiten zugelassen. Das ist der erste Hebel, an dem wir ansetzen müssen, um eine gewisse Sicherheit in unser Spiel zu bekommen.

Zwei Vereine, die auch nicht gut gestartet sind – Aue und St. Pauli – haben sich für einen Trainerwechsel entschieden. Warum war das bislang keine Option für Sie?
Weil wir keine Entscheidungen allein aufgrund von Ergebnissen treffen wollen. Es hat sich in den letzten Tagen immer angehört, als ob es auf des Messers Schneide gestanden hätte. Das war nicht so. Wir haben auch nicht mit anderen Trainern verhandelt. Wir haben die Situation analysiert. Und so lange wir überzeugt sind, dass sich das wieder ins Positive wenden kann, gibt es keinen Grund, kurzfristig eine solche Entscheidung zu treffen.

Heißt das, dass Moniz unabhängig vom Ausgang des Spiels gegen St. Pauli Trainer bleiben wird?
Wir spielen in der Zweiten Bundesliga. Da spielen die Ergebnisse natürlich trotzdem immer eine Rolle. Aber entscheidend ist, zu sehen, wie wir uns entwickeln. Gehen wir in die Richtung, in die wir wollen, oder haben wir diesen Weg komplett verlassen? Und gibt es noch einen Weg dahin zurück? Solange wir der Meinung sind, dass die Sichtweisen – bei allen Differenzen – grundsätzlich passen, ist es okay. Allerdings sollten wir nicht vergessen: Wir haben noch 30 Spiele vor uns. Eigentlich ist noch nichts Dramatisches passiert.

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