"Dieses Gefühl kannst du nicht beschreiben": Fiedlers Bolzplatz-Traum
Lance Fiedler hatte, als er noch ein kleiner Junge war, einen großen Traum. Fußballprofi wollte er werden, der junge Bursche. Geträumt, getan – und seinen Löwen im Giesinger Spitzenspiel-Spektakel einen traumhaften Abend beschert.
Sechzigs noch immer junger Linksverteidiger (19) hat den TSV 1860 nicht nur zum umjubelten 4:3-Sieg gegen Buchbach geschossen, sozusagen als Schlussakt des Giesinger Wahnsinns, er lässt die Fan-Herzen auch mit seiner Liebeserklärung an die Löwen und das Grünwalder Stadion höher schlagen.
"Es ist so geil, so ein Tor zu machen"
"Davon träumt jedes Kind hier in München und vielleicht auch woanders in Deutschland", schwärmte ein mit Glücksgefühlen vollgepumpter Sechzger-Matchwinner Fiedler, nachdem er den Buchbachern den finalen Treffer eingeschenkt hatte. "Aber dieses Gefühl kannst du nicht beschreiben. Es ist so geil, so ein Tor zu machen", sagte Fiedler nach seinem Distanzschuss in Minute 96.
Diese ganz konkrete Situation konnte sich der gebürtige Berliner selbstverständlich genauso wenig ausmalen wie sein Doppelpack im Heimspiel am achten Spieltag gegen Schwaben Augsburg (3:0). Ganz grundsätzlich hatte der Außenverteidiger vor einigen Jahren durchaus daran gedacht, dass es mal genau so laufen sollte, wie es nun gelaufen ist.
Auch für Fiedler eine Achterbahnfahrt gegen Buchbach
"So etwas träumt man nicht nur im Bett, solche Szenarien spielt man auf dem Bolzplatz durch", erzählte der Youngster – und fand sich plötzlich in der Realität wieder: Dass es echt passiert, ist einfach unglaublich!" Fiedlers Bolzplatz-Traum.
Dabei begann das Regionalliga-Topspiel des Vierten Sechzig gegen den Zweiten Buchbach ganz und gar nicht so, wie es sich die Giesinger ausgerechnet oder gar erträumt hatten: Schon nach sieben Minuten die kalte Dusche der Buchbacher Führung, nach den beiden Sechzger-Treffern doch glatt wieder zwei Buchbacher Nackenschläge zum 2:3 zur Pause.
"Es waren schon zu viele Gegentore, zu einfache Fehler", analysierte Fiedler, der seine Aktien sowohl am 0:1 als auch am allesentscheidenden 4:3 hatte, auf AZ-Nachfrage: "So eine Achterbahnfahrt gehört ab und zu mal dazu, wir lernen daraus."
Fiedler spricht bei den Gegentoren von einem Kopfproblem
Und wie stellt man sie ab, diese zu einfachen Fehler? "Das ist ein Kopfproblem, aber ich glaube, das kriegen wir hin", zeigte sich Fiedler überzeugt und gab die Richtung vor: "Weiter dran arbeiten und dann sieht es nächste Woche hoffentlich schon wieder besser aus."
Das treffende Fiedler-Fazit, nachdem es doch noch geklappt hat mit dem etwas glücklichen, aber verdienten Heimsieg: "Umso schöner, wenn man so zurückkommt."
Kein Wunder, dass sich die Blauen, vielleicht mit Ausnahme von Cheftrainer Alper Kayabunar, der mit seinem Team nochmal ein paar Wörtchen über die miserabel verteidigten Fernschuss-Gegentreffer sprechen wolle, auf die tollen Comeback-Qualitäten konzentrierten.
Fiedler kann auf der rechten und linken Seite spielen
"Es ist super geil. Wir geben nie auf, wir kämpfen und glauben daran. Letzte Woche, diese Woche, beide Male kämpferisch die Siege geholt und wichtige Punkte", urteilte Fiedler und lobte, dass auch "das Stadion wieder unglaublich dabei gewesen" sei und sich 1860 "dafür belohnt" habe, weil wir bis zum Ende gekämpft haben."
Das Duell hatte auch für Fiedler ungewohnt begonnen, schließlich musste der eigentlich angestammte Linksverteidiger auf der rechten Seite auflaufen: Kayabunar hatte ihn nach der schweren Verletzung des etatmäßigen Rechtsverteidigers Mark Gevorgyan diesmal dorthin beordert und sich auf links für Neuzugang Moritz Seiffert entschieden. Ein Problem für Fiedler? Nein, denn: "Ich fühle mich auf beiden Seiten wohl."
1860 ist jetzt neuer Tabellenzweiter
Selbst Kayabunar ließ sich dann doch noch etwas milder stimmen: "Ich bin da auch nicht heiß auf so ein Spektakel. Aber wenn mir am Ende jemand gesagt hätte, dass wir dann das Spiel gewinnen, dann hätte ich es auch akzeptiert."
Dafür darf sich der TSV-Trainer bei einer leidenschaftlichen Löwen-Mannschaft für eine absolute Willensleistung bedanken – und bei einem jungen Mann, dessen Bolzplatz-Traum es vor langer Zeit gewesen war, den neuen Tabellen-Zweiten Sechzig in letzter Minute zum Sieg zu schießen.
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