„Die Roulade schmeckt nicht“

Löwen-Idol Petar Radenkovic, Mieter einer Arena-Loge, schimpft im Interview übers Catering, den Coach und die Bosse.
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"Es ist alles so schrecklich" - Petar Radenkovic
Stefan Matzke / sampics "Es ist alles so schrecklich" - Petar Radenkovic

Löwen-Idol Petar Radenkovic, Mieter einer Arena-Loge, schimpft im Interview übers Catering, den Coach und die Bosse.

AZ: Herr Radenkovic, Sie besitzen mit einigen Freunden als einziger Löwen-Fan eine Loge für acht Personen in der Allianz Arena: Gefällt’s Ihnen dort eigentlich noch?

PETAR RADENKOVIC: Es macht sich schon lange eine gewisse Lethargie breit. Ich gehe halt noch zu Sechzig raus, weil Sechzig mein Verein ist. Das würde ich auch in der Amateurliga so tun. Aber ich kann ihnen verraten: Voll ist meine Loge schon lange nicht mehr. Das Interesse an 1860 ist relativ gering.

Kommen Sie wenigstens kulinarisch auf Ihre Kosten? Bei 1860 werden ja derzeit die Catering-Zahlungen von jährlich zwei Millionen Euro heftigst diskutiert.

Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt überhaupt nicht. Das Essen ist in unserer Loge nicht besonders gut. Wir kriegen aufgewärmte Speisen. Wenn’s mal Fisch gibt und die Servierglocke abgehoben wird, dann dampft es in unserer Loge wie bei einer Eisenbahn. Der Geschmack ist weg. Auch die Roulade schmeckt nicht. Das ist unter allem Niveau.

2010 läuft Ihr Arena-Mietvertrag aus. Sie haben mit Ihren Freunden 450000 Euro dafür hingelegt. Verlängern Sie?

Das weiß ich noch nicht. Meine Freunde, die alle Bayern-Anhänger sind, und ich müssen uns erst beratschlagen. Mir persönlich ist es mittlerweile egal, ob ich in der Loge bin oder bei meinen Freunden im Business-Bereich. Wir Alt-Löwen haben ja dort einen eigenen Tisch.

Haben Sie von der Arena also auch schon genug?

Nein, das nicht. Aber ich sage Ihnen mal was: Bevor über einen Auszug diskutiert wird, muss der Verein erst mal auf gesunden Beinen stehen. Wenn es technisch und finanziell möglich ist, irgendwann mal wieder an der Grünwalder Straße zu spielen, dann muss man das in Betracht ziehen. Das Problem bei 1860 ist aber nicht das Stadion, sondern ein ganz anderes.

Welches?

Der sportliche Misserfolg. Das ist doch zum Weinen. Bei 1860 wird über alles geredet, nur nicht über das eigentliche Problem. Wir brauchen gute Spieler, einen erfahrenen Trainer. Marco Kurz mag vielleicht ein guter Amateurtrainer sein, aber wo sind die Erfolge? Welche Perspektive hat unser Verein noch?

Präsident Rainer Beeck scheint mit der Situation leben zu können. Er gibt Sportdirektor Stefan Reuter die volle Rückendeckung.

Warum wacht da keiner auf? Man verschweigt seit zwei, drei Jahren die Wahrheit und schiebt die Probleme auf andere Felder ab.

Was stört Sie konkret?

Seit Jahren werden die falschen Leute eingekauft oder es wird mit den falschen verlängert. Talente wie Milchraum, Szukala, Lehmann, Schäfer, Krontiris oder Baier werden billig oder kostenlos abgegeben. Ich habe den Eindruck, dass wir die Talente für andere Vereine produzieren, aber nichts davon haben.

1860 schiebt diese Entwicklung auf das fehlende Geld – und Investoren fehlen...

Wer will bei 1860 investieren, wenn die sportliche Leitung alles kaputt macht? Wer Geld gibt, will eine Garantie haben, dass es in gute Hände kommt. Ich weiß nur: 1860 hat den besten Background aller Zweitligisten. Ist es normal, dass über 50000 Fans am Sonntag in die Arena kommen? Nein! Die Fans sind unser Kapital, man darf es nicht zerstören.

Was würden Sie jetzt tun?

Wenn jetzt nicht bald ein Schnitt gemacht wird, gehen die Lichter aus. Aber ich habe den bösen Verdacht, dass sich bei 1860 nur was ändert, wenn wir absteigen.

Interview: Oliver Griss

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