Die neue Löwen-Crew: Das letzte Gespann

Wie der neue Geschäftsführer Robert Schäfer (34) und der fast ebenso neue Vize-Präsident Dieter Schneider (63) die Löwen am Leben halten wollen. Niemann vermisst schon niemand mehr
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Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider
az Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider

Wie der neue Geschäftsführer Robert Schäfer (34) und der fast ebenso neue Vize-Präsident Dieter Schneider (63) die Löwen am Leben halten wollen. Niemann vermisst schon niemand mehr

MÜNCHEN Den vielleicht wichtigsten Satz sagt der neue Geschäftsführer ganz zu Beginn: „Ich betrachte 1860 München nicht als Unternehmen. Wir sind ein Fußballverein“, sagt Robert Schäfer. Sätze wie „1860 ist eine Firma und sonst nichts“, mit denen sich Stefan Ziffzer einst bei den Fans unbeliebt gemacht hatte, oder „als Kaufmann bin ich nur an die Realität und Fakten gebunden“, über den jüngst Robert Niemann stolperte, wird man von Schäfer also in Zukunft wohl nicht hören.

Doch Schäfers Aufgabe ist die gleiche, die Ziffzer, Niemann und dazwischen noch einige andere Geschäftsführer hatten bei 1860: Der 34-Jährige muss den Klub sanieren und zukunftsfähig machen – und möglichst nicht die Fans verlieren. Und so sitzt Schäfer an diesem Montagvormittag, seinem ersten Tag als Geschäftsführer, im dritten Stock der Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße und sagt das, was Sanierer eben so sagen. Er spricht von notwendiger Kostenreduktion, von Einnahmeerhöhungen, von Spielerverkäufen, die möglichst nicht die Mannschaft schwächen sollen. Sein Tonfall ist anders als der seines Vorgängers Niemann, der sich zwar gerne seiner angeblichen Kommunikationsfähigkeit rühmte, aber oft herablassend klang. Schäfer hat eine gleichzeitig freundliche wie energische Stimme. Man merkt ihm an, dass er es gewohnt ist, Produkte zu verkaufen.

Die letzten fünf Jahre hat Schäfer für den 1860-Vermarkter IMG gearbeitet, zuletzt als Projektleiter. Sein Job war es, das Produkt 1860 Sponsoren und potentiellen Business-Seats-Kunden schmackhaft zu machen. Was bei Sponsoren ziemlich erfolgreich, bei den Business-Seats eher leidlich gelang.

Nun ist Schäfer nach dem überstürzten, aber offenbar von niemanden bei 1860 bedauerten Abgang Niemanns in der Geschäftsstelle ein Stockwerk nach oben gezogen. Seine Aufgabe ist es nun, 1860 zu retten. Nichts weniger als das. Wie das konkret gehen soll, weiß Schäfer wahrscheinlich selbst noch nicht so genau. Aber: „Wichtig ist, dass wir aufhören, auf Hilfe von anderen zu hoffen, sondern endlich versuchen, uns selbst zu helfen“, sagt er.

„Wir schätzen an Schäfer seine Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und fachliche Kompetenz. Und er muss sich nicht wochenlang einarbeiten“, so erklärt Vizepräsident Franz Maget die Wahl des jungen Juristen, der zumindest in Sanierungsfragen noch keine Erfahrung hat. Maget sitzt an diesem Tag rechts von Schäfer, er spricht die einleitenden Worte und richtet Grüße aus von Präsident Rainer Beeck, der beruflich seit Freitag in Dubai weilt.

Links von Schäfer sitzt Dieter Schneider. Der ist seit drei Wochen Schatzmeister bei 1860 und hat laut eigener Aussage zuletzt „16 bis 18 Stunden am Tag auf der Geschäftsstelle“ verbracht. Es gibt nicht wenige im Umfeld von 1860, die im 63-Jährigen den neuen starken Mann bei den Löwen sehen, auf der Terrasse vorm Löwenstüberl wird er manchmal schon als „Herr Präsident“ angeredet. Meist mit dem Zusatz: „Sie machen das schon.“ Zuletzt haben die Leute auf der Terrasse vorm Löwenstüberl Karl-Heinz Wildmoser als „Herr Präsident“ angeredet. Schneider ist 63, ist Selfmade-Millionär und hat in seiner Jugend schon den Brunnenmeier im Grünwalder kicken gesehen. In den letzten Wochen hat er rund 100000 Euro an 1860 überwiesen, um die Insolvenz abzuwenden. Das kommt an bei den Fans.

Präsident werden will er aber nicht. Sagt er. Das Präsidium sei, so wie es ist, perfekt, „wir sind geeint.“ Er sei glücklich mit seinem Amt, er sei ein „Vizewurst“, „Vizehansel“ oder „Vizearbeiter“. „Vize“ scheint eines von Schneiders Lieblingswörtern zu sein. Er strebe nicht nach Macht, sagt er, er wolle nur helfen. Und so hat er Schäfer seine Hilfe angeboten bei der Sanierung. Schäfer hat das gerne angenommen. Und so sind sie zum Gespann geworden. Vielleicht das letzte, das sich bei 1860 versuchen darf.

F. Cataldo

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