Deutschlands Kapitän - zu schwach für die Löwen?

Florian Jungwirth führt die U20 am Samstag ins WM-Halbfinale gegen Brasilien, zum Debüt in Liga zwei hat’s noch nicht gereicht. Coach Lienen: „Vielleicht sollte er eine Klasse tiefer gehen.“
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Steht vor einem Wechsel nach Dresden: Florian Jungwirth.
dpa Steht vor einem Wechsel nach Dresden: Florian Jungwirth.

MÜNCHEN - Florian Jungwirth führt die U20 am Samstag ins WM-Halbfinale gegen Brasilien, zum Debüt in Liga zwei hat’s noch nicht gereicht. Coach Lienen: „Vielleicht sollte er eine Klasse tiefer gehen.“

Am Samstag geht’s bei der U20-WM in Ägypten gegen Brasilien (16.30 Uhr, Eurosport live) schon um den Einzug ins Halbfinale – und ein 20-jähriges Löwen-Talent führt die deutschen Nachwuchsstars gegen die Südamerikaner an: Florian Jungwirth. „Er ist mein verlängerter Arm“, sagt Horst Hrubesch über den Abwehrchef aus Giesing, „Flo macht seine Sache ganz ausgezeichnet.“

Ein Lob, wie er es beim TSV 1860 eher selten erhält. Denn Jungwirth, bereits Kapitän bei den U19-Eurofightern 2008, hat – obwohl schon seit zwei Jahren im Profi-Kader der Löwen geführt – noch immer keinen Zweitliga-Einsatz auf dem Buckel.

Während seine ehemaligen 1860-Kumpels Timo Gebhart (Stuttgart), Lars Bender (Leverkusen) und Sven Bender (Dortmund) nach dem Abschied von der Grünwalder Straße den Sprung in die Bundesliga geschafft haben, scheint Jungwirth bei 1860 zu versauern. Dabei gilt der gebürtige Karlsfelder in der U20-Nationalelf, die das Viertelfinale durch ein 3:2 über Nigeria erreichte, nicht nur Chefcoach Hrubesch als unersetzlich.

1860-Sportdirektor Stevic: "Zweite Liga ist eine ganz andere Hausnummer"

Jungwirth ist nun bereits im zweiten Nachwuchs-Team Deutschlands Kapitän – und offenbar dennoch zu schwach für die zweitklassigen Löwen. „Man kann die U19-EM oder die U20-WM nicht mit der Zweiten Liga vergleichen“, sagt 1860-Sportdirektor Miki Stevic zur AZ, „das sind sicherlich wichtige Wettbewerbe im Jugend-Fußball, aber die Zweite Liga ist eine ganz andere Hausnummer.“

Deswegen hat’s für Jungwirth noch immer nicht zum Profi-Debüt bei 1860 gereicht. Nicht bei Marco Kurz, nicht bei Uwe Wolf – und bislang auch nicht bei Ewald Lienen.

Das könnte sich jedoch schon nach seiner Rückkehr ändern. „Wenn die WM beendet ist“, sagt Stevic, „werden wir uns mit Jungwirth zusammensetzen und überlegen, auf welcher Position wir ihn mal testen könnten. Wir wollen ihm eine Chance geben.“ Lienen überlegt gar Jungwirth umzufunktionieren. „Bislang wird er bei uns als Innenverteidiger geführt“, sagt der Trainer, „aber dazu muss man kopfballstark und schnell sein. Und da ist Jungwirth im Nachteil, seine Schnelligkeit ist leider nur durchschnittlich. Vielleicht ist eine Position im defensiven Mittelfeld für ihn denkbar.“

Wie gut sich der 20-Jährige als Verteidiger in der deutschen U20 macht, davon will sich Stevic selbst ein Bild machen. „Sollten die Deutschen ins Halbfinale einziehen, dann fliege ich nach Ägypten“, sagt er, „aber wir haben sowieso ständig Kontakt. Auch mit den Benders schreib ich SMS, schließlich sind sie ja noch irgendwie halbe Löwen.“

Im Sommer 2010 läuft Jungwirths Vertrag aus, gut möglich aber, dass er im Winter – mangels Perspektive beim TSV 1860 – ausgeliehen wird. Auch ein Wechsel nach Aachen scheiterte im Herbst nach einem Probetraining am Tivoli. „Sein Anspruch ist die Zweite Liga“, sagt Lienen, „aber das ist nicht so einfach. Vielleicht sollte Jungwirth eine Klasse tiefer gehen.“ Oder in die Ferne. „Wir haben Angebote für Flo aus dem Ausland auf dem Tisch“, sagt Stevic zur AZ.

Oliver Griss

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