"Deshalb bitten wir euch um ein klares Zeichen": 1860 bündelt Kräfte gegen Ismaik 

Der TSV 1860 mobilisiert Kräfte, Fans rufen zu Spenden auf – Hasan Ismaik wehrt sich und will nicht aufgeben.
von  Ruben Stark
Der TSV 1860 e.V. um Präsident Mang (l.) setzt alles in Bewegung, um sich von Ismaik zu trennen – ein Wettlauf gegen die Zeit.
Der TSV 1860 e.V. um Präsident Mang (l.) setzt alles in Bewegung, um sich von Ismaik zu trennen – ein Wettlauf gegen die Zeit. © IMAGO/Ulrich Wagner

Der Samstagabend passte in gewisser Weise zu den letzten Tagen beim TSV 1860. Ein großer Name hätte es gerne sein dürfen, ein Pokalgegner, der Fans und Umfeld elektrisiert in Zeiten des Existenzkampfes – es wurde: Holstein Kiel. Ohne den Norddeutschen zu nahe zu treten, eine Wunschpaarung war der tierische Vergleich von Löwen und Störchen sicherlich nicht.

Aber, auch das muss erwähnt werden, wird das K.o.-Spiel (zwischen 21. und 24. August) auch nur annähernd so spannend wie die Relegation einst im Jahr 2015, dann wird es vielleicht keinen Glamour geben, aber doch eine packende Auseinandersetzung.

Paula freut sich auf Pokal-Duell gegen Kiel

1860-Geschäftsführer Manfred Paula erinnerte an die Vergangenheit und verband dies mit einer zuversichtlichen Prognose. "Wir haben schon mal in der Relegation gegen Kiel sehr positive Erfahrungen gemacht", sagte der 61-Jährige, er meinte eben jenes entscheidende Tor von Kai Bülow, das damals den Zweitliga-Verbleib sicherte. "Ich hoffe", setzte Paula hinzu, "dass uns Ähnliches gelingt und wir die zweite Runde erreichen. Wir freuen uns auf eine tolle Kulisse und werden versuchen, ein positives Moment für die neue Saison zu setzen."

Positive Momente sind aktuell schließlich rar an der Grünwalder Straße 114 in Zeiten voller Schreckensmeldungen, Schuldzuweisungen und Ungewissheiten. Investor Hasan Ismaik steht wie so häufig in den letzten 15 Jahren im Mittelpunkt der irren Drehungen und Wendungen. Seine jüngsten Reaktionen lassen nicht erkennen, dass er die Kündigung des Kooperationsvertrages seitens des Stammvereins ohne Weiteres hinnehmen wird.

1860-Fanshop am Flughafen eröffnet

"Wir geben nicht auf. Trotz allem wollen wir TSV 1860 lebendig halten – und den Löwen eine echte Perspektive für morgen geben. Denn die Löwen sind nicht nur in Giesing. Die Löwen sind überall da, wo unsere Farben brennen", schrieb der Jordanier bei "X" in einem Beitrag, der sich mit der Eröffnung eines Sechzig-Fanshops am Flughafen befasst.

Die Merchandising GmbH der Blauen gehört übrigens der HI², einer Firma Ismaiks. Die ersten 120.000 Euro Jahresgewinn gehen stets vollständig Ismaik, erst was darüber hinausgeht, wird zwischen Merchandising GmbH und der Fußball-KGaA gleichermaßen aufgeteilt. Der harte Fan-Kern meidet daher die Fanshop-Produkte.

Ismaik wehrt sich

Wenige Stunden zuvor hatte Ismaik sich dagegen gewehrt, der alleinige Schuldige der neuesten Misere zu sein – womit er gewiss recht hat, denn die Fehler beim e. V. waren in den zurückliegenden ebenfalls zahlreich und schwerwiegend. "Bevor wir jemandem die volle Verantwortung zuschreiben, sollten wir vielleicht zuerst verstehen, wer tatsächlich die Entscheidungsgewalt hatte. Denn Fairness beginnt dort, wo wir zwischen Geld und Entscheidungsmacht unterscheiden", schrieb Ismaik, der so mitteilungsbedürftig ist wie seit Monaten nicht, dazu.

Woran das nichts ändert, ist die Entschlossenheit von Löwen-Präsident Gernot Mang und Mitstreitern, sich ein für alle Mal aus der einst überlebensnotwendigen, aber zugleich verhängnisvollen Liaison zu lösen. Das verdeutlichte die jüngste Stellungnahme des e. V. unter der Überschrift: "Aufruf: Wir sind der Verein". "Wir befinden uns in einem Befreiungskampf von den Lasten der Vergangenheit", heißt es da.

Erste Fanreaktion: Eine Spendenaktion wurde ins Leben gerufen

Und weiter: "Einem Kampf, der nicht auf dem Spielfeld, sondern durch Zusammenhalt, Solidarität und den festen Glauben an unsere gemeinsame Zukunft entschieden wird. Deshalb bitten wir euch um ein klares Zeichen: Zeigt eure Verbundenheit im Alltag. Sprecht über unseren Verein. Tragt unsere Farben mit Stolz. Unterstützt uns auf den Sportplätzen, bei Veranstaltungen und in eurem persönlichen Umfeld."

Dieser Aufruf klingt auch nach einem Hilferuf in der Not. Nach einer fieberhaften Suche nach Unterstützern als Sponsoren, als Mitglieder, als Fürsprecher. Erste Fanreaktion: Eine Spendenaktion wurde ins Leben gerufen. Denn klar ist überdies, dass die Uhr weiter unnachgiebig tickt.

Deniz und Niederlechner wollen bleiben

Für den Neuanfang in der Regionalliga Bayern braucht es neben der rechtlichen Klärung all der aufgeworfenen Streitfragen zwischen den Gesellschaftern schlicht Geld. "Wir als Präsidium versichern euch: Wir unternehmen mit voller Kraft, mit höchster Sorgfalt und mit großem Verantwortungsbewusstsein alle organisatorischen, rechtlichen und formalen Schritte, die notwendig sind, um einen sportlichen Neustart zu ermöglichen", schrieben Mang und Co. noch.

Zu den Taten, die den hehren Worten folgen müssen, wird der Aufbau eines schlagkräftigen Teams gehören. Florian Niederlechner will nach AZ-Infos Teil davon sein, ebenso laut "Bild" Tunay Deniz. Dass Top-Talent Sean Dulic dazugehört, ist genauso unvorstellbar wie bei Torjäger Sigurd Haugen, der sich im Kroatien-Urlaub verlobt hat. Dulic wird laut "db24" unter anderem mit dem FC Augsburg in Verbindung gebracht.

Der Bundesligist hätte den Löwen auch als DFB-Pokal-Gegner zugelost werden können. Stattdessen kehrt der einstige Coach der Bayern-Amateure ins Grünwalder zurück, Tim Walter. "Das ist ein heißes Pflaster", sagte der Kieler Trainer, aber ihm ist ebenso wenig entgangen: "Vor allem die sportliche Situation ist jetzt auch sehr prekär." Wenn es nur das wäre …

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