Derby gegen Ingolstadt – aber für die Löwen-Fans ist die Regionalliga heute wichtiger
Wenn am Samstag ab 14 Uhr der Ball rollt, werden zahlreiche Löwen gebannt die richtungsweisende Partie auf dem Rasen verfolgen – mehrheitlich an den Bildschirmen, denn bekanntlich gibt es am Berg nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen. Dennoch kann diese Partie am Nachmittag des 9. Mai 2026 dafür sorgen, dass der TSV 1860 nicht unversöhnlich aus dieser Saison herausgehen wird.
Mehr als nur ein letztes Heimspiel
Wenn Sie, liebe AZ-Leser, nun glauben, dass wir das letzte Sechzig-Heimspiel dieser Spielzeit gegen den FC Ingolstadt (live bei Magentasport) mit diesen Worten durchaus ein wenig überhöhen, liegen sie grundsätzlich richtig. Eigentlich. Denn wir beziehen uns hierbei nicht auf das Duell der enttäuschten Drittligisten auf dem Giesinger Berg, dem die Fans beider Lager in vereinter Abneigung gerne seinen Derby-Charakter absprechen. "Es gibt Enttäuschte", bestätigte auch Cheftrainer Markus Kauczinski über sein Sechzger-Kollektiv, für das es nur noch um die Goldene Ananas geht und gewährte Einblicke ins Seelenleben der Spieler: "Es gab schon mal bessere Momente in der Kabine."
Was die größere sportliche Bedeutung angeht, dreht sich alles um das zeitgleich stattfindende Regionalliga-Spiel zwischen den Würzburger Kickers und der SpVgg Unterhaching (live im BR) am Würzburger Dallenberg.
Auch eine Ansage des TV-Senders, nicht die Blauen, sondern die Rot-Weißen gegen die Rot-Blauen zu zeigen, denn: Während es im Grünwalder Stadion für die Blauen maximal um eine überschaubare Portion Prestige und einen ordentlichen Abschied vor den eigenen Fans geht, würde ein Sieg der Unterfranken den Löwen das DFB-Pokal-Ticket sichern. Samstag, 14 Uhr, Giesinger Berg und Dallenberg – (k)ein echter Hingucker!
Kauczinski zwischen Fokus und Fernduell
"Natürlich wissen wir das, aber wir haben das nicht in der Hand", sagt Cheftrainer Markus Kauczinski vor dem Duell seiner Sechzger gegen die Schanzer über das vielleicht bedeutsamere Parallel-Spiel eine Etage tiefer: "Deswegen drücke ich auch niemandem die Daumen oder schaue zwischendurch aufs Handy. Wir machen unser Ding – wir wollen gegen Ingolstadt gewinnen und wenn der 23. Mai kommt, wollen das Pokalfinale so oder so gewinnen."
Möglich macht diese kuriose Konstellation die Ausgangslage in der Regionalliga zwei Spieltage vor Schluss: Die zweitplatzierten Kickers und die drittplatzierte SpVgg trennen aktuell lediglich zwei Punkte.
Da Tabellenführer 1. FC Nürnberg II weder aufsteigen noch am DFB-Pokal teilnehmen darf, gehen diese beiden Rechte an den Klub auf dem zweiten Rang über. Ein Sieg der Kickers und sie wären von diesem Platz nicht mehr zu verdrängen.

Rechenspiele um das DFB-Pokal-Ticket
Und weil der zweite bayerische Startplatz im DFB-Pokal an den Sieger des Toto-Pokals geht, in dessen Finale Würzburg am 23. Mai auf den TSV 1860 trifft, ginge dieser automatisch an die Löwen – ganz egal, wer sich letztlich den Cup sichert. So gesehen ist es durchaus denkbar, dass ein nicht unerheblicher Teil des 1860-Anhangs die Augen am Samstag nach Würzburg richtet und den Kickers, bei denen unter anderem die Ex-Löwen Johann Hipper (27), Eroll Zejnullahu (31), Eliot Muteba (22) und Tarsis Bonga (29) spielen, die Daumen drücken.
Was Sechzigs eigenes Personal angeht, müssen Kevin Volland (muskuläre Probleme), Thore Jacobsen (Schlag) und Damjan Dordan (Saison-Aus wegen Sprunggelenksverletzung) passen. Für den Kapitän Jesper Verlaat, der wie sechs andere Löwen um Jacobsen verabschiedet wird, kommen jegliche Gedanken an ein Abschiedsspiel zu früh, so Kauczinski: "Ich gehe nicht davon aus, dass er in dieser Saison noch mal zum Einsatz kommt."
Abschiede unter engen Rahmenbedingungen
Und was ist mit einem würdigen Abschied? "Wir werden leider nur einen begrenzten Platz für die Verabschiedung haben. Sie ist um 13.40 Uhr vorgesehen", sagte Pressesprecher Rainer Kmeth. Kapitän Verlaat soll zu einem späteren Zeitpunkt noch geehrt werden – und zwar in versöhnlicher Absprache mit dem Niederländer selbst.

