Der TSV 1860 und die Nervenprobe

Gegen Rostock sollen die Löwen den Klassenerhalt sichern – mit Philipp Tschauner im Tor. Da ist eine starke Psyche gefragt. Die AZ erklärt, wer überhaupt verlässlich ist.
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Unter Druck: Löwen-Trainer Uwe Wolf
Rauchensteiner/Augenklick Unter Druck: Löwen-Trainer Uwe Wolf

Gegen Rostock sollen die Löwen den Klassenerhalt sichern – mit Philipp Tschauner im Tor. Da ist eine starke Psyche gefragt. Die AZ erklärt, wer überhaupt verlässlich ist.

MIESBACH Positive Nachrichten lieferte 1860 zuletzt ohnehin wenige. Jetzt kommen noch richtig schlechte hinzu.

Torwart Michael Hofmann (36) ist am Donnerstag aus dem Kurz-Trainingslager in Miesbach vorzeitig abgereist und fällt für den Abstiegs-Krimi in der Zweiten Liga gegen Hansa Rostock (Freitag, 18 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) verletzt aus. Hofmann zwickt der Rücken. Selbst intensive Behandlungen beim Münchner Spezialisten Thomas Mendelssohn haben nicht das erwünschte Therapie-Ergebnis gebracht. „Ich kann kein Risiko eingehen“; sagte Trainer Uwe Wolf am Donnerstag, „Philipp Tschauner wird im Tor stehen.“

Sorgen bereitet dem Trainer der erneute Torhüter-Wechsel im Löwen-Kasten allerdings nicht. „Es ist ein gutes Omen“, findet Wolf sogar, „dass Philipp beim 1:0-Hinspiel-Erfolg im Tor gestanden hat.“

Das Duell gegen Rostock gerät für die Löwen zur Nervenprobe. „Jeder Spieler weiß, worum es geht“, sagt Wolf. „Die wollen alle, dass am Freitag um 19.45 Uhr über der Allianz Arena die Sonne scheint. Das sind wir unseren Fans schuldig.“ Und Benny Lauth, der Torjäger, ergänzt: „Wenn wir gewinnen, können wir uns, die Fans und alle Mitarbeiter des Vereins glücklich machen.“

Sollte der TSV 1860, der von den letzten sieben Spielen keines gewonnen hat, erneut verlieren, wird es ungemütlich. Auch für Trainer Uwe Wolf. Nach der letzten Negativserie hat er wohl ohnehin die Chance verspielt, über das Saisonende hinaus Cheftrainer zu bleiben. Als Nachfolge-Kandidat gilt Ewald Lienen (AZ berichtete). Zur AZ sagte Lienen am Donnerstag: „Es sollten alle ein wenig Geduld haben, dann wird man sehen, ob dann was dran ist oder nicht.“ Ein Dementi ist das nicht.

Miki Stevic, der Sportdirektor des TSV 1860, versucht eine Trainer-Diskussion aber einzudämmen. Wichtiger sei jetzt der Klassenerhalt. Stevic’ Appell: „Jetzt sind nervenstarke Spieler gefordert.“ Wem die Nervenprobe gegen Rostock zusetzt und wer stabil ist – die AZ macht den Check:

Philipp Tschauner: Bei seinem letzten Einsatz in Koblenz verloren die Löwen 1:3. Dass ihn Wolf sofort aus dem Tor genommen hat, war nicht gut fürs Selbstvertrauen. Jetzt muss er wieder ran. Anflüge von Nervosität hat er im Training lautstark weggebrüllt.

Torben Hoffmann: Er hat seine Nerven im Griff. Siehe das 1:1 in Oberhausen: Da traf er – obwohl er kurz zuvor im Training Opfer von Marvin Pouries Prügelattacken geworden war. Allerdings: Vor fünf Jahren, als 1860 in der Bundesliga gegen Hertha um den Klassenerhalt kämpfte (1:1) traute er sich nicht, zum Elfmeter anzutreten. Stattdessen schoss der eingewechselte Francis Kioyo – kläglich daneben.

Mate Ghvinianidze: Der Georgier hat lange nicht gespielt. Sein Ehrgeiz wird ein mögliches Nervenflattern kaschieren. Der Nationalspieler verteidigt innen – und Hoffmann links. Antonio Rukavina: Die BVB-Leihgabe wirkt erstaunlich locker in diesen Tagen. Für ihn ist klar: Er fällt weich – selbst wenn der TSV 1860 absteigen sollte. Der Serbe besitzt einen Anschlussvertrag bei Borussia Dortmund. Kein Grund zur Panik also.

Markus Thorandt: Engagiert, schnell – und auch schnell mal anfällig für Missgeschicke. Gegen Rostock braucht er Coolness.

Stefan Aigner: Er ist erst 21 Jahre alt. Aber als Profi hat er im Abstiegskampf schon Erfahrung gesammelt (Burghausen, Bielefeld). Das ist positiv, auch wenn’s noch keinen gestandenen Spieler aus ihm macht. Zuletzt wirkte er fahrig.

Lar s Bender: Seine Zukunft ist gesichert: Er wechselt 2010 zu Bayer Leverkusen, will aber 1860 auf keinen Fall als Absteiger verlassen. Er wirkt nervenstark und belastbar. Gegen Rostock spielt er, obwohl er sich nach einer Sprunggelenksverletzung auch eine Auszeit hätte nehmen können.

Mathieu Beda: Ist der Franzose tatsächlich ein Luftikus? Oft wirkt er seltsam teilnahmslos – als ob ihn das Löwen-Leid nichts anginge. Aber wenigstens lässt sich so einer nicht aus der Ruhe bringen. Das ist Bedas Plus. Deshalb setzt Wolf auf ihn.

Fabian Johnson: Der Unerschütterliche. Auch in der Löwen-Krise bleibt der U21-Nationalspieler selbstsicher und bissig.

Benny Lauth: Er hängt am Klub – und leidet nun mit ihm. Ihn behindert eine Prellung am Sprunggelenk, die verletzte rechte Hand ist noch immer geschient. Befreit aufspielen kann er so kaum.

Manuel Schäffler: Nur drei Tore in 28 Einsätzen schüren Zweifel – und auch Selbstzweifel. Er wirkt hilflos und verkrampft. Nicht nur auf ihn könnte das Rostock-Spiel befreiend wirken.

Oliver Griss

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