Der TSV 1860 und das "Glücksdrama dahoam"!

Mit viel Dusel und Willen dreht der TSV 1860 in einem unglaublichen Spiel die Partie gegen Drittligist Holstein Kiel noch – und schafft den 2:1-Sieg, der den Löwen die Klasse sichert.
| tbc
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München - Nervenkitzel bis zuletzt. In einer in der Schlussviertelstunde dramatischen Partie haben die Löwen noch den Klassenerhalt geschafft. Als das 2:1 gegen Holstein Kiel und damit der Klassenerhalt feststand, öffneten sich bei den Blauen die Schleusen: Freudentränen, wohin man nur sah. Trainer Torsten Fröhling sagte: „Das war ein ganz schlechtes Jahr für uns. Mit dem Klassenerhalt haben wir ein Minimalziel erreicht.“ Siegtorschütze Kai Bülow meinte „Ich kann’s noch gar nicht ganz begreifen“, und Kapitän Christopher Schindler stammelte: „Das ist Fußball!“

Vor der Partie hatte Kiels Trainer Karsten Neitzel noch laut über die Heimfahrt im Mannschaftsbus nachgedacht: Quer durch Deutschland wolle man reisen und dabei die Musik aufdrehen und feiern. Nun, auf den 900 Kilometern bis zum Ostseestrand werden sich die Nordlichter nun eher den Trauermarsch anhören, gefolgt von „Blood, Sweat & Tears“, Betonung auf Tears: Tränen.

Auch Löwen-Coach Fröhling hatte vorab gesprochen: „Die Spieler müssen nun zeigen, dass sie in der 2. Liga bleiben wollen“, hatte er gefordert. Löwen-Legende Werner Lorant sprach im blauen T-Shirt fast flehend in die Fernsehkamera: „Ich gehe davon aus, dass wir gewinnen – das hoffe ich auch.“

Ein bisschen schimpfte er dann doch noch: „Schuld haben alle, die bei Sechzig im Sport was zu sagen haben“, und auch am Investor, der per offenem Brief „die Geburtsstunde einer Mannschaft“ gefordert hatte, ließ Lorant kein gutes Haar: „Das hätte viel früher kommen müssen!“

57.000 Feiergäste beim Wunder von Fröttmaning

Selbst FC-Bayern-Ikone Mehmet Scholl bekannte sich zu den Blauen: „Auch wenn das viele Bayern-Fans nicht hören wollen: Ich fände es schade, wenn Sechzig absteigt. Ich habe ja noch die tolle Zeit mit den Derbys erlebt, als die ganze Stadt tagelang in Aufruhr war. Aber daran, dass die Löwen all ihre Talente nicht binden können, sieht man schon, dass die Probleme hausgemacht sind.“

Die schlechteste Heimmannschaft der 2. Liga hat es also in der letzten Fußball-Entscheidung der Saison 2014/15 doch noch geschafft, die Klasse zu halten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte seinem Präsi-Kollegen Gerhard Mayrhofer auf der Tribüne beigestanden. Beide sahen, wie Ex-Löwe Manuel Schäffler (2007-2011) nach sechs Minuten das 1:0 für die Gäste erzielte – doch Schiedsrichter Knut Kircher hatte ein Einsehen mit der geplagten Löwen-Seele und erkannte auf Abseits.

Kollektives Durchatmen bei 55.000 der insgesamt 57.000 Zuschauer. Zehn Minuten später war auch Kircher machtlos: Rafael Kazior erzielte in seinem letzten Spiel für Kiel das 1:0. Vor dem Anpfiff hatte er seine Mannschaftskameraden im Stehkreis eingeschworen – Sechzig verzichtete auf diesen gruppendynamischen Prozess.

Dennoch legten die Löwen ordentlich los: Valdet Rama zog nach zwei Minuten mit viel Schwung ab, doch Kiels Keeper parierte. Das war’s dann auch schon mit Offensive. Bis zu 78. Minute. Dann kam Daniel Adlung. Und traf aus 14 Metern flach ins Eck: 1:1. Die Hoffnung lebte wieder ein bisschen – bis Kai Bülow kam und die Löwen zurück in den Fußballhimmel schoss: 2:1 in der ersten Minute der Nachspielzeit. Als die Löwen sich vor der Fan-Kurve feiern ließen, saß Coach Fröhling auf der Bank und wischte sich ein paar Tränen aus dem Gesicht, mit den Nerven am Ende.

Wie alle Löwen.

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