Der Seitenwechsler

Jürgen Jung, bislang Jugendchef bei 1860, wechselt ausgerechnet zu den Bayern. Präsident Dieter Schneider jammert: „Ein Rückschlag für uns.“
| Marco Plein
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Von den Löwen zu den Bayern: Jürgen Jung
sampics/AK Von den Löwen zu den Bayern: Jürgen Jung

München - Sein Vorgänger wird bis heute mit großen Namen in Verbindung gebracht. Da sind die Bender-Zwillinge, da ist Timo Gebhardt, Marcel Schäfer, und da sind viele mehr. Doch auch Jürgen Jung, der im Sommer vor drei Jahren das Amt als Jugendchef bei den Löwen vom erfolgreichen Ernst Tanner übernahm, half mit, einige Toptalente groß rauszubringen.

Man denke nur an Moritz Leitner oder Kevin Volland. Doch nach Tanner ist jetzt auch Jung weg – und die Löwen haben mal wieder ein Problem.

„Das ist ein Rückschlag für uns“, kommentiert Präsident Dieter Schneider den Abgang Jungs zum FC Bayern. „Er war ein sehr, sehr guter Mann, sehr engagiert und sehr fachkompetent. Dass er ausgerechnet zum FC Bayern geht? Na ja, wir müssen die Emotionen ausklammern.“

Ende Dezember wurde Jung von Bayerns Sportchef Christian Nerlinger angesprochen – und die Initiative des großen Rivalen von der Säbener Straße hatte ihren guten Grund. Denn in den vergangenen Jahren erlebte die einst gefeierte Bayern-Jugend einen bitteren Abstieg, der darin gipfelte, dass die U 23-Mannschaft kläglich aus der Dritten in die Regionalliga abstieg und auch dort im unteren Tabellendrittel festklebt. In der AZ hatte Jugendchef Werner Kern geklagt: „Der Vorstand findet das sehr peinlich und ist irritiert.“

Folglich wird unter dem künftigen U 23-Trainer Mehmet Scholl ein namhaftes Team für die Jugend zusammengestellt: Noch-Reserve-Keeper Hans-Jörg Butt beerbt Kern als Chef, unter Butt kümmert sich Jung künftig zusammen mit Ex-Bayern-Profi Michael Tarnat um „Kaderplanung und Entwicklung der Jugendteams“, wie er erklärt.

„Bei den Bayern habe ich einfach das Gefühl, dass alles für die Jugend getan wird und dass unter hervorragenden Bedingungen professionelles Arbeiten möglich ist.“ War das bei den Löwen etwa nicht mehr der Fall? „Das will ich nicht sagen, aber ich muss jetzt einfach an mich denken und habe mir den Schritt bestens überlegt. Die Perspektiven für meine eigene Zukunft sind bei den Bayern einfach deutlich besser.“

Löwen-Sportchef Florian Hinterberger reagiert geknickt: „Ich bedauere seine Entscheidung sehr, denn wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Aber wenn der große FC Bayern Hilfe von den kleinen Löwen braucht, will das schon einiges heißen.“

Noch weiß Jung nicht genau, wann er an der Säbener Straße anfängt; gut möglich, dass ihn die Löwen vorzeitig freistellen. Der 36 Jahre alte Sportökonom legt bei seinem Abschied jedenfalls Wert darauf, dass er den Verein nicht – wie etwa Profi Stefan Aigner – genervt vom Führungsstreit verlässt. Auch die Etatkürzung für die U 23 von rund 1,5 Millionen um bis zu eine Million soll keine Rolle gespielt haben.

„Dass die Geschehnisse zeitlich zusammenhängen, ist Zufall“, versichert Jung. Wie auch immer: Schon bald gehört er zur Geschichte bei den Löwen – dass er ausgerechnet zum FC Bayern geht, sieht er nur bedingt als problematisch an: „Der Schritt gefällt nicht jedem, das ist mir bewusst. Aber ich hatte tolle zehn Jahre bei 1860, man sollte mich lieber positiv in Erinnerung behalten.“

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