„Der normale Arbeitnehmer schüttelt nur noch den Kopf“

1860-Präsident Rainer Beeck über Leitners Blitzwechsel, Spielerberater und Talente.
| Interview Marco Plein
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Rainer Beeck, der Präsident des TSV 1860.
sampics/Pahnke Rainer Beeck, der Präsident des TSV 1860.

München - 1860-Präsident bedauert Leitners Blitzwechsel nach Augsburg, kritisiert die Machenschaften von Spielerberatern und den Umgang mit Talenten. Und er spricht über den Stand der Sanierung.

AZ: Herr Beeck, für den TSV 1860 hat das Jahr mit einer Negativmeldung begonnen. Moritz Leitner verließ den Klub kurzfristig. Haben Sie trotzdem schön Silvester gefeiert?

RAINER BEECK: Ehrlich gesagt: nicht. Ich lag vier Tage krank im Bett. Und die Nachricht vom Leitner-Wechsel hat nicht gerade zur Genesung beigetragen. Ich war auch sehr überrascht.

Es ist kein gutes Zeichen, wenn ein Klub einen 18-Jährigen, der erst eine Hand voll gute Spiele gemacht hat, nicht mehr halten kann.

Natürlich ist das schade. Wir hatten ja die ursprünglich die Absprache mit Dortmund, dass wir ihn noch bis Ende der Saison auf Leihbasis behalten können. Als er seinen Wunsch zum Wechsel geäußert hat, war für uns klar, dass man einen jungen Menschen, der sich unbedingt verändern will, nicht aufhalten sollte. Immerhin entlastet der Wechsel unser Budget, auch wenn ich die Entwicklung, grundsätzlich sehr bedauere.

Wie meinen Sie das konkret?

Ich finde es sehr schade, in welch kurzen Zyklen Jugendliche im Fußball schon als Supertalente gelten und wie schnell sie bereits in hohe Gehaltsklassen einsteigen können. Kaum hat jemand drei, vier vernünftige Spiele gemacht, schon erwartet er Verträge. Die Spieler werden über ihre Berater so rasant in ein Fahrwasser gebracht, mit dem sie zum Teil nicht umgehen können. Ich beobachte es mit großer Sorge, wenn Berater schon an Jungs aus unserer U 17 herantreten. Denn genau dann setzen Entwicklungen ein, über die der normale Arbeitnehmer nur noch den Kopf schütteln kann.


Wurde das Löwentalent Moritz Leitner also zu schnell, zu sehr aufgebauscht, auch von 1860?

Ich möchte das nicht auf den konkreten Fall Moritz Leitner beziehen, sondern finde es grundsätzlich schade, dass wir in diesem System, in dem junge Talente keine Zeit mehr für ihre Entwicklung haben, auch mitspielen müssen. Ein Spieler wie Savio Nsereko wurde leider zum Opfer dieses frühen Erwartungsdrucks und des hohen Gehaltes in jungen Jahren. Man muss seine Entwicklung mit Bedauern registrieren. Trotzdem bleibt es unser größtes Pfund, dass wir als berühmter, ausgezeichneter Ausbildungsverein weiterhin talentierte Spieler aus der eigenen Jugend herausbringen. In diesem Bereich haben wir weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal.

Ein anderes Thema: Der Verein kämpft um sein Überleben. Von Ihnen aber hört und sieht man kaum noch etwas. Wieso ziehen Sie sich gerade jetzt so zurück?

Das hat nichts mit Zurückziehen zu tun. Es ist einfach so, dass es im Sinne der Sanierung nur wenig förderlich wäre, die Arbeitsschritte öffentlich zu kommentieren. Gerade in der Phase, in der wir um Transfererlöse bemüht sind. Die Verhandlungen mit den Partnern finden alle im Hintergrund statt. So soll es auch sein.

Das heißt, je ernster die Lage, desto weniger tritt der Präsident öffentlich auf?

Das mag auf Sie so wirken, aber ich würde den Rückschluss nicht ziehen. Wir müssen uns einfach nur darüber im Klaren sein, was jetzt wichtig ist. Und das ist nur die Sanierung.

Sie hatten nach der Delegiertenversammlung im November gesagt, dass Sie eine Einigung mit dem FC Bayern über günstigere Mietkonditionen für die Arena bis Ende der Winterpause erreichen wollen. Schaffen Sie das?

Es ist ja bekannt, dass wir am 13. Januar bei der DFL unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen müssen. Und dann werden wir ein Gesamtpaket einreichen, das alle Facetten des Kostenreduzierungs-Potenzials beinhaltet. Wir haben zum Glück mit dem FC Bayern eine sehr gute Gesprächsbasis gefunden und sind auf einem sehr guten Weg. Es freut mich auch sehr, dass es kein Interesse gibt, uns aus der Arena heraushaben zu wollen. Wir haben ja schon mehrfach klargestellt, dass es für uns zur Arena keine Alternative gibt.

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