Der Jüngste ist der Älteste

Obwohl erst 17 Jahre alt, spielt Moritz Leitner bereits seit elf Jahren für 1860. Am Montag gab er sein Debüt in der deutschen U19. Hier sprechen Jugend-, Klub- und Nationaltrainer über das Talent.
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Moritz Leitners Blitz-Wechsel nach Augsburg sorgte für Verstimmung.
Rauchensteiner/Augenklick Moritz Leitners Blitz-Wechsel nach Augsburg sorgte für Verstimmung.

Obwohl erst 17 Jahre alt, spielt Moritz Leitner bereits seit elf Jahren für 1860. Am Montag gab er sein Debüt in der deutschen U19. Hier sprechen Jugend-, Klub- und Nationaltrainer über das Talent.

MÜNCHEN Klar, Moritz Leitner ist der neue Hoffnungsträger beim TSV 1860. In nur zwei Spielen in der Zweiten Liga hat sich der 17-Jährige frech und unbekümmert in die Herzen der Löwen-Fans gespielt. Wenn man ihn fragt, wie er mit dem Hype um seine Person umgeht, sagt der in München geborene Sohn eines Deutschen und einer Österreicherin nur: „Ich will doch nur Fußball spielen.“

Und das macht er sehr gut. Auf dem Platz wirbelt Leitner im Löwen-Mittelfeld, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Er fühlt sich hinter den Spitzen am wohlsten. Die Sechzger scheinen mit ihm einen neuen Zehner zu haben. Und seine Geschichte ist eine Löwen-Lovestory. Bereits seit zwölf Jahren ist Leitner ein Blauer. Er ist somit nicht nur der jüngste, sondern zugleich der dienstälteste Löwen-Profi im Team von Reiner Maurer.

Der Löwen-Coach macht aus der (Finanz-)Not eine Tugend und baut in dieser Saison verstärkt auf junge Talente – wie eben Leitner. Der begann seine Fußballkarriere beim FC Unterföhring. 1998 wechselte er von dort an die Grünwalder Straße. Da war er sechs Jahre alt. Bei den Löwen durchlief er die komplette Jugendabteilung. Zur Vorbereitung auf die neue Saison holte ihn Maurer nun zu den Profis.

Leitner selbst sagte nun zur AZ: „Der Klub ist für mich ein Stück Heimat. Es gibt für mich nichts Schöneres, als für die Löwen zu spielen. Es geht für mich darum, die Chance zu nutzen und jeden Tag ein bisschen besser zu werden.“

Bislang schafft er das. Am Montag feierte Leitner, der seit einigen Tagen neben der Staatsbürgerschaft Österreichs auch die deutsche hat, sein Debüt in einer DFB-Auswahlmannschaft. Beim 3:0 beim Testspiel gegen Dänemark überzeugte er – unter anderem mit seiner Torvorlage zum 2:0. Und dies, obwohl er in Krefeld nur 25 Minuten auf dem Platz stand.

In der AZ sprechen drei seiner Trainer über das neue Löwen-Juwel:

Jugendtrainer Mike Silvia

„Ich hatte Moritz in der U11, und er war damals schon ein Spieler, der mit sehr viel Talent gesegnet war. Er wird seinen Weg gehen, wenn er nicht wieder abhebt. Sein größtes Problem könnte sein, wenn er wieder auf Wolke sieben schwebt und sich nicht aufs Wesentliche konzentriert. Wir hatten deswegen tatsächlich schon damals einen kleinen Disput in der Kabine. Jetzt hat er das verstanden, was ich damals meinte. Ich habe schon früh erkannt, dass er es zu sehr viel bringen kann und war da vielleicht ein bisschen strenger mit Moritz. Der Junge war und ist absolut genial.“

1860-Coach Reiner Maurer:

„Ich bin schon stolz – und auch für unser Image ist es gut, wenn wir viele Jungs in den Jugend-Nationalmannschaften haben. Beim Moritz klappt es so gut in unserer Mannschaft, weil er ein gutes Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff ist. Mit ihm können wir mehr Druck nach vorne ausüben, weil er mit Tempo in die Spitze geht. Er hat die zweieinhalb Spiele sehr gut gespielt. Bei allem anderen muss man bei ihm vorsichtig sein, dass sich der Junge Stück für Stück weiterentwickelt. Er ist ja erst 17. Leitner ist ein Spieler, der rotzfrech und ohne Hemmschwelle spielt. Dadurch steckt er auch den Rummel besser weg. Die Optik täuscht bei ihm. Obwohl er jugendlich wirkt, hat er eine körperliche Robustheit. Wir werden weiter aufpassen, dass Moritz nicht verheizt wird.“

U19-Nationaltrainer Ralf Minge

„Wenn Moritz das alles richtig einordnet, dann ist das gerade eine interessante Zwischenstation in seiner Karriere. Er hat die Voraussetzungen und das Talent. Doch ich habe ja auch viele Jahre mit den Jungs zu tun gehabt. Talent haben und Talent ausschöpfen, das ist zweierlei. Ich bin aber überzeugt, dass Moritz seinen Weg gehen wird. Natürlich sind wir für die Entwicklung der Jungs zuständig. Den Hauptanteil leistet der Verein, und es ist immer auch pädagogisches Geschick notwendig, um zu bremsen, zu forcieren und auch mal Druck aufzubauen. Er wird ganz klar seinen Weg gehen.“

Reinhard Franke

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