Der Fußball-Gott ist (endlich wieder) ein Löwe, aber bloß "nicht zu euphorisch werden"

Beim 2:1 in Hoffenheim reitet der TSV 1860 mit dem dritten Dreier in Serie die Welle des Erfolgs – plötzlich passt es auch mit Matchglück und Schiri-Entscheidungen. "Eine gute Mischung", findet Coach Kauczinski.
von  Matthias Eicher
Die Löwen feiern den Dreier im Kraichgau mit den zahlreich mitgereisten Fans.
Die Löwen feiern den Dreier im Kraichgau mit den zahlreich mitgereisten Fans. © sampics

Was mussten sich die Löwen mächtig ärgern: Hier ein nicht gegebener Elfmeter, dort ein ausgebliebener Platzverweis – von Woche zu Woche galt es, sich von Fehlentscheidungen oder zumindest fragwürdigerweise recht einseitige Pfiffe gegen Sechzig möglichst wenig beirren zu lassen.
Aktuell scheint sich das Blatt gewendet zu haben.

Nach dem 1:0-Heimsieg des TSV 1860 gegen Hansa Rostock, bei dem der Siegtreffer durch Thore Jacobsen durch einen fragwürdigen Handelfmeter zustande gekommen war, siegte Sechzig beim 2:1-Auswärts-Dreier bei der Zweitvertretung der TSG 1899 Hoffenheim nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Verteidiger Luca Erlein nach einem Zweikampfduell mit Löwe Philipp Maier mit Glatt Rot vom Platz geflogen war – eine sehr harte Entscheidung von Schiedsrichter Jonah Besong.

Die beiden spielentscheidenden Szenen in zwei Wochen, dazu Sechzigs zwar mentalitätsstarkes, aber keinesfalls überragendes Auftreten lassen eigentlich nur einen, nicht ganz ernst gemeinten Schluss zu: Der Fußballgott ist – endlich wieder – ein Blauer!

Kauczinski gibt zu: "Wir hatten auch das Quäntchen Glück"

Cheftrainer Markus Kauczinski kam nicht umhin, nach dem Sieg im Kraichau zuzugeben: "Das Spiel steht natürlich unter dem Stern der Roten Karte." Der 56-Jährige sprach aber auch noch zwei andere Tatsachen aus, die sich als Beobachter des Duells unterschreiben lassen: "Wir hatten auch das Quäntchen Glück" sowie dass 1860 "schon alles gegeben und gekämpft" habe. Verquickt man das alles miteinander, landet man bei der berühmten Trainerfloskel: Das Glück muss man sich eben auch erarbeiten.

Kauczinski konkretisierte weiter über den restlichen Verlauf des Spieles, in dem 1860 mit der starken Kombination zum 1:0 durch David Philipp bereits in der zweiten Minute im Stile einer Spitzenmannschaft begann, aber zu schnell in einen passiven Verwaltungsmodus verfiel.

"Wir haben einen Blitzstart hingelegt mit dem ersten oder zweiten Angriff. Das war stark gemacht – und das war’s dann auch schon mit der ersten Halbzeit von uns", sagte Kauczinski: "Wir haben Hoffenheim viel zu viel spielen lassen, viel zu viel Platz gelassen."

Die richtige Kombination aus Arbeit, Glück, Qualität und Schiri-Gunst

Havelse (5:0) oder Rostock (1:0) seien "geschlossenere Mannschaftsleistungen" gewesen, doch anstelle sich zu lange mit Kritik aufzuhalten, hob Kauczinski das hervor, was man für einen Angriff auf die Aufstiegsränge ebenfalls benötigt: "Es ist eine gute Mischung, vorher die guten Spiele zu gewinnen und wenn du nicht so performst, auch zu gewinnen."

Jubel-Explosion nach dem entscheidenden 2:1-Treffer für die Löwen, Vorlagengeber Volland (l.) knuddelt Torschütze Haugen.
Jubel-Explosion nach dem entscheidenden 2:1-Treffer für die Löwen, Vorlagengeber Volland (l.) knuddelt Torschütze Haugen. © sampics

Immerhin habe 1860 die richtige Kombination aus Arbeit, Glück, Qualität und Schiri-Gunst gehabt, um das Duell in die aus Sechzger-Sicht richtige Richtung zu lenken.

Kauczinski nannte es "helle Momente" wie einen "genialen Pass von Kevin" und einen "Siggi mit seiner unnachahmlichen Art": Kauczinski meinte die Vorlage von Kevin Volland und den Abschluss von Sigurd Haugen beim 2:1-Siegtreffer.

Volland: 1860 darf jetzt "nicht zu euphorisch werden"

1860 darf sich über drei Siege in Serie freuen, über eine etwas bessere Ausgangsposition (Rückstand auf Rang eins nur noch sieben Punkte), mehr aber auch nicht. Kauczinski stellte klar: "Wir machen einfach weiter. Wir brauchen nicht groß rumzulabern – wir haben Dinge anders zu machen, aber haben am Dienstag direkt das nächste Spiel vor der Brust."

Dann gelten um 19 Uhr im Grünwalder Straße ganz ähnliche Voraussetzungen wie vor dem Duell im Kraichgau. Sechzig empfängt Erzgebirge Aue, das nächste äußerst formschwache Rückrundenteam (zwei Punkte). Die Schlussworte gehören dem doppelten Vorbereiter Volland, der bei "Absolut Sechzig" den Nagel auf den Kopf traf: "Man weiß ja, wie die Stimmung immer ist nach Siegen." 1860 dürfe "nicht zu euphorisch werden" oder "von Sachen träumen, die zu weit weg", denn das wäre "auch Quatsch."

Besser wäre, einfach weiter diese Welle zu reiten, solange der Fußballgott gefühlt ein Blauer ist.

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