Der blaue Rückpass (5): Holger Greilich

Der 1971 geborene Abwehrspieler spielte von 1995 bis 2002 für 1860 in der Bundesliga. In 114 Spielen erzielte er dabei zwei Tore.
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Gefürchtet als unangenehmer Gegenspieler: Holger Greilich, hier beim Derby 2001 mit Bayerns Roque Santa Cruz.
firo/Augenklick Gefürchtet als unangenehmer Gegenspieler: Holger Greilich, hier beim Derby 2001 mit Bayerns Roque Santa Cruz.

Der 1971 geborene Abwehrspieler spielte von 1995 bis 2002 für 1860 in der Bundesliga. In 114 Spielen erzielte er dabei zwei Tore.

AZ: Herr Greilich, Sie haben 2004 Ihre Karriere beendet. Ihr Ende 2001 bei 1860 war alles andere als schön. Wie denken Sie an diese Zeit zurück?

HOLGER GREILICH: Mein Ende war ja der Fall Peter Pacult. Ich hatte 2001 noch Vertrag, und als man damals den Co-Trainer zum Cheftrainer machte, war das Thema für mich erledigt. Pacult konnte nicht mit mir. Für mich war es sehr ärgerlich, weil Pacult mich loswerden wollte. Da könnte ich Sachen erzählen…

Nur zu…

Das war so lächerlich damals. Ich habe dann gesagt: "Wenn man einen Greilich nicht mehr haben will, dann eben nicht." Ich habe mir bei Sechzig nie etwas zu Schulden kommen lassen, und an mir konnten sich die Jungen auch etwas orientieren.

Hat Pacult nie mit Ihnen gesprochen?

Nein. Es gab das berühmte Interview von Pacult (Greilich spricht auf österreichisch, d. Red.) "I bin der Chef und Gerald (Vanenburg, d. Red.) is mein Assi". Dann ging Vanenburg und hatte die Faxen dicke, weil er nicht Hütchenaufsteller sein wollte, was Pacult vorher jahrelang gemacht hat. Dann kam der Videoanalytiker Maurer als Co-Trainer - ab dann war "Polen offen". Pacult hat es geschafft, alle zu vergraulen. Egal, ob das ein Max war oder ein Häßler.

Sie sind immer noch sehr verbittert über Pacult, oder?

Das habe ich damals schon gesagt, und das hätte mich damals fast Geld gekostet. Heute kann ich das locker sagen. Pacult war der Anfang vom Ende bei Sechzig. Wenn der noch mal Cheftrainer in der Bundesliga werden würde, könnte ich dass nicht nachvollziehen, wenn man noch mal den Bock zum Gärtner macht.

Hat Ihnen Karl-Heinz Wildmoser damals nicht helfen können?

Normalerweise hatte ich immer einen guten Draht zum "Heinzi" (Wildmoser junior, d. Red.) und zum Senior, aber ich war tierisch enttäuscht, als man mir mündlich kündigte und die Wildmosers nichts gesagt haben. Das tat weh damals.

1860 war Ihr Verein, oder?

Ja. Ich bin kein Weltenbummler gewesen, war vier Jahre in Mainz und von 1995-2002 bei Sechzig. Das Gefühl nicht mehr gewollt zu sein, war schlimm. Im Nachhinein kann ich mir in den Arsch treten, weil acht Monate später war Pacult wieder weg. Ich bin dann ein Jahr nach Zypern, später noch nach Saarbrücken und habe dann 2004 meine Karriere beendet. In Zypern war es eine schöne Erfahrung, die hätten am liebsten 100 Jahre mit mir verlängert (lacht)

Was kam danach?

Ich hätte gerne auf höherem Niveau noch weiter gespielt, aber es ging nicht mehr. Ich habe mich selbstständig gemacht, habe mit "Icke" (Thomas Häßler, d. Red.) und einem Kumpel eine Spielhalle und ein Cafébar eröffnet. Ich nenne mich Gastronom, weil viele Leute bei Spielhalle gleich an Bandit denken. Und das läuft so gut, dass ich mir keine Gedanken machen muss, was morgen wird. Wir haben ein kleines Häuschen im Münchner Süden und mir geht's mit meiner Frau und den beiden Kindern gut.

Gibt es noch Kontakt zu den Ex-Kollegen?

Ich habe jetzt mit Michi Hofmann gesprochen. Der merkt nach der Verpflichtung von Kiraly gerade, dass die Uhren für ihn plötzlich still stehen. Vor sechs Monaten haben die ihm gesagt: "Du kriegst noch mal einen neuen Vertrag", und jetzt wird der Vertrag wohl bei den Amateuren sein. Solange du Leistung bringst, bist du du wichtig und danach bist du nichts. Das Geschäft hat für mich etwas von Prostitution. Hofmann hat damit spekuliert im Verein Torwarttrainer zu werden und da ist ja noch der Wittmann. Aber soviel ich weiß, haben die Kiraly zwei Jahre verpflichtet und danach soll der Torwarttrainer werden. Und sonst? Sonst besteht natürlich noch Kontakt zu Horst Heldt, mit dem ich drei, vier Jahre bei 1860 zusammengespielt habe und da ist eine Art Freundschaft entstanden und gewachsen.

Wie sehr verfolgen Sie heute noch die Löwen?

Ich wohne in München, trage natürlich den Löwen in mir und das blaue Blut fließt. Es tut weh, wenn man heuer sieht, was leider aus dem Verein geworden Nach dem Millenium ging es nur noch bergab.

Eine Rückkehr zu 1860 war nie ein Thema?

Management ist sicher ein Thema, aber für mich ist die ganze Außendarstellung nicht die beste. Da liegt einiges im Argen. Geh mal durch, wer da Präsident ist und wer im Aufsichtsrat für Dinge zuständig. Früher hat man gewusst, da waren die Wildmosers, ich sag immer die "Wildecker Herzmosers" und drunter der grauhaarige Werner und da hat das nach außen eine Aura gehabt. Das fehlt heute völlig.

Hätte man Lorant mal zurückholen sollen in den letzten Jahren?

Das Kapitel Lorant ist bei 1860 abgehakt. Das weiß er auch selber, dass er sich damit keinen Gefallen tun würde. Wenn der da anfangen würde, würde der soviel umkrempeln. Dann würden da einige Köpfe rollen.

Gibt's noch Kontakt zu Lorant?

Ich hatte nach meinem Ende noch Kontakt zu ihm, hab ihn in Istanbul besucht und fast wäre ich da zu ihm gegangen, aber das Nachkarten gibt's nicht mehr. Ich hab mit Werner kein Problem. Wenn ich ihn sehe, dann klopfen wir uns auf die Schulter und fertig. Er war nicht immer mein bester Freund, aber er war geradeaus und ich habe das Gefühl jetzt, dass er einen Verein wie die Löwen sucht, aber den wird er nie wieder finden.

Interview: Reinhard Franke

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