Der blaue Rückpass (4): Thomas Riedl

Thomas Riedl (32) war der Matchwinner für 1860 beim Derby gegen Bayern im November 1999. Aber das Tor brachte ihm nicht nur Glück.
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Ein Tor für die Ewigkeit anno 1999: Thomas Riedl, Ex-Löwe.
dpa Ein Tor für die Ewigkeit anno 1999: Thomas Riedl, Ex-Löwe.

Thomas Riedl (32) war der Matchwinner für 1860 beim Derby gegen Bayern im November 1999. Aber das Tor brachte ihm nicht nur Glück.

AZ: Herr Riedl, Sie haben 1999 das 1:0-Siegtor im Derby gegen Bayern geschossen und sich damit bei den Löwen-Fans als Derbyheld unsterblich gemacht. Es war der erste Löwensieg gegen die Roten seit 22 Jahren. Wie wichtig war das Tor für Ihre Karriere?

THOMAS RIEDL: Das Tor wird ewig in meinem Kopf drin sein. Das Tor ist eine der schönen Geschichten meiner Karriere. Es ist natürlich eine tolle Sache, wenn man immer an auf so einen wichtigen Moment angesprochen wird.

Aber das Tor brachte Ihnen nicht nur Glück. Trainer Werner Lorant hat Sie danach fallen lassen.

Ja, der hat mir das Derbytor nicht so ganz gegönnt. Nach dem Tor gab es immer Anfeindungen und er wollte mich raus haben. Aber das hat Lorant ja auch bei Martin Max und Icke Häßler so gemacht.

Sie waren immer ein sensibler Spieler. Haben Sie unter Lorant gelitten?

Was heißt gelitten. Natürlich wäre es anders schöner gewesen. Wir haben damals eine super Truppe gehabt im ersten Jahr, haben die Champions League-Qualifikation erreicht - und dann kegelt Lorant die halbe Mannschaft raus. Ich wurde so um den Lohn meiner Arbeit gebracht.

Sie hätten sich fast wiedergesehen. Lorant wäre um ein Haar Trainer in Linz geworden, aber der Verein hat ihm im letzten Moment abgesagt.

Sehr traurig bin ich nicht darüber. (lacht) Das wär's noch gewesen, dass ich auf den hier in Österreich treffe. Mal ganz ehrlich: 12 Stationen seit 1860 - das spricht Bände.

Wie sehr denken Sie an die zwei Jahre bei 1860 zurück?

Sehr oft. Es war meine erste Station weg vom Heimatverein (1. FC Kaiserslautern, d. Red.) und es war ein wichtiger Schritt zu den Löwen zu gehen. Das war eine Mannschaft, wo einfach alles super funktioniert hat und viel Spaß gemacht hat zu spielen.1860 war mit eine meiner wichtigsten Stationen.

Was machen Sie heute?

Ich lebe in Kärnten, habe noch ein Jahr Vertrag hier bei SK Austria Kärnten und studiere Sportmanagement. Ich bin 2006 weg aus Lautern und nach Österreich, weil mich der Trainer in Lautern (Wolfgang Wolf, d. Red.) nach dem Abstieg 1996 nicht mehr wollte. Mein Ziel war aber, nicht länger in Österreich zu bleiben. Ich wollte dort ein super Jahr spielen und danach wieder in die Bundesliga zurück. Das hat leider nicht geklappt.

Vermissen Sie die Bundesliga, vermissen Sie 1860?

Ja schon. Ich würde schon gern zurück. Das ist meine Liga, mein Wohnzimmer.

Wäre eine Rückkehr zu 1860 wirklich ein Wunsch von Ihnen?

Das wäre schon super, wenn das mit 1860 nochmal klappen würde. Lautern ist Heimat, aber 1860 mit der tollen Stadt und den Fans ist mir auch ans Herz gewachsen, obwohl ich nur zwei Jahre dort war. Aber ich war ja kein Söldner, der acht Vereine in acht Jahren hatte.

Sie kamen damals als Nachfolger für Micki Stevic, der nach Dortmund ging. Er ist heute Sportdirektor bei den Löwen. Haben Sie seine Handynummer?

Nein, aber ich glaube, dass mein Berater bei den Löwen auch mal lose angefragt hat. Ich kenne aber auch wenig Leute da, außer der Christl im Löwenstüberl vielleicht.

Ihr Herz schlägt also nicht nur für den FCK, sondern eher für blau, oder?

Ja, ich verfolge die Löwen die letzten Jahre sehr genau. Sie mussten aus finanziellen Gründen sehr auf die Jugend bauen und denen könnte ich sicher mit meiner Erfahrung noch helfen.

Gibt es Freundschaften, die sich in Ihrer Zeit bei 1860 gebildet haben?

Mit Harald Cerny - und auch mit "Icke" (Häßler, d. Red.) bin ich im Kontakt. Und mit Marco Kurz habe ich öfters mal telefoniert, als er noch Trainer bei Sechzig war. Es war wirklich mannschaftlich damals eine super Truppe. Nach so Spielern wie Kurz, Max, Häßler würde sich heute jeder die Finger lecken. Es hat einfach gepasst und ich denk jeder würde sich freuen, wenn man sich mal wieder trifft.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Erstmal muss ich meine Rasselnbande hier ernähren. (Julien und die 14 Monate alten Zwillinge Lenny und Joel, d. Red.) und werde mein Sportmanagement-Studium abschließen. Ich will schon nach Deutschland zurück, wenn sich die Möglichkeit bietet. Hier in Kärnten ist es zwar von der Lebensqualität mit der Nähe zu Kroatien und Italien super, aber der Fußball hier ist halt nicht so wie in der Bundesliga. Wenn du 12 Jahre Bundesliga gespielt hast, ist Österreich schon etwas anders. Die Bundesliga wäre zum Abschluss meiner Karriere ein Traum. Wenn ich gar nichts mehr bekomme, gehe ich zu Bayern - als Nachfolger für den Christian Nerlinger, wenn er das mit dem Hoeness-Job nicht packt. (lacht)

Interview: Reinhard Franke

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