Der blaue Rückpass (17): Reiner Maurer

Reiner Maurer, Spieler, Trainer und Video-Analyst bei den Löwen, über seine Zeit in München, den Frust beim Rauswurf - und seine Liebe zu Griechenland.
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Hat wieder einen Job: Reiner Maurer.
Rauchensteiner/Augenklick Hat wieder einen Job: Reiner Maurer.

Reiner Maurer, Spieler, Trainer und Video-Analyst bei den Löwen, über seine Zeit in München, den Frust beim Rauswurf - und seine Liebe zu Griechenland.

AZ: Herr Maurer, Sie waren bei Bayern und bei 1860 Spieler und Trainer. Wo war es schöner?

REINER MAURER: Das ist gar nicht vergleichbar, weil es auch zeitlich ganz unterschiedlich war. Bayern war 1983/84 und 1984/1985 nochmal für drei Monate meine erste Profistation und da hatte ich ein ganz anderes Alter gehabt als später bei den Löwen. Da war ich ein junger Spund (lacht). Bei Sechzig war ich von 1989 an, als Sechzig noch in der Bayernliga war. Die sechs Jahre Löwen waren schon wichtig und schön. Bei Bayern habe ich 1984 in meinem ersten Profijahr den Pokal gewonnen das war auch toll.

Nach Ihrer Löwen-Zeit waren Sie zum Karriere-Ende noch zwei Jahre in Garmisch-Partenkirchen und sind dann wieder zu 1860 zurück. Wie kam das?

Nach meiner Karriere als Spieler habe ich dann bei Sechzig die Analysen gemacht. 1998 habe ich den Fußballlehrer gemacht und war nur noch für die Löwen aktiv. Dann begann meine Zeit mit Lorant.

Sie waren zuletzt in Griechenland Trainer, sind dort im Dezember beurlaubt worden. 2006 gingen Sie als Trainer nach Griechenland zu OFI Kreta. Wie wichtig war diese Erfahrung für Sie?

Die 17 Monate bei Kreta waren eine erfolgreiche und schöne Zeit. Das Land ist herrlich. Nach Kreta war ich bei Kavala. Momentan bin ich ohne Verein, habe aber noch bis Ende Juni Vertrag mit Kreta. Aber die haben mir irgendwann nichts mehr bezahlt, trotz des gültigen Vertrags. Deshalb habe ich bei der Fifa geklagt. Jetzt im Sommer kommt das Urteil. Ich hoffe natürlich auf ein gutes Urteil für mich.

Abgesehen vom finalen Ärger hatten Sie aber eine schöne Zeit in Griechenland, oder?

Das war eine super Auslandserfahrung und es hat mir viel Spaß gemacht. Es war in Kreta sehr erfolgreich. Vorallem im ersten Jahr. Im zweiten gab es dann Ärger. Ich hatte nun Angebote von einigen griechischen Vereinen aus der Ersten und Zweiten Liga, die waren aber nicht so interessant. So wie es ausschaut, wird mein Weg wieder nach Griechenland oder ins Ausland führen.

Sie waren in Ihrer Zeit in Griechenland alleine dort. Ihre Familie blieb in Mindelheim...

Ja, es ist halt immer ein Problem mit einer Tochter, die in die Schule geht. Die wollte ich nicht aus der Schule reissen, deswegen war die Familie nur in den Ferien bei mir.

Gibt’s noch Kontakt zu den Löwen?

Es gibt immer Kontakt. Beim letzten Heimspiel gegen Aachen haben wir ein Treffen gehabt mit allen Spielern der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft von damals. 15 Jahre ist das jetzt her. Mit Thomas Miller, meinem damaligen Co-Trainer Bernhard Trares und bin ja auch ab und zu noch bei den Löwen im Stadion.

Sie sagten, dass Sie Angebote aus der ersten und zweiten Bundesliga hatten. Wären Sie gerne als Trainer zu 1860 zurück?

Gut, die Löwen sind immer eine interessante Adresse, keine Frage. Ein Verein mit so einem Fan-Potenzial - und auch dem ganzen Umfeld. Aber es ist auch keine leichte Aufgabe. Und für den Trainer ist die Rückendeckung entscheidend.

Haben Sie die Rückendeckung vermisst, als man Sie im Januar 2006 gefeuert hat?

Im Nachhinein haben mir das alle bestätigt, dass die Entlassung ein Fehler war. Natürlich hing das mit der Rückendeckung zusammen. Bei den Trainern nach mir hat es ja auch nicht so funktioniert, auch von der Attraktivität der Spiele hat es nicht gepasst. Und der Erfolg blieb aus. Ich kam nach Rudi Bommer und es lief schlecht, als ich als Trainer übernommen habe. Auch damals war es finanziell sehr schwierig einen renommierten Trainer zu präsentieren.

Kaum ein anderer hatte so viele Jobs bei den Löwen wie Sie.

Das stimmt. Ich war sechs Jahre Spieler, hab danach die Analysen gemacht und war dann Trainer. Als Spieler wurde mein Vertrag immer jedes Jahr verlängert. Das gab es damals auch nicht bei jedem. Meine Entlassung als Trainer kam für mich nicht unerwartet. Natürlich ärgert man sich nachher umso mehr, wenn der Nachfolger (Walter Schachner, d. Red.) nur große Sprüche macht - und es dann aber richtig in die Hose geht. Er hatte die schlechteste Bilanz aller Zeiten bei 1860 und stellt sich hin und sagt „wenn ich nicht so ein guter Trainer wäre, wäre die Mannschaft abgestiegen.“ Da fragte ich mich schon, was die Leute alles schlucken.

Warum wollen Sie wieder nach Griechenland? Ihre Familie wird wenig erfreut sein.

Es gibt in Deutschland viele Vereine in der ersten und zweiten Liga - selbst in der dritten Liga - die interessant sind und wo man sagt, „das macht man“. Ich hätte gern wieder bewiesen, dass ich in Deutschland sehr erfolgreich arbeite, aber ich habe nicht gesehen, dass ich vernünftig unterkomme. Der Standort ist natürlich für die Familie wichtig, das Sportliche muss aber auch passen, dann kommt das Finanzielle noch dazu. Wenn ich das mit den Angeboten aus Griechenland vergleiche, dann waren die doch noch interessanter.

Wohin geht’s in Griechenland?

Ich weiß es noch nicht. In Griechenland bewegt sich das Trainerkarussell noch viel schneller als bei uns.

Aber das Trainerkarussell hatte in den letzten Wochen eine Geschwindigkeit wie seit Jahren nicht. Jupp Heynckes kritisierte die Haltung mancher Trainer, dass sie ihre Verträge nicht seriös einhalten würden...

Die Kritik hat ja nur ganz wenige Trainer betroffen. Ein Felix Magath z. B. hat ganz normal von seiner Option Gebrauch gemacht. Und Bruno Labbadia müsste man persönlich fragen, was da los war. Ich würde mir nicht rausnehmen, da einen Kollegen zu kritisieren. Es war schon viel los zuletzt bei den Trainern, aber grundsätzlich ist der Trainer auch derjenige, der zuerst entlassen wird.

Hatten Sie jemals Ausstiegsklauseln in Ihren Verträgen als Trainer?

Nein. Ich will einen Trainerjob ja nicht als Platzhalter machen so nach dem Motto, „ich mach das jetzt, suche aber weiter“. Das war für mich nie ein Thema.

Letzte Frage an den Griechenland-Spezialist: Die Löwen haben den griechischen Angreifer Charilaos Pappas verpflichtet? Ein guter Fang?

Der Pappas ist ein sehr schneller Konterspieler. Er hatte vor drei Jahren ein sehr gutes Jahr, als er bei Olympiaklos spielte. Er ist kein typisch griechischer Spieler, sondern eher einer, der seine Schnelligkeit ausnutzt. Man muss ihn schnell integrieren, aber Ewald Lienen, der Pappas kennt, wird das schon schaffen. Es ist zu hoffen, dass er den Löwen Freude macht.

Interview: Reinhard Franke

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