Deniz drängt zurück in 1860-Dirigenten-Rolle und klärt Rückennummer-Rätsel

Nach schwerem Kreuzbandriss kämpft sich Spielmacher Tunay Deniz beim TSV 1860 zurück in die Führungsrolle. Zwei Schlitzohr-Aktionen gegen Kiel zeigen das gewisse Etwas. Nur die Rückennummer wirft noch Fragen auf.
Ruben Stark
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Der Mann für ruhende Bälle, Geistesblitze und ordnende Aktionen: Tunay Deniz soll den neuen Löwen Struktur verleihen, wie im DFB-Pokalspiel gegen Kiel.
Der Mann für ruhende Bälle, Geistesblitze und ordnende Aktionen: Tunay Deniz soll den neuen Löwen Struktur verleihen, wie im DFB-Pokalspiel gegen Kiel. © IMAGO/HMB Media/Heike Feiner

Tunay Deniz war echt gut gelaunt – und das hatte gewiss vor allem damit zu tun, dass er spürt, wie er sich Stück für Stück wieder einer guten Form annähert. Natürlich wäre auch dem 32-Jährigen lieber gewesen, wenn dem TSV 1860 der Pokalcoup gegen Holstein Kiel (0:2) gelungen wäre. Aber nun ja, damit durfte man nicht ohne Weiteres rechnen. Mit Fortschritten des zum Giesinger Dirigenten auserkorenen Profis dagegen schon. Und es ist aus Sechzger Sicht dennoch erfreulich, wenn sich die Dinge dann auch wie erhofft entwickeln.

"Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich jetzt auch mehr Spielzeit bekomme", sagte Deniz, nachdem er 65 wertvolle Minuten gegen den Zweitligisten in den Beinen hatte. Es war der längste seiner bisher vier Pflichtspieleinsätze in dieser Saison – und einer, der ihn näher an die Ansprüche bringt, die der gebürtige Berliner an sich selbst hat.

Deniz braucht noch Fitness, aber "das Fußballerische habe ich nicht verlernt"

"Ich versuche, die Jungs in Szene zu setzen, dass sie ihre Stärken zeigen – und ich will auch als Führungsspieler vorangehen", verdeutlichte er und vergaß nicht, noch an seine aktuellen Defizite zu erinnern: "Das Fußballerische habe ich nicht verlernt, es fehlt noch an der Spielfitness, die ich mir jetzt Schritt für Schritt versuche zu holen."

Deniz war schließlich auch lange Monate raus aus dem Profialltag. Im November 2025 hatte der Mittelfeldspieler beim Heimerfolg gegen Energie Cottbus (3:0) nach einer guten Stunde passen müssen, die Blessur stellte sich als Kreuzbandriss heraus. Es war klar, dass die Saison für ihn vorüber sein würde. Als sich dann so langsam eine Comeback-Perspektive abzeichnete, signalisierte Deniz den Löwen seinen Wunsch nach Vertragsverlängerung. Das blieb auch nach dem Zwangsabstieg und in den Chaoswochen bis zur Neugründung der Spielbetriebs-GmbH so.

Tunay Deniz bei der Ausführung einer Ecke im DFB-Pokalspiel der Löwen gegen Kiel.
Tunay Deniz bei der Ausführung einer Ecke im DFB-Pokalspiel der Löwen gegen Kiel. © sampics

Deniz wartete geduldig auf eine Lösung und Sechzig wartete auf ihn. Dann fand man wieder zusammen und der Deutsch-Türke war sogar der erste Spieler, den die neuen Löwen verpflichteten. Deniz solle die "junge Mannschaft bereichern", kommentierte GmbH-Geschäftsführer Thomas Probst zu diesem Zeitpunkt und gut zwei Monate später wächst die Zuversicht, dass er dieser Erwartung auch gerecht werden kann.

Schlitzohr Deniz scheitert mit Fernschuss und Freistoß nur knapp

Für diese Einordnung waren insbesondere zwei Aktionen geeignet. Einmal sein Geniestreich aus der 27. Minute, als Deniz einen Fehlpass des Kieler Torhüters Lio Rothenhagen technisch anspruchsvoll direkt abnahm und der Ball aus gut 50 Metern beinahe den Weg ins Netz zur Löwen-Führung gefunden hätte. Beim Drittliga-Spiel in Dortmund im September 2024 (2:1) hatte er aus ähnlicher Position schon mal getroffen.

"Wir haben es im Vorfeld angesprochen, dass der Torwart viel mitspielt, und weit vorm Tor steht", erzählte Deniz. Die Kollegen hätten dann diese kühne Idee gehabt, "weil sie mich kennen und wissen, dass ich einen Knacks im Kopf habe und solche Sachen probiere".

In der Regionalliga prangte zuletzt die "36" auf dem Trikot von Tunay Deniz, im DFB-Pokal war es die "10".
In der Regionalliga prangte zuletzt die "36" auf dem Trikot von Tunay Deniz, im DFB-Pokal war es die "10". © IMAGO/Ulrich Wagner

Und etwa Löwen-Keeper Vitus Eicher lag der Jubelschrei schon auf den Lippen. "Der sah von mir hinten so aus, als fliegt er genau rein. Auf diese Momente haben wir gelauert", sagte Eicher und Hauptakteur Deniz ging es ganz genauso. Deshalb kündigte der vorsichtshalber schon mal an: "Versuchen werde ich es weiterhin."

"36" oder "10"? Deniz: "Nachfragen bei unserer Logistik für die Trikots"

Der Anhang hat an solch schlitzohrigen Showeinlagen gewiss seine Freude, das war an den Reaktionen am Samstag abzulesen – und Deniz lieferte mit einem frechen Freistoß von halblinks (37.), der Rothenhagen in Not brachte, noch einen Anlass.

Lag es an der "10" auf seinem Trikot, die er im Pokal trug? In der Regionalliga ist Deniz bisher mit der "36" aufgelaufen, was aber offenbar daran lag, dass die "10" bei Societas, das innerhalb kürzester Zeit die Löwen mit neuer Spielkleidung ausstatten durfte, noch eine Rarität ist.

"Da müssten wir nachfragen bei unserer Logistik für die Trikots", antwortete Deniz lächelnd auf eine entsprechende Frage, "ob da genügend Kontingent da ist. Sobald mehr Trikots zur Verfügung stehen, wird dann mit der Zehn aufgelaufen." Und dirigiert.

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