Das war’s noch nicht! Darum dürfen die Löwen noch immer an den Aufstieg glauben

Au weia. Was für eine Bühne, was für eine Chance und was für ein Schlamassel. Zebras gegen Löwen, 24.394 Zuschauer in der Schauinsland-Reisen-Arena, absoluter Endspielcharakter: Gewinnst du das Duell der Aufstiegsaspiranten, bist du obenauf und kommst der Musik immer näher. Verlierst du aber, herrscht Endzeitstimmung – und die Löwen sollten tatsächlich mit einem mächtigen Kater aufwachen. War’s das schon mit allen Aufstiegsträumen?
Nein, das war’s noch nicht! Nach nicht ganz exklusiven AZ-Informationen ist das Aufstiegsrennen in der Dritten Liga nämlich noch lange nicht beendet. Das 1:2 des TSV 1860 beim MSV Duisburg gleicht zwar einem weiß-blauen Jammertal, doch wer die Löwen kennt, der weiß: Die Achterbahnfahrt ist erst zu Ende, wenn der 38. und letzte Spieltag abgepfiffen ist. Die AZ nennt sechs Gründe, weshalb die Blauen noch keine Giesinger Prügelknaben sind.
1860 hat den Aufstieg noch nicht abgeschrieben
Tabellarische Fakten und rechnerische Möglichkeiten: Der 30. Spieltag ist durch in Liga drei, was nach Adam Riese bedeutet: Satte 24 Zähler sind noch zu holen, bevor die Saison endgültig zu Ende geht. Auch Kevin Volland erkennt angesichts von fünf Punkten Rückstand des TSV auf Platz drei und sechs auf Rang zwei: "Wir haben noch acht Spiele und so, wie ich Duisburg heute gesehen habe, werden die auch noch den ein oder anderen Punkt liegenlassen." Gewiss nicht nur die Zebras…
Der Giesinger Glaube: "Aufgeben tut ma nur an Brief", hatte Torhüter Thomas Dähne schon vor dem Duell im AZ-Interview über den ungebrochenen Giesinger Glauben erklärt. Danach stieß Volland trotz der Pleite in dasselbe Horn: "Es gibt gar keinen Grund, irgendwie nervös zu werden." Fazit: Diese Truppe glaubt nach wie vor an sich. Eine der wichtigsten Zutaten für den großen Wurf.
Trainerfuchs Kauczinski: Der Mann hat schon zwei Aufstiege erlebt und weiß, wie man das Tor zur Zweiten Liga aufstößt. "Es ist schade, dass wir ein bisschen Boden verloren haben. Aber wir werden wieder aufstehen, müssen daraus lernen und weitermachen!"
Der TSV 1860 kann auf seine stabile Defensive bauen
Nach dem 0:4 bei Jahn Regensburg in der Hinrunde und dem 1:2 beim VfB Stuttgart II hat Kauczinski schon zwei Mal die richtigen Pleiten-Schlüsse gezogen und 1860 zu Siegesserien gecoacht. Wiederholung nicht ausgeschlossen. . .
Sechzigs Konstanz: Fünf Siege in Serie, gefolgt vom 0:0 gegen Wehen Wiesbaden und dem 1:2 in Duisburg – insgesamt zeigt sich 1860 konstant. Deshalb sagt Volland über das funktionierende große Ganze: "Wir müssen schauen, dass wir aus den kleinen Fehlern lernen, weitermachen und die restlichen Spiele so anzugehen, wie wir es in der Rückrunde gemacht haben."
Abwehrchef Max Reinthaler steht sinnbildlich für das seit Monaten aufbetonierte und weiß-blau bemalte Bollwerk. Trotz der Pleite stand 1860 auch beim MSV lange stabil, hat in den letzten sieben Spielen nur vier Gegentore kassiert. Halten Reinthaler und Co. auch in den verbleibenden acht Partien (weitgehend) dicht, hätte der TSV, was es braucht, um nochmal ganz oben anzugreifen.

X-Faktor Volland: Der Ex-Nationalspieler ist seit Wochen in bestechender Form, was nicht bedeutet, dass dem 33-jährigen Spielmacher (vier Tore und neun Assists in 26 Spielen) alles gelingt. Er geht aber als Führungsspieler, als Löwen-Kämpfer und torgefährlicher Kreativkopf voran.
Volland: Sechzig fühlt sich in der Verfolgerrolle wohl
In Duisburg sprang der Schuss des Top-Vorbereiters an den Innenpfosten heraus. In der Vorwoche war es eine Chance des mit Volland zuletzt gut harmonierenden Schienenspielers Tim Danhof, der die Großchance zum 1:0 vergab. Drehen sich solche Momente wieder, wird 1860 wieder Siege einfahren.
Die Verfolgerrolle:"Ich denke, die Verfolgerrolle liegt uns", sagte Volland in den vergangenen Wochen gleich mehrfach. Man stelle sich nur vor, wie das Umfeld in diesem turbulenten Traditionsverein durchdrehen würde, hätte Sechzig den Sprung auf die Aufstiegsränge jetzt schon geschafft. Also, Löwen: aufstehen, ranpirschen – und zupacken.