Das steckt dahinter: TSV 1860 schaut sich nach AZ-Informationen nach einem neuen Stürmer um

Nach AZ-Infos schaut sich der TSV 1860 auch im Sturm um. "Wir haben Siggi mit 16 Toren, dahinter klafft eine Lücke", sagt Coach Markus Kauczinski über Torjäger Sigurd Haugen.
von  Matthias Eicher
Spielen seit dem vergangenen Sommer beim TSV 1860: Sigurd Haugen und Kevin Volland.
Spielen seit dem vergangenen Sommer beim TSV 1860: Sigurd Haugen und Kevin Volland. © IMAGO

Sigurd Haugen. Patrick Hobsch. Florian Niederlechner. Justin Steinkötter. Vielleicht sogar Kevin Volland, sollte der Ex-Nationalspieler in der Saison 2026/27 auf jene Position rücken, auf der er es auf die große Fußball-Bühne geschafft hat. Man könnte glatt auf die Idee kommen, zu urteilen: Da vorne tummeln sich so viele Sechzger-Stürmer, dass es für die neue Spielzeit keine Veränderungen braucht. Oder? Voraussichtlich dürfte aber auch die Torjäger-Baustelle der Blauen noch eine Überraschung bieten – oder gleich mehrere?

TSV 1860 schaut sich nach Stürmer um

Wie das Online-Portal "Liga3-News" berichtet, soll der TSV 1860 neben Drittliga-Rivale SV Wehen Wiesbaden und einigen anderen internationalen Vereinen Interesse an Torjäger Larson Ferati (19) zeigen. Der junge Kosovare steht aktuell bei Roda Kerkrade unter Vertrag und hat für die U21 des niederländischen Erstligisten in elf Spielen starke elf Tore und vier Assists geliefert. Bevor sich Ferati mit seinem Winter-Wechsel ins internationale Schaufenster gestellt hat, war der talentierte Angreifer zwei Jahre bei Bayer Leverkusen und eine Spielzeit bei Rot-Weiss Essen auf Torejagd gegangen.

Auf den ersten Blick erscheint das Interesse der Giesinger an Ferati verwunderlich, hat der TSV doch vier, fünf etablierte Torjäger unter Vertrag. Nach AZ-Informationen schaut sich die Sportliche Leitung um Cheftrainer Markus Kauczinski und Geschäftsführer Manfred Paula tatsächlich auch auf dem Stürmer-Markt um, Veränderungen sind durchaus vorstellbar. Das Problem: Viele Torjäger, wenig Tore.

Nur Haugen hat eine zweistellige Trefferquote 

Mit dem Norweger Sigurd Haugen hat nur ein einziger Sechzger-Stürmer eine zweistellige Trefferquote erzielt: Der pfeilschnelle Angreifer hat in 34 Drittliga-Einsätzen 16 Mal eingenetzt (dazu vier Vorlagen) und zählt damit zu den Top-Angreifern der Dritten Liga. "Leider ist Siggi der Einzige, der geliefert hat", erklärte Kauczinski kürzlich nach dem 1:1 des TSV bei Drittliga-Schlusslicht 1. FC Schweinfurt 05, als Haugen – mal wieder – einziger TSV-Torschütze gewesen war.

Bekanntlich hat Haugen das Interesse höherklassiger Vereine geweckt (Dynamo Dresden, Holstein Kiel, Karlsruher SC) und trotz laufenden Vertrags bis Sommer 2027 und eines Treuebekenntnisses zum Verein gilt seine Zukunft bei 1860 noch nicht als gesichert. Vor dem letzten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt 04 (1:2) setzte es eine deutliche Kauczinski-Kritik an seinen (restlichen) Torjägern.

Unzufrieden mit der Torquote seiner Stürmer: Trainer Markus Kauczinski.
Unzufrieden mit der Torquote seiner Stürmer: Trainer Markus Kauczinski. © IMAGO

Kauczinski: "Wir haben es nicht geschafft, einen zweiten oder dritten Torjäger zu etablieren"

"Wir haben es nicht geschafft, einen zweiten oder dritten Torjäger zu etablieren. Wir haben viele Konstellationen probiert: mit Hobschi, mit Flo, mit Justin. Wir haben Siggi mit 16 Toren, aber dahinter klafft eine große Lücke", sagte der 56-Jährige im Hinblick auf die Giesinger Torarmut (54 Tore, zwölftbester Wert der Liga) und rechnet weiter vor: "Es folgt Thore Jacobsen mit sieben Toren, aber fünf Elfmeter davon. Dann kommen Kevin, Flo und David Philipp mit vier, das ist dann am Ende auch zu wenig, um diese engen, knappen Spiele für sich zu entscheiden."

Der Vollständigkeit halber sei korrekt aufgeschlüsselt: Patrick Hobsch hat sechs Saisontore erzielt, es folgen Kevin Volland mit vier Treffern, Florian Niederlechner und David Philipp mit je drei Torerfolgen. Justin Steinkötter hat, wie sieben weitere Feldspieler, sogar nur ein Törchen geschossen und damit weniger erzielt als die Mittelfeld-Löwen Philipp Maier und Max Christiansen (je zwei). Strafstoß-Schütze Jacobsen sei außen vorgelassen, da der Vizekapitän den Verein verlässt.

Wir haben Siggi mit 16 Toren, aber dahinter klafft eine große Lücke.

Markus Kauczinski

Hobsch gilt als mögliche Verkaufs-Aktie 

Was bleibt, ist die Frage, wie 1860 das Tor-Konto in Zukunft erhöhen kann. Eine Möglichkeit hieße: neue Saison, neues Glück – und das altgediente Personal explodiert! Neben Haugen und Volland, der wohl weiter im Mittelfeld agieren dürfte, haben auch Niederlechner (35), Hobsch (31) und Steinkötter (26) allesamt noch Vertrag. Schnelle Neuzugänge auf den Außenbahnen und vielleicht ein neuer Mittelfeld-Löwe sollen Tempo und Torgefahr erhöhen und die Knipser vornedrin schlicht besser füttern.

Eine andere Möglichkeit wäre: Abschied von einem der unterdurchschnittlichen und gewiss selbst unzufriedenen Angreifern, eine (kleinere) Ablöse einnehmen und einen Kaderplatz für neues Personal an vorderster Front gewinnen. In erster Linie gilt wohl Hobsch als mögliche Verkaufs-Aktie: Bereits im Winter hatte sich Rot-Weiss Essen auf die Jagd nach dem abwanderungswilligen Löwen mit Startelfansprüchen und elf Treffern in der Vorsaison begeben, Sechzig dem Deal aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Steinkötter könnte den Verein verlassen

Auch Steinkötter könnte seine Chance andernorts suchen, sollte ein passendes Angebot kommen. Fragt sich also: Wem traut 1860 die (überfällige) zweistellige Trefferquote eher zu als etwa dem erst 19 Jahre alten Torjäger-Talent Ferati?

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