"Das ist die Aufgabe, die wir jetzt haben": 1860 kämpft gegen das blaue Führungsproblem

Es ist ja keineswegs unberechtigt, wenn der TSV 1860 derzeit auf mildernde Umstände hinweist. Für jeden, der diesen Klub und die Mannschaft in den vergangenen Wochen verfolgte, ist klar, dass derart gravierende Umwälzungen, wie sie an der Grünwalder Straße 114 passierten, nicht sofort zu einem raketenartigen Neustart führen können.
Selbst im turboschnelllebigen Fußball-Business sollte da etwas Geduld möglich sein. Aber das entbindet die Löwen freilich nicht von öffentlicher Kritik, wenn es erkennbar ruckelt und knarzt – und die Diagnose ein blaues Führungsproblem ans Licht bringt.
1860 verspielt seine Führungen leichtfertig
Aber ruhig Blut, es sind in dem Fall nicht Präsident Gernot Mang oder andere Verantwortliche mit Leitungsfunktion gemeint, es geht schlicht um die Tatsache, dass Sechzig zu oft nicht in der Lage ist, aus einem Vorsprung in einem Spiel auch drei Punkte zu machen. Das war zuletzt in Vilzing so, als der TSV mit dem Last-Second-Gegentor zum 2:2 bitter bestraft wurde.
"Wir haben es verpasst, das Spiel frühzeitig zu entscheiden", sagte Trainer Alper Kayabunar danach – und es war genauso bei den Heimspielen gegen den FC Augsburg II (2:2) und den TSV Landsberg (1:1). Gegen den Bundesliga-Unterbau der Fuggerstädter wurde gar ein 2:0 aus der Hand gegeben.
Eicher: "Es geht oft um Feinheiten"
Nach sechs Regionalligaspielen ist Sechzig zwar weiter ungeschlagen, aber hätte ohne Weiteres schon sechs Zähler mehr auf dem Konto haben können, statt auf Rang zehn wären die Löwen dann punktgleich mit Memmingen und mit einem Spiel weniger Tabellenzweiter. "Wir besprechen die Probleme und versuchen, die Kontrolle im Spiel länger zu behalten. Daran arbeiten wir und ich hoffe, dass wir das besser machen", sagte Kayabunar jüngst ganz allgemein zu diesem Thema.
Bis der Lerneffekt dann sichtbar wird, sollte und darf es gleichwohl nicht mehr zu lange dauern. Irgendwann wird Geduld auch überstrapaziert, wenn sich Fehlermuster weiterhin wiederholen und chronische Züge annehmen. "Es geht oft um Feinheiten", sagte Vitus Eicher diese Woche. Dann bemühte er erneut das blaue Hauptargument. "Ich habe es schon öfter gesagt, dass gewisse Abläufe in der Kürze der Zeit, die wir zusammen sind, noch nicht so da sein können, wie sie da sein sollten."

1860 trifft am Freitag auf den krassen Außenseiter Schwaben Augsburg
Der Torwart-Routinier extrahierte aus dem Befund auch lieber eine positive Erkenntnis, die aus seiner Sicht vollkommen akzeptabel und nachvollziehbar ist. "Es waren immer enge Spiele", leitete der 36-Jährige ein und führte aus: "Mit Sicherheit ist es am Ende von den Punkten her zu wenig für das, was die Spiele hergegeben haben. Aber nach so einer schwierigen Phase ist es auch irgendwo positiv, zu sagen: ‚Hey, wir sind voll auf Augenhöhe, wir sind drauf und dran, die Spiele zu ziehen.' Das ist die Aufgabe, die wir jetzt haben und wo es hingehen soll."
Das eigene Grundgefühl stärken, das kann bei all den jungen Wilden im Kader, deren Nervenkostüm noch eher instabil scheint, nicht schaden. Aber auch Emre Erdogan, Lance Fiedler, Arian Calderon und all die anderen sollten am Freitag im Heimspiel gegen den krassen Außenseiter Schwaben Augsburg (19 Uhr/AZ-Liveticker) wieder Fuß fassen.
Eicher optimistisch: "Wir sind auf einem guten Weg"
"Die Jungs haben Bayernliga gespielt, jetzt spielen sie Regionalliga, vor 15.000 im Grünwalder Stadion", hält Eicher ihnen zugute. Euphorie und Begeisterung könne da zwar viel bewegen, "aber wenn es mal schwieriger wird, kann das auch ein bisschen – ich will nicht sagen lähmen – aber dann macht man sich vielleicht mal mehr einen Kopf."
So empfiehlt auch Eicher bei aller gewohnten Aufregung auf Giesings Höhen einen Weg der Vernunft. "Wie gesagt: Von den Punkten her war's zu wenig, aber wir haben noch kein Spiel verloren, das sollte man dann auch sehen. Wir sind auf einem guten Weg, dabei bleibe ich." Und wenn der TSV-Schlussmann recht behält, dann wird sich auch das blaue Führungsproblem in absehbarer Zeit lösen lassen. Vielleicht kann Oberlöwe Mang ja mit etwas Zuspruch dabei unterstützend wirken.