"Das ist aber nicht unsere Strategie": 1860-Boss Paula übt Kritik an seinen Vorgängern

1860-Sport-Boss übt in der AZ leise Kritik an den vielen Umbrüchen der Vergangenheit und erklärt die neue Strategie: "Unsere klare Handlungsmaxime ist, nicht wieder zehn, zwölf Spieler zu holen."
von  Matthias Eicher
Sportboss des TSV 1860: Manfred Paula.
Sportboss des TSV 1860: Manfred Paula. © IMAGO/Ulrich Wagner

Alle Jahre wieder, zwischen Weihnachten und Ostern, stellt sich bei Sechzig die Frage: Wen lässt der Löwe in der neuen Saison alles aus dem Sack? Alle Jahre wieder läuft eine (bedrohlich?) hohe Anzahl an Verträgen aus, aktuell satte 17 Stück – jetzt soll alles anders werden.

"In den letzten eineinhalb Jahren hat der TSV 1860 28 neue Spieler geholt. Das ist eine ganze Menge und es verursacht natürlich immer wieder größere Umbrüche", sagt Manfred Paula, Geschäftsführer und Nachwuchszentrumsleiter des TSV 1860 in Personalunion, der AZ über die regen Transferaktivitäten der vergangenen drei Transferfenster vor seiner Amtszeit. Ist das eine leise Kritik an seinem Vorgänger Christian Werner?

Paula möchte nicht den nächsten großen Umbruch beim TSV 1860

In jedem Fall zeigt es auf, dass es der TSV unter Paula sowie unter dem neuen Präsidium um Gernot Mang anders handhaben will.

Deshalb sagt der neue Sport-Boss der Blauen, der in Transferfenster eins sogleich mit genau null Winter-Neuzugängen einen anderen Weg eingeschlagen hat: "Das ist aber nicht unsere Strategie: Wir wollen vermeiden, im Sommer den nächsten großen Umbruch zu gestalten. Unsere klare Handlungsmaxime ist, nicht wieder zehn, zwölf Spieler zu holen und auszutauschen." Paulas Plan: Umbruch, nein danke!

Verträge von Verlaat, Jacobsen oder Dähne laufen aus

Wenn es an die Realisierung der neuen Ausrichtung geht, stellen sich allerdings einige Fragezeichen: Gehen da auch Profis wie Kapitän Jesper Verlaat, Stellvertreter Thore Jacobsen, Torhüter Thomas Dähne, Spielmacher Tunay Deniz oder Torjäger Patrick Hobsch mit, deren Kontrakte auslaufen?

Dazu kommen die Abwehrspieler Max Reinthaler und Raphael Schifferl, die während der Verletztenmisere in die Bresche sprangen. Plus Reservisten wie Maximilian Wolfram, David Philipp oder Tim Danhof, bei denen die Zeichen auf Trennung stehen. Und Sorgenkind Morris Schröter. "Wir stehen mit Spielern, deren Verträge auslaufen und mit denen wir in die neue Saison gehen wollen, in Gesprächen", erklärt Paula.

Der Vertrag von Kapitän Jesper Verlaat läuft im Sommer aus.
Der Vertrag von Kapitän Jesper Verlaat läuft im Sommer aus. © sampics

1860 muss auch bei den Youngstern um Lippmann, Dordan und Klose tätig werden

Schon im AZ-Interview erklärte der 61-Jährige, beim Gros der Spieler ein Bekenntnis zu 1860 wahrzunehmen. Eine unterschriebene Vertragsverlängerung ist dies noch nicht, schließlich spielen dabei auch die Ambitionen der Akteure (Stichwort: Zweite Liga), die liebe Kohle und etwaige Abwerbungsversuche der Konkurrenz eine Rolle. Dennoch sollen die Leistungsträger möglichst bleiben.

Dazu kommt eine ganze Reihe an jungen Männern, auf die Sechzig künftig verstärkt setzen will, um das Tafelsilber zu veredeln und die Kaderbreite zu stärken: Beim Junglöwen-Sextett Clemens Lippmann (19), Damjan Dordan (23), Finn Fuchs (19), Noah Klose (21), Paul Bachmann (20), Miran Qela (19) gilt es, tätig zu werden.

Youngster Clemens Lippmann hat sich unter Markus Kauczinski in der ersten Elf festgespielt.
Youngster Clemens Lippmann hat sich unter Markus Kauczinski in der ersten Elf festgespielt. © sampics

1860-Boss Paula:"1860 ist ein Ausbildungsverein"

"Es ist selbstverständlich unsere Intention, mit talentierten Spielern aus unserem Nachwuchsleistungszentrum den Weg weiterzugehen und sie Schritt für Schritt weiterentwickeln", erklärt Paula und stellt klar: "Zudem wollen wir möglichst vermeiden, dass uns Spieler ablösefrei verlassen."

Praktisch: Bei Senkrechtstarter Lippmann sowie den Torhütern Bachmann und Qela sind vereinsseitige Verlängerungsoptionen für je ein Jahr vorhanden. Was etwaige Abgänge angeht, kommt Paula nicht umhin, zu erklären: "Wir werden nicht verhindern können, dass uns immer wieder Spieler verlassen." Gerade bezüglich der Jugendspieler gilt: "1860 ist ein Ausbildungsverein und wird es vermutlich immer bleiben."

Paula bittet bei der Kaderzusammenstellung um Geduld

Eher unpraktisch für die Planungen: Die Zukunft des abwanderungswilligen Investors Hasan Ismaik ist ungewiss, hoch verschuldete Löwen haben sich neue Sparzwänge auferlegt und nach AZ-Infos (vorerst) einen deutlich geringeren Basis-Etat zur Verfügung als die aktuellen 6,3 Millionen. Neuzugänge werden alleine deshalb rar gesät sein.

Paula bittet jedenfalls, auch aufgrund zweigleisiger Planungen, noch um Geduld. Er habe aber "überhaupt keine Bange, was die Kaderzusammenstellung für die neue Saison betrifft."

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